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23.11.2018
  Von: Thorben Schwarz, Max Umlauft, Anja Hauck

Afghanistan – Was geht uns das an?

 

30 Jahre Erfahrungen eines deutschen Arztes unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen

Am Freitag, den 23. November 2018, war Herr Dr. med. Reinhard Erös an unserer Schule zu Gast, um einen Vortrag mit dem Titel „Afghanistan – Was geht das uns an?“ zu präsentieren. Um 10.50 Uhr begrüßte Frau Hellgartner ihn und erläuterte kurz das Zustandekommen des Vortrags. So wurde dessen Besuch von Frau Hauck organisiert, um das beim Banana-Fairday zusammengekommene Geld an Dr Erös zu übergeben und um damit die Organisation „Kinderhilfe Afghanistan“ zu unterstützen, die vom Ehepaar Erös ins Leben gerufen wurde. Dieses Hilfsprojekt wird auch vom Moosburger Eine Welt Laden unterstützt, mit dem unser Gymnasium zusammenarbeitet. Die Erös-Familie leistete und leistet vielbeachtete humanitäre Hilfe in Afghanistan. Sie betreibt auf privater Basis Friedensschulen, Mutter-und-Kind Kliniken, Gesundheitsstationen, Waisenhäuser und weitere Projekte, die alle eine realistische Perspektive für eine friedliche Zukunft des Landes am Hindukush bieten. Erös war selbst in seiner Funktion als Arzt beim Militär oft in Krisengebieten eingesetzt worden. Zu Beginn erklärte er ein wichtiges Ziel seines Vortrags: Herr Dr Erös möchte das Politik-Interesse von Jugendlichen wieder steigern, da dieses in letzter Zeit enorm zurückgegangen ist. Deshalb hielt er in den letzten Jahren ehrenamtlich an über 800 Gymnasien in Deutschland ähnliche Vorträge wie diesen. Er stellte auch die Problematik in den Raum, dass in Deutschland nur 1,3% der Bevölkerung Mitglied in einer Partei seien. Dann kam er zu den aktuellen Einsätzen deutscher Soldaten in Afghanistan. So waren in den letzten Jahren über 5000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert, von denen im Einsatz dort 60 ums Leben kamen. Er wies darauf hin, dass 2017 rund 70 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen seien, darunter 2/3 Kinder. Es sei mehr als notwendig diesen Menschen eine vernünftige Lebensperspektive im eigenen Land zu bieten, als hauptsächlich ins Miltär zu investieren, wie dies der Westen in der Vergangenheit getan habe. Herr Dr. Erös gestaltete den Vortrag sehr frei und souverän, er ging auch auf die Schülerinnen und Schüler ein. Zuerst berichtete er von seinen Bundeswehreinsätzen als Chirurg, danach erläuterte er den Zusammenhang der Flüchtlingskrise mit dem Afghanistan-Krieg. So war Afghanistan bis 2013 Platz 1 in der Liste aller Flüchtlingsländer. Unter den afghanischen Flüchtlingen seien hauptsächlich Jugendliche. Er erzählte auch von den topographischen Gegebenheiten des Land Afghanistan, seiner Geschichte und seiner Kultur fernab von allen Krisen. Erös selbst ist sehr vertraut mit diesem Land, da er dort wegen seiner Organisation ungefähr das halbe Jahr ist. Der dortige Nationalsport heißt nicht etwa Fußball oder Handball – sondern „Buskashi“ , das heißt übersetzt „Ziege-Ziehen“. Buskashi ist eine Sportart, bei der zwei Mannschaften gegeneinander spielen. Ziel ist es, eine tote Ziege (diese wurde am Tag vorher bereits geköpft und ausgenommen, und dann mit Sand und Steinen gefüllt), zum Preisrichter zu bringen. Die Ziege liegt zu Beginn im Spielfeld, muss von einem Pferd aus hochgehoben und dann „transportiert werden. Um an die Ziege zu gelangen, ist alles erlaubt, so gibt es bei jedem Spiel verletzte, manchmal auch Tote. Manche Spiele dauern mehrere Tage. Die Mitspieler haben einen sehr großen Ehrgeiz, auch bei Verletzungen denken sie nicht ans Aufgeben, wer aufgibt, wird lebenslang vom Spiel ausgeschlossen. Herr Erös erzählte von Mitspielern, die mit gebrochenen Füßen, etc. noch alles gegeben haben. Dabei zeige sich die Zähigkeit der Afghanen, die sie auch bei anderen Gelegenheiten unter Beweis stellen. Er kontrastierte dies humorvoll zu dem deutschen Nationalsport Fußball, bei dem Fußballprofis wegen nur kleinen Wehwehchen aufgeben.

Nachdem er diese Sportart ausführlich erklärt hatte, ging er auf die verschiedenen Stämme ein, so gibt es in Afghanistan mehr als 30 verschiedene Volksgruppen und Sprachen. Er wies nochmals darauf hin, dass die Bevölkerung sehr jung sei, es aber kaum Arbeitsplätze gebe und immer weniger Kinder zur Schule gehen würden. 68% der Afghanen hätten keinen Zugang zu einer klinischen Versorgung, 87% keinen Zugang zu Trinkwasser, 9 von 10 Afghanen hätten keinen Strom. Daher sei engagierte humanitäre Hilfe, die Hilfe zur Selbsthilfe sein solle, auch so wichtig. Herr Dr Erös schloss mit einem Zitat frei nach Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (E. Kästner), und wenn man es tut, fühlt man sich gut“ (R. Erös)

Nach seinem Vortrag überreichte der AK Fairtrade den Erlös des Banana Fairday als Spende (300 Euro), was Herr Erös dankend für seine Organisation annahm. Auch er hatte ein Geschenk für die Schülerinnen und Schüler unserer Schule dabei, so überreichte er Frau Hauck für die Schülerbücherei seine beiden Bücher „Tee mit dem Teufel“ und „Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen. Eine deutsche Familie kämpft für Afghanistan“. Über den informativen, aber dennoch kurzweiligen Vortrag war hauptsächlich positive Resonanz bei Schülern und Lehrern zu hören. Vielen Dank Herr Dr Erös!





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