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01.12.2002
 

Tod bei Lampenschein

 

Fortsetzungskrimi: Hier der gesamte Fortsetzungskrimi, der von Januar bis Dezember 2001 in outlook veröffentlicht wurde

Tod bei Lampenschein

Für Regisseur Roy Miller war das Gespräch beendet. Er drehte sich um und ging auf seinen Schreibtisch zu. Sein Büro im zweiten Stock des Verwaltungstraktes des Filmstudios ,,Monaco“ im Westen von München war dunkel, nur am Schreibtisch brannte eine Lampe. Roy Miller war müde und genervt zu gleich. Vor seinem geistigen Auge ließ er den heutigen Tag noch einmal Revue passieren. Er sah sich wie er seinen undisziplinierten Schauspielern Anweisungen gab, seine Regieassistentin zurecht wies, da sie seinen Anordnungen wieder einmal nicht genüge geleistet hatte. Mit dem Verfasser des Drehbuches gab es heftige Auseinandersetzungen hinsichtlich bestimmter Skriptänderungen. Und weil das noch nicht genügte, drohte der Produzent den Geldhahn zuzudrehen. Aber dem würde er es zeigen, diesem Carlo Migretti! Hatten sie doch vertraglich festgelegt, dass er monatlich eine bestimmte Summe zahlen müsse. Wehe, wenn Ludwig Ringsdorf, dieser untalentierte Skriptschreiber, ihn bei Carlo angeschwärzt hatte! Er war wieder einmal auf sich allein gestellt! Auf die Hauptdarsteller Niclas Winter, Claire Leroux, Nancy Gilbert und Kurt Wagner konnte er wohl kaum bauen und seine Regieassistentin Stefanie Kramer war ihm mehr eine Last als eine Hilfe. Kein Wunder, dass er sich zu der Äußerung hinreißen ließ, alle am liebsten gleich zu feuern. Ausgerechnet jetzt fiel sein Blick auf das Foto seiner Frau auf dem Schreibtisch. Ihre krankhaften Eifersuchtsanfälle gingen ihm schon lange auf die Nerven! Seufzend ließ er sich auf seinen Bürostuhl nieder, nahm das Manuskript zur Hand und wie immer vergaß er über der Arbeit seine Probleme. Plötzlich vernahm er eine recht wütende Stimme aus dem dunkleren Bereich des Zimmers: “Ich lasse mir das nicht mehr bieten.“ Miller hob erstaunt den Kopf, drehte sich aber nicht nach dem Sprecher um. ,,Ach, immer noch da!“ Der Regisseur klang sehr gelangweilt. ,,Mein letztes Wort in dieser Sache ist schon gefallen! Wir sehen uns morgen! Pünktlich um 9 Uhr! Gute Nacht!“ Endlich war er allein. Für Miller war die Sache erledigt, daher wandte er sich wieder seinen Büchern zu, und versank wieder in seine Traumwelt.

Nach einiger Zeit, beugte er sich vor, um nach einem etwas entfernten Wasserglas zu greifen. Da fiel ein Schatten auf die vor ihm liegenden Papiere. Er spürte einen stechenden Schmerz und sank nach vorne. Der Regisseur war tot. Kurze Zeit später schlug die Tür zu. Die Lampe brannte noch.

II:  Barbaras Bücherstube:

