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05.06.2012
  Von: Bernhard Huber

Aufbau der Schule war sein Lebenswerk

 

Nachruf des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums auf Gründungsleiter Dr. Norbert Herrmann

Foto: privat / Moosburger Zeitung

Moosburg. Einen Nachruf widmet das Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums seinem verstorbenen Gründungsschulleiter Dr. Norbert Herrmann, der am 30. Mai im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Studiendirektor Bernhard Huber schreibt:

„Dass das Bayerische Kultusministerium mit Wirkung vom 17. September 1974 Norbert Herrmann zum Schulleiter des neu gegründeten Gymnasiums in Moosburg ernannte, erwies sich bald als ein großer Glücksgriff. Denn mit Herrmann erhielt die Schule eine Persönlichkeit an führender Position, die in hohem Maße genau die Eigenschaften mitbrachte, die in der so wichtigen und schwierigen Phase des Aufbaus von entscheidender Bedeutung sind: Tatkraft, Organisationstalent, Durchsetzungsvermögen, Entscheidungsfreude, Humor, hohe fachliche und pädagogische Qualifikation, eine offene und den Menschen zugewandte Art sowie Freude daran, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an verschiedenen Fächern zu wecken, ihnen Neues beizubringen und ihnen bei ihren Problemen als väterlicher Freund und Ratgeber zur Seite zu stehen.

Prägende Jahre

Diese Eigenschaften wurden Norbert Herrmann sicher nicht alle in die Wiege gelegt, sondern er hat sie sich im Laufe der Jahre erworben. Geprägt haben ihn dabei nicht nur der Kriegsdienst, den er nach dem Abitur ableisten musste, und die sich anschließende Gefangenschaft, sondern auch, dass er die ersten Nachkriegsjahre mit verschiedensten „Berufen“ und Tätigkeiten überbrücken musste, ehe er zwischen 1948 und 1952 in Regensburg und München Biologie, Chemie und Geographie studieren und mit dem 1. und 2. Staatsexamen abschließen konnte. Schon damals zeigte sich sein großes Interesse an immer Neuem, gerade auch außerhalb des wissenschaftlichen und schulischen Bereichs, schärfte sich sein Blick für Mensch und Natur, für das, was wichtig und was überflüssig ist, und für den Weg, den man gehen und die Ziele, die man nicht aus den Augen lassen soll.

Immer suchte er neue Herausforderungen und Anregungen. So ist es bezeichnend für ihn, dass er – zwei Wochen nach seiner Hochzeit – zusammen mit seiner Frau für vier Jahre in den Auslandsschuldienst nach Afghanistan ging. Auch dass er nach und neben einer zwischenzeitlichen Lehrtätigkeit in München-Pasing, in Fürth und am Freisinger Domgymnasium die Herstellung von vornehmlich für den Biologieunterricht vorgesehenen Filmen betreute, erweiterte seinen Horizont und sein Vermögen, über den Tellerrand des schulischen Alltags zu blicken und dabei die Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten und zu beurteilen. So hatte sich also eine umfassend gebildete, vielseitig interessierte und in verschiedenen Bereichen tätige Persönlichkeit herausgebildet, als 1974 die Ära Herrmann am Moosburger Gymnasium begann.

Und trotz der bis dahin so vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten darf man sicherlich behaupten, dass er den Aufbau dieser Schule als sein Lebenswerk betrachtete. Dabei standen natürlich die organisatorischen Fragen erst einmal im Vordergrund, hatte doch das Gymnasium zunächst noch gar kein eigenes Haus! So musste der Schulalltag verteilt auf Räumen in mehreren Gebäuden organisiert werden, die in halb Moosburg verstreut lagen. Erst nach dreijähriger, naturgemäß nicht immer reibungsloser Planungs- und Bauphase konnte im September 1977 das eigene Schulhaus an der Albinstraße bezogen werden. Trotz der anfänglichen Zusatzbelastungen standen für Norbert Herrmann immer die pädagogische Arbeit und das Wohl der Schüler im Mittelpunkt.

