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22.11.2013
  Von: Sandra Rödl

Ein Mensch mit bewundernswertem Mut erzählt von seinem bewegenden Lebensweg

 

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10c und 10d hatten am Freitag, 22.11.2013 die Möglichkeit, einem bald 90jährigen Zeitzeugen der Gräueltaten des NS-Regimes zuzuhören. Durch die Initiative von Herrrn Rehm, dem Referenten für Erinnerungsarbeit und Gedenkstättenseelsorge in Dachau von der Erzdiözese Freising, und Herrn John, dem Pastoralreferenten der Stadt Moosburg, konnte Herr Shlomo Wolkowicz für einen Vortrag gewonnen werden.

Er hatte viel zu erzählen und begann in seiner Jugendzeit. Als Shlomo Wolkowicz siebzehn Jahre alt war und das Technische Gymnasium in Lemberg (Polen) besuchte, fand der Überraschungsangriff der Wehrmacht auf Polen im September 1939 statt. Die Stadt lag gewissermaßen auf der Frontgrenze und geriet in etliche Scharmützel zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee. Daher beschlossen Shlomo und einige Freunde, dass es vernünftiger wäre, aus Lemberg zu fliehen. Die Freundesgruppe löste sich allerdings nach einigen Tagen auf und Herr Wolkowicz ging alleine in Richtung Osten in die Stadt Zloczow weiter, wo ein Onkel und eine Tante von ihm wohnten. Man nahm ihn sehr herzlich auf, wobei sich das Leben für die jüdische Gemeinde in der Stadt rasch ändern sollte. So mussten auf Anordnung der SS an einem Morgen um 8.00 Uhr alle Juden auf dem Stadtplatz zur Arbeit erscheinen. Shlomo überredete seinen Onkel und seine Tante, der Aufforderung nicht zu folgen. Aber um 9.30 Uhr wurden sie von einigen SS-Mitgliedern aus der Wohnung geholt. Alle jüdischen Männer wurden dazu gezwungen, auf dem Schlosshof der Stadt Leichen wegzutragen, die die Rote Armee bei ihrem Auszug hinterlassen hatte.

Durch einen großen Zufall konnte Shlomo den Tag überleben, musste aber erneut fliehen. Bei dieser zweiten Flucht widerfuhr ihm zunächst unwahrscheinliches Glück, als ihn eine Familie in einem Dorf weiter östlich freundlich bei sich aufnahm. Nach und nach jedoch wurde die Dorfgemeinschaft immer misstrauischer und so entschied sich der junge Mann ein weiteres Mal zu fliehen.

Bewegend erzählte er von seiner nun dritten Flucht, die keineswegs glücklich verlaufen war, sodass er von ukrainischen Polizisten verhaftet wurde. In seiner Zelle wartetet er nach stundenlangen Schlägen eigentlich auf den Tod und doch hatte er wieder unglaubliches Glück: Er fand in seiner Hosentasche sein Taschenmesser, das man beim Durchsuchen nicht entdeckt hatte. Daraufhin überlegte Shlomo Wolkowicz nach einem Ausweg und schnitt mit seinem Messer das Schloss aus seiner Zellentür heraus. Auch dieses Mal konnte er aus einer scheinbar ausweglosen Lage durch seinen beeindruckenden Mut fliehen und rettete sich tatsächlich zu seinen Eltern.

Hier endete der einstündige Vortrag, damit noch Zeit für Fragen offen blieb, die sich vor allem auf die Familie von Herrn Wolkowicz bezogen.

Viele gingen zutiefst bewegt aus dem Raum und überlegten vermutlich noch lange, wozu man selbst wohl fähig wäre, wenn alles aussichtslos scheint.

 

Vielen, vielen Dank an den nahegehenden und höchst bewegenden Vortrag und an die Organisation durch die beiden Pastoralreferenten und den Fachbetreuer Geschichte, Herrn Hager.

Ein Dank geht an dieser Stelle auch an den „Schule ohne Rassismus“-Paten des Gymnasiums, Herrn Franz, der uns bei diesem Vortrag begleitet hat.





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