Das Telefon klingelte nun schon zum zehnten Mal. Anton Rupp, der Assistent von Hauptkommissar Thoma Brucker, von der Münchner Mordkommission versuchte seinen Chef zu erreichen. Endlich meldete sich eine verschlafene Stimme am Ende der Leitung :,,Ja, Brucker. Wie spät ist es eigentlich?“ Anton Rupp, der seinen Chef gut genug kannte, dass er ihm zu dieser Zeit nur mit Fakten kommen durfte, legte gleich los: ,,Es ist 5.30Uhr. Wie haben eine männliche Leiche auf dem Monaco Filmgelände in Obermenzing. wir werden gebraucht. Ich hole Sie in ca. 20 Minuten ab.“ Ohne die Antwort seines Chefs abzuwarten, beendete er das Telefongespräch. Auf dem Weg zum Tatort informierte Rupp den Hauptkommissar über die ihm schon bekannten Einzelheiten. ,,Der Tote, ein gewisser Roy Miller, ist Regisseur. Er wurde vom Nachtwächter des Filmstudios um 5.00Uhr gefunden. Dieser hat dann sofort die Polizei verständigt. Die Polizisten vom Menzinger Polizeirevier haben inzwischen den Tatort abgesperrt, da mit Sicherheit bald die ganze Filmcrew eintreffen wird. Die Spuren dürfen nicht verwischt werden.“ Als die beiden Beamten am Tatort eintrafen war die Spurensicherung schon vor Ort. Eine Lampe auf dem Schreibtisch brannte noch. Der Tote lag mit seinem Oberkörper nach vorne übergeneigt auf dem Schreibtisch. Auf seinem Rücken war eine Wunde, die stark geblutet haben musste, da sowohl auf dem Schreibtisch, als auch auf dem Fußboden eingetrocknete Blutspuren zu sehen waren. Das Foto einer seht attraktiven Frau war offensichtlich auf den Boden gefallen .Man konnte den Eindruck gewinnen, als habe es der Regisseur vor seinem Tod in der Hand gehalten. Neben dem Bürostuhl lag ein ca. 30 cm langer Brieföffner. Ob das die Tatwaffe war? Auf dem Schreibtisch blinkte ein Anrufbeantworter Hauptkommissar Brucker ließ das Band zurückspulen und hörte die Nachrichten ab. Zwei Mal war eine verärgerte Frauenstimme zuhören: ,,Wo bleibst du eigentlich? Ich will nicht ständig auf dich warten,, und eine tiefe Männerstimme erinnerte den Regisseur an ein vereinbartes Treffen. Auf der linken Seite des Schreibtisches befand sich eine halb geöffnete Ledermappe mit der Aufschrift ,,Verträge — vertraulich“. Rechts stand noch ein großer Aschenbecher, der übervoll mit Zigarillostummel war. Sonst fielen den beiden Beamten in diesem spartanisch eingerichteten Büro keine Besonderheiten auf. Sie prägten sich die Einzelheiten genau ein. Die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass oft der erste Eindruck sehr zur Lösung eines Falles beiträgt. Es wurden ungefähr 10 verschiedene Fingerabdrücke gefunden. Nachdem die Spurensicherung ihre Arbeit beendet hatte, konnte auch die Leiche abtransportiert werden. ,,Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden die ersten Leute hier auftauchen“, dachte Hauptkommissar Brucker bei sieh.

Die Filmcrew erschien fast geschlossen um 8.00 Uhr im Büro des Filmstudios, da täglich vor Drehbeginn eine Besprechung stattfand. Kommissar Brucker setzte sie mit knappen Worte über die Sachlage in Kenntnis. Stefanie Kramer, die Regieassistentin brach in Tränen aus. Als sie sich wieder gefasst hatte, wurde sie als Erste befragt, ob ihr  hier irgendetwas verändert vorkäme. Sie schaute sich kurz um und entdeckte die halbgeöffnete Ledermappe auf dem Schreibtisch. ,,Hier in dieser Mappe müssten die Verträge aller Schauspieler, Komparsen und die, der Mitarbeiter für die Technik sein‘ aber sie ist leer,“ stellte sie fest. Die weiteren Befragungen des Filmteams brachten nur, dass jeder auf irgendeine Weise mit Roy Miller Ärger gehabt hatte. Keiner wollte sich genau äußern, warum die Zusammenarbeit mit dem Regisseur so schwierig gewesen war. Nachdem jetzt noch bekannt wurde, dass die Verträge offensichtlich gestohlen waren, wirkten alle sehr beunruhigt. Eine Komparsin, die in einer Massenszene im Film mitwirken sollte, tauschte mit dem Hauptdarsteller Nielas Winter einige fragende Blicke aus, was dem Hauptkommissar nicht entging. Nancy Gilbert erwähnte nur noch, dass der Scriptschreiber Ludwig Ringsdorf immer noch nicht erschienen sei und Claire Leroux fügte noch an, dass eigentlich auch der Produzent Carlo Migretti kommen müsse, da ja heute der weitere Verlauf der Dreharbeiten besprochen werde sollte. Die Befragung der beiden Hauptdarstellerinnen wurde durch ein kurzes Klopfen an der Bürotüre unterbrochen. A. Rupp steckte seinen Kopf durch den Türspalt und bedeutete seinem Chef, dass noch weiter Personen eingetroffen seien. Durch die geöffnete Türe zog ein leichter Duft von Zigarrenrauch.