In den ersten Jahren kannte er nicht nur die Namen und das Notenbild aller Schüler, sondern er wusste auch oft über den familiären Hintergrund Bescheid und kümmerte sich bei eventuell auftretenden Problemen, wo immer er konnte. Sein Ziel war die Gestaltung „einer menschlichen Schule“. Er wollte, dass den Kindern und Jugendlichen nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern dass sie zu verantwortungsvollen und selbstständigen Menschen erzogen werden. Dass die Schule für die Kinder da sein solle und nicht umgekehrt, darf wohl als sein pädagogisches Motto angesehen werden. Dementsprechend groß war seine Beliebtheit bei den Schülern, die bei ihm immer ein offenes Ohr fanden, und bei vielen „Ehemaligen“ genießt er bis heute eine hohe Wertschätzung, denn sie erinnern sich gerne an das vor allem von ihm geprägte Wohlfühlklima an der Schule.

Selbst im Hintergrund

Der groß gewachsene hagere Mann mit der Tabakspfeife war längst zu einer Institution geworden, doch seine eigene Person stellte Herrmann dabei immer in den Hintergrund. Auf öffentliches Lob legte er keinerlei Wert, ja, es war ihm sogar höchst unangenehm, geehrt zu werden oder auf irgend eine Weise im Mittelpunkt zu stehen. So lehnte er zum Beispiel jegliche Verabschiedungsfeier ab, als er 1986 in den Ruhestand ging. Deshalb entsteht auch dieser Nachruf mit einem Gefühl des schlechten Gewissens, da er eine solche Würdigung wohl gar nicht gerne gesehen hätte.

Everybody’s darling wollte er nie sein und allen Leuten nach dem Mund zu reden, um die Erwartungen der jeweils aktuellen Mehrheitsmeinung zu erfüllen, widerstrebte ihm zutiefst. Nicht selten verbarg er seine im Grunde liebenswürdige, freundliche, feinfühlige Art hinter einer etwas rauen Fassade und sein Umgangston war manchmal durchaus direkt und robust. Jeder, der ihn kannte und so erlebte, wusste aber, wie es gemeint war, und schätzte seine unverblümte Aufrichtigkeit.

Namen durchgesetzt

Und dass er sehr kämpferisch und hartnäckig sein konnte, wenn er etwas erreichen wollte, was ihm wirklich wichtig war, konnte man an seinem Engagement in der Frage der Namensgebung für das neue Moosburger Gymnasium sehen. Gegen manche Widerstände setzte er durch, dass die Schule nach seinem verehrten Lehrer an der Münchener Universität, dem Verhaltensforscher Karl Ritter von Frisch, benannt wurde, der für seine Veröffentlichungen zur so genannten Bienensprache den Nobelpreis erhalten hatte. Als persönliches Vorbild schätzte er Karl von Frisch nicht nur wegen dessen außerordentlicher wissenschaftlicher Leistungen, sondern vor allem auch wegen der Bescheidenheit und Zurückhaltung, die dieser selbst in Zeiten größten Erfolgs an den Tag legte. Wie bezeichnend für eine Persönlichkeit wie Norbert Herrmann!

Als Dr. Herrmann firmierte der ehemalige Moosburger Schulleiter übrigens erst in den letzten Lebensjahrzehnten, denn – und auch das ist wohl eine der ungewöhnlichen und höchst bemerkenswerten Seiten an ihm – nach seiner Pensionierung griff er seine zu Beginn der beruflichen Tätigkeit unterbrochene Doktorarbeit wieder auf und promovierte mit der Bestnote „summa cum laude“ über die heimische Pflanzenwelt. Da war er schon beinahe 70 Jahre alt!

In den Jahren des Ruhestands hat er die Entwicklung „seiner“ Schule immer mit großem Interesse verfolgt und noch vor wenigen Monaten nahm er an einer Veranstaltung zum 125. Geburtstag des Namensgebers Karl von Frisch teil. Letzten Mittwoch starb Oberstudiendirektor i. R. Dr. Norbert Herrmann wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag. Das Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium Moosburg ist ihm zu größtem Dank verpflichtet.“





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