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28.02.2017
  Von: Christine Fößmeier (Moosburger Zeitung)

Diskussion um die Rechte von Kindern

 

Bundestagsabgeordneter Irlstorfer und UNICEF-Vertreter stellen sich Fragen von Schülern

Foto: Stephan Hager

Foto: Stephan Hager

Foto: Moosburger Zeitung

Foto: Stephan Hager

Die rund 100 Schüler der Q12 des Karl-Ritter-von- Frisch-Gymnasiums waren sicher gespannt, was denn ein Bundestagsabgeordneter zu sagen haben würde. Versammelt hatten sich die jungen Leute zum UNICEF-Aktionstag Kinderrechte. Diesen hatte die UNICEF München AG der Schule angeboten und dazu den Abgeordneten Erich Irlstorfer als Diskussionspartner gewonnen. Das Gymnasium nahm das gerne auf, weil es ein „aktuelles Thema“ sei, das zudem auch auf dem Lehrplan der Q12 stehe, wie Schulleiterin Karolina Hellgartner feststellte. So waren auch die Organisatoren, Andreas Reif und Hans Loibl sowie federführend Stephan Hager, sehr neugierig auf die Runde mit Irlstorfer und den UNICEF-Vertretern Andrea Wüst und Dr. Gundolf Schütze.

Die Kritik zuerst: Hätten nicht einige Schülerinnen und ein Schüler Kinderrechtsthemen vorgestellt, dann wäre die Stimme der Jugendlichen etwas dünn ausgefallen. Das lag keineswegs an den jungen Leuten, sondern an der Dominanz von Irlstorfer. Ob es geplant war oder nicht, so kam auch UNICEF nur bedingt zur Vorstellung der eigenen Leute und ihrer Anliegen. Das floss zwar ein, aber eher beiläufig.  Umgekehrt war es höchst interessant, dem Politiker zuzuhören. Irlstorfer verkaufte sich gut, trennte immer mal wieder persönliche Gedanken von Parteipolitik oder der herrschenden Strömung in der Deutschland-  und Europapolitik. Dass es ihm dabei dennoch schwerfiel, ganz konkret, knapp und auf den Punkt die Fragen aus der Schülerschaft zu beantworten, gab er selber zu.

Insofern ist der Schritt zurück notwendig. Der Aktionstag setzte sich in zwei Unterrichtsstunden mit dem Thema Kinderrechte basierend auf der UN-Kinderrechtskonvention vom 20. November 1989 auseinander. Wie Wüst klarmachte: Viele wissen gar nicht, dass es diese zehn Punkte umfassende Konvention gibt. Hier wolle UNICEF größere Bekanntheit schaffen. Vier der Punkte wurden von Schülerseite und als Ersatz für das Jugendparlament von Hager näher beleuchtet, wobei Objektivität hier hörbar schwerfiel und persönliche Betroffenheitsmomente hochkamen. Beeindruckend wirkte Nicole Collignons fast nebenbei gesprochene und dennoch so wahre Äußerung: „Meist sind es kleine Dinge, die den Unterschied machen.“ Die Fassungslosigkeit und das reale Unwissen in Worten auszudrücken, dies gelang Maximilian Ernst, dem das Schwierige des Themas Kindersoldaten sehr bewusst war. Irlstorfer versuchte, in einer langen Erörterung auf einige der angesprochenen Punkte einzugehen. Was Collignon als problematisch herausgestellt hatte, nämlich das Zuweisen von Übersetzertätigkeit an Kinder und Jugendliche, die eine Fremdsprache schneller erlernen als ihre Eltern, sah der Politiker positiv. Das wäre für diese wichtig, um selbst einen Beitrag leisten zu können. Differenzierter als beim Stammtisch-Gespräch wollte Irlstorfer gleich darauf die Flüchtlingsproblematik diskutieren. Dabei zeigte er großes und nachvollziehbares Verständnis für syrische Flüchtlinge. Entwicklungshilfe dürfe zudem nicht heuchlerisch sein. Sinnvoller wäre es, mit dem „Kontinent“ eine Partnerschaft „auf Augenhöhe“ einzugehen und Perspektiven zu schaffen – mit viel Geld, aber auch Kontrolle. „Ein Mensch kann nie ein Problem sein“, meinte Irlstorfer angesichts des Flüchtlingsproblems. Hier kam es allerdings zur Kontroverse mit Schülerin Collignon, die drohende Abschiebungen als enorme Belastung für junge Flüchtlinge sieht. Ob wir einen Unterschied machen dürften, wo Kinder herkommen, fragte sie. Der Bundestagsabgeordnete sah dies als ethische Frage und als Frage des Machbaren: „Wir müssen den Menschen auch sagen, was nicht geht.“ Junge Leute dürften nicht aus ihrer Ausbildung herausgerissen werden – sofern sie sich nichts zu Schulden kommen lassen. Irlstorfer erwartet insofern die Akzeptanz unserer Lebenskultur und dass die Auszubildenden nicht straffällig werden. Ansonsten dürfe die Rückführung erfolgen. Auf Basis des Gastrechts betrachtete dies eine weitere Schülerin als akzeptabel. Zur Traumabehandlung äußerte sich Wüst und berichtete von der Einrichtung von Schutzräumen für Kinder und Jugendliche, sogenannte „child friendly spaces“. Irlstorfer kam jedoch nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass zu den Hochzeiten der Flüchtlingswelle die Zahlen der Traumatisierten von 18 auf 61 Prozent gestiegen seien, als die Regelung bekannt wurde, dass Trauma-Patienten nicht abgeschoben werden dürften. Insofern war die Frage eines Schülers, was man denn als junger Mensch gegen Kinderarbeit tun könne, fast schon entlastend.  Wüst wies augenzwinkernd auf den Kauf von UNICEF-T-Shirts hin, verwies ernsthaft auf das Vorhandensein von „Labels“ ohne Kinderarbeit und Auskunft aus dem Internet. Irlstorfer stellte heraus, dass die Politik sich hier engagiere, es sich aber ebenso um eine „Unanständigkeit“ handle, „die wir als Verbraucher bekämpfen müssen“. Gleichzeitig handle es sich um einen Spagat, da in der deutschen Bevölkerung das Bedürfnis auch nach billigen Produkten besteht.

Eine Flüchtlingsgrenze und „wir schaffen das“ seien für Irlstorfer ein Armutszeugnis, wenn sich die Politik darauf beschränke. Korruption und die Schwierigkeit, mit Mördern wegen Kindersoldaten zu verhandeln, wurden zuletzt kurz angerissen. Damit wäre die Diskussion gerade richtig in Fahrt gekommen. Doch die Zeit war um. Was bei den Schülern angekommen ist, blieb bedauerlicherweise ungewiss. Klar war nur: Die jungen Menschen machen sich Gedanken, mithin sogar Sorgen um in ihren Grundrechten bedrohte Kinder oder Flüchtlinge, die in Deutschland anscheinend nicht wirklich ankommen dürfen.





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