III & IV: Gerd Beubl, Jugendreferent der Stadt Moosburg

Draußen vor der Tür stand Carlo Migretti, mit einer dicken Zigarre in der Hand und beschwerte sich lautstark, was das ganze Theater und der Auflauf hier soll. Scriptschreiber Ludwig Ringsdorf, wie der ermordete Roy Miller den Drehbuchautor immer geringschätzig ,nannte, war zwischenzeitlich auch erschienen. Der schwere Zigarrenrauch der Davidoff Grand Cru, die Carlo Migretti in seiner unnachahmlichen Art rauchte, hüllte den Vorraum in Nebelschwaden. Brucker brach die ,Befragung der beiden Hauptdarstellerinnen, die ihn in der Sache nicht weiterbrachten, ab und wies seinen Assistenten an, doch Carlo Migretti zu ihm zu bringen. Rupp konnte, als er Carlo Migretti bat, zu Hauptkommissar Brucker zu kommen, auf Grund des Zigarrenqualms nur mehr schwach erkennen, dass Migretti und Ringsdorf sich in vertrauter, ja fast liebevoller Weise unterhielten und sich tief dabei in die Augen schauten. Brucker musterte Migretti, der ihm ein eigenartiges Bild abgab. Migretti war ein untersetzter Mann um die Vierzig, grauer, eleganter, italienischer Maßanzug, der ,seine doch bereits etwas aus den Fugen geratene Figur immer noch elegant erscheinen ließ.,, Ich bin Carlo Migretti, Filmproduzent“, stellte er sich kurz und arrogant ,vor ,,und habe mit diesem schrecklichen Mord nichts aber schon überhaupt nichts zu tun. Sie können mich einfach Carlo nennen. Nur eine Bitte habe ich, halten Sie mich nicht allzu lange auf. Ich muss nämlich anschließend heute noch wichtige Termine wahrnehmen“. ,,Roy, das arme Schwein, ist offensichtlich hinterhältig umgebracht worden. Kein schöner Tod, für einen mittelmäßigen Regisseur“, laberte Carlo ungefragt weiter. ,,Schade, viel Geld von mir ist damit umsonst investiert, zum Fenster rausgeschmissen, aber ich war mir eh nicht sicher, ob das ganze Projekt im Sinne von Roy zu Ende gebracht hätte werden können.“ Während dieser Sätze ließ er seine Davidoff nicht aus den Augen und saugte in regelmäßigen Abständen immer wieder an seiner dicken Zigarre. Brucker hatte alle Hände voll zu tun, um sich ins Gespräch zu bringen. ,,Hören sie mal Migretti‘ hier ist ein Mord verübt worden und sie haben den Ermordeten gut gekannt und wollen zum Tagesgeschäft übergehen. Wann haben sie Roy Miller zuletzt gesehen, gesprochen und gab es Konflikte zwischen ihnen und Roy?“ schnitt Brucker ziemlich barsch Migretti das Wort ab. Migretti überlegte kurz und antwortete auf die Fragen von Brucker. ,,Roy Miller war wie gesagt ein mittelmäßiger Regisseur. Ich ließ mich überreden, ihm Regie führen zu lassen, weil ich seiner Frau einen Gefallen tun wollte. Eigentlich hielt ich ihn für ungeeignet, aber sei­ne Frau, die ich von früher kannte, näheres muss ich doch hoffentlich nicht ausführen, überredete mich, dass ich mich für Roy Miller ent­schied. Das wusste Roy aber nicht. Er hielt sich für einen begnadeten Regisseur. Ich hätte doch auf Ludwig Ringsdorf besser hören sollen. Auch der ständige Ärger mit den Schauspielern und seiner Regieassistentin ging mir zum Schluss ziemlich auf die Nerven und ich hätte mir denken können, dass dies keine Zukunft hat, dass Roy aber so vor die Hunde geht, das habe ich auch nicht voraussehen können. Schade darum.“ Brucker machte sich kurz Notizen und ließ die Art und die Kälte sowie Migrettis. offensichtlich angeborene Arroganz auf sich wirken. ,,Können sie sich vorstellen, wer Miller ermordet haben könnte bzw. haben sie eine Vorstellung von einem Motiv des Mörders?“, schloss Brucker völlig teilnahmslos seine Fragen an Migretti. Dieser ließ mit der Antwort nicht lange auf sich warten: ,,Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, aber vielleicht fragen sie Leute, die es wissen könnten, für mich ist das Ganze hier nur Zeitverschwendung. Wenn sie eine Ahnung haben, können sie mich ja informieren“. Brucker ließ es dabei fürs erste und entließ Migretti, der sich postwendend mit sei­ner fast fertiggerauchten Davidoff von Brucker abwandte.,,Ihre Gelassenheit muss ich immer wieder bewundern, ließ Rupp ziemlich aufgeregt im Raum stehen. Ich hätte diesen unverschämten und aufgeblähten Möchtegernproduzenten das Fürchten gelernt und ihm gezeigt, was eine polizeiliche Vernehmung heißen kann.“ Brucker ließ seine Blicke aus dem Fenster gleiten und wies Rupp an nun Ludwig Ringsdorf reinzuholen. Migretti war noch bei Ringsdorf, sie tuschelten miteinander. Ringsdorf war das glatte Gegenteil von Migretti, schlank, Mitte 30, sportlich, elegant und leger gekleidet, auf seine Äußerlichkeit sehr bedacht. Im Gegensatz zu Migretti wirkt Ringsdorfintrovertiert, er schaute fragend zu Brucker. ,,Welches Verhältnis haben sie zu Roy Miller gehabt? Gab es in letzter Zeit Streit zwischen Ihnen und Miller? eröffnete Brucker seine Fragen. Ringsdorf antwortete nicht sofort, fast in sich versunken antwortete Ringsdorf nach einer längeren Pause: ,,Ich musste auf Veranlassung von Migretti das Script ändern, da Schauspieler mit Miller und Miller mit ihnen immer wieder heftige Auseinandersetzungen gehabt haben. Auch die unterschiedlichen Verträge mit den Schauspielern, die ich im Detail aber nicht kannte, gaben immer wieder Anlass zur Unzufriedenheit. Zuletzt war er auch noch mit der Regieassistentin Stefanie Kramer verkracht, obwohl ihn diese immer sehr verehrte. Roy meinte immer, ich wäre derjenige der alles zu verantworten hätte, dabei handelte ich nur im Auftrag von Migretti. Und Migretti weiß immer was er will. Er wollte eine Umbesetzung in einer der weiblichen Hauptrollen und dazu sollte eine Scriptänderung der Vorwand sein. Das belastete natürlich auch mein Verhältnis zu Miller und führte zu handfesten Auseinandersetzungen mit Roy, er bezeichnete mich sogar als untalentierten Scriptschreiber. ,,Auch seine Zuneigung zu Claire und Nancy - die sich immer aber nur sehr oberflächlich herausstellten- machten die Sache, verbunden mit der krankhaften Eifersucht seiner bildhaft schönen und attraktiven Frau auch nicht leichter. Zum Schluss war sogar die Finanzierung des Projekts von Migretti in Frage gestellt, da Roy sich nichts sagen lassen wollte.“ ,,Und da war noch was: Miller hatte aus früheren Filmprojekten, an denen er sich finanziell beteiligte, hohe Schulden. Falls nun Migretti den Geldhahn zudrehen sollte, müsste er seine Villa in Grünwald verkaufen, an der er zwar nicht so hing, aber dafür um so mehr seine bildschöne und attraktive Ehefrau, die auch schon geäußert haben sollte, dass sie sich von Miller trennen wollte, falls die Villa nicht zu halten ist“, schloss Ringsdorf seine Ausführungen. Doch diese Worte drangen nicht mehr an Bruckers Ohr, denn seine Augen richteten sich plötzlich auf das Fußende des Schreibtisches von Miller. Was er da entdeckte und offensichtlich der Spurensicherung entgangen sein musste, bannte seine ganze Aufmerksamkeit.

V: JUP Moosburg

Er konnte es nicht fassen. Etwas war da! Bloß was? Er schloss die Tür hinter Migretti und steuerte auf das weiße Etwas zu. Er ging in die Knie und sah, dass es ein weißes Stück Papier war, dass unter dem Schreib­tisch mit Tesafilm unordentlich fest­geklebt worden war. Gerade als er begonnen hatte, den Tesafilm abzulö­sen, kam Migretti wieder ins Büro —was Bruck allerdings nicht be­merkte, weil er sich auf den Zettel konzentrierte Migretti bemerkte wiederum Brucker nicht, der unter dem Schreibtisch saß. Leise schlich Migretti Richtung Schreibtisch ,,Mist! Beinahe hätte ich es verges­sen. Wo kann es bloß sein?“, dachte Mitgretti bei sich. ,,Endlich!“ — Mit einem Seufzer stand Brucker auf und erstarrte: ,,Was suchen Sie denn hier?“, fragte er Migretti. ,,Ahm... ich...ähm also ich, ich habe was vergessen. Oh! Da liegt es ja!“ Migretti schnappte sich einen Sta­pel leere DinA4.Blätter und düste verlegen wieder aus dem Zimmer. ,,Nanu? Leere Blätter ... Wieso hat er leere Blätter vergessen? Brucker wunderte sich. Er drehte und wende­te den Zettel, doch er war unbeschrif­tet. Hatte das etwas mit dem Mörder zu tun? Wieso hat er sich soviel Mühe gemacht, ein leeres Blatt zusammen­zufalten und selbiges dann am Schreibtisch zu befestigen? ,,Hm ... Migretti hatte doch eben einen Stapel unbeschriebener Blätter mitgenommen ... Und dieses Stück Papier ist auch unbeschrieben ... Ich werde es mal gründlich untersuchen Er steckte den Zettel ein und fuhr nach Hause. Währenddessen fluchten die Schauspieler. So viel Zeit hätten sie bereits vergeudet und immer noch kein passables Ergebnis vorzuweisen. Nur Nancy Gilbert flüsterte leise: ,,Wer kann nur so grausam sein? Den Regisseur einfach so ohne Grund um­zubringen... Oder gab es einen Grund? Das würde mich schon inter­essieren.“ Niklas Winter beobachtete sie von der Seite und wandte sich dann von ihr ab. Als Brucker zu Hause angekommen war, rief er sofort seinen Arbeitskol­legen Rupp an und berichtete ihm alles: was ihm die Schauspieler er­zählt haben, welche Reaktionen er beobachtet hatte, ob sich jemand ver­dächtig verhalten hat und besonders von seinem äußerst interessanten Fund, dem Zettel. Das unbeschriebe­ne Blatt. Rupp fragte, ob Brucker schon dar­an gedacht habe, den Zettel zu erwär­men und zu sehen, ob auf diese Art vielleicht eine verborgene Botschaft zu Tage käme. Einen tatsächlich un­beschriebenen Zettel zu verstecken wäre doch sinnlos. ,,Daran habe ich noch nicht ge­dacht. Aber das klingt interessant, du hast recht! Danke! Ich melde mich später noch einmal bei dir! Tschüss!“ Brucker schnappte sich ein Bügeleisen und bearbeitete das Blatt. Nichts. Er wiederholte die Prozedur energischer. Und dann:,,Haha ... Hahahahaha ...,,Was er da sah, brachte ihn sehr zum Lachen...

VI : Jugendhaus

Wie konnte ein erwachsener Mann wie Migretti so kindisch sein? Denn offensichtlich hatte er nach diesem Papier gesucht. Brucker wischte sich Tränen des Vergnügens aus den Augenwinkeln. Das wird eine Schlagzeile geben: „Zitronengeschwängertes Geständnis des liebestollen Produzenten“. Doch leider keines, das in kriminalistischer Hinsicht beweise liefern würde. Obwohl, ein ordentliches Motiv ließe sich daraus machen. Brucker rief seinen Assistenten Rupp an und erzählte ihm, was er entdeckt hatte: „Stell dir vor Anton, mit Zitronensaft geschrieben, eine Liebesbotschaft an…he Moment mal, da steht ja   mein Geliebter! Also entweder ist Migretti schwul und wurde erpresst, oder er versucht jemanden zu schützen. Nur wen?...und warum? Anton, wir haben viel vor heute. Hol’ schon mal den Wagen, wir fahren zur Witwe.“ Auf dem Weg nach Grünwald grübelte Brucker vor sich hin, Rupp kannte seinen Chef gut genug, um ihn jetzt nicht zu stören. Die beiden Beamten kamen im „Villenviertel“ an und suchten die richtige Adresse, was gar nicht so einfach war, denn hier stehen keine Namen an den Klingeln, „man weiß wo wer wohnt“. Und wer nicht, hat hier nichts verloren. Eine versteckte Hausnummer offenbarte sich und Rupp klingelte. Nichts rührte sich, Rupp versuchte es noch einmal, wieder nichts. Sie sahen sich mit beunruhigenden Blicken an. Dann kletterte Rupp über die Mauer und öffnete Brucker die Gartenpforte, eigentlich ein Portal, aber das tut hier nichts zur Sache. Sie gingen so vorsichtig und leise über den lärmenden Kies wie es nur möglich war, aber der war von der Sorte, die fröhlich vor den Füssen hüpften und lautpolternd ankündigten, dass da jemand versucht, den Weg zu benützen. Eben dieser Lärm verschaffte der Silhouette, die sie am anderen Ende des Anwesens sahen, den Vorsprung, um wie eine Fatahmorgana ins Nichts zu verschwinden. Rupp und Brucker sahen sich an, dachten beide an das opulente Essen vom Vortag und schüttelten die Köpfe. „Lass uns lieber ins Haus schauen“, sagte Brucker und stürmte über die halb  offene Terrassentüre in das, man kann es nicht anders bezeichnen, „Living Room“. Zum Glück zählte auch die darin liegende Dame noch größten Teils zu den Lebenden. Abgesehen von einer die Umgebung rötenden Platzwunde und der Abwesenheit ihres Bewusstseins, schien die Dame wohl auf. Rupp telefonierte nach den Kollegen und dem Notarzt. Brucker sah sich diskret um, während er versuchte, die Dame wieder in die Realität zurück zu holen. Doch diese weigerte sich beharrlich. Was ihm als erstes auffiel, war die absolute Abwesenheit von Unordnung und Schmutz. Nicht ein Staubkrümel wagte es im Sonnenlicht zu tanzen (mal abgesehen davon, dass es nicht angebracht gewesen wäre, unter diesen Umständen). Das Zweite und Dritte war die überschwängliche Dekoration der Wände mit Fotos von Stars und Sternchen (die er bei genauerer Betrachtung alle nicht kannte) mit freundlich gekritzelten Widmungen. Das Vierte war: Es brannte keine Lampe!

VII: Ute Holinski, Betreuerin OUTLOOK-Die Jugendseiten

Ein heftiger Knall ließ Bruckner aus seinen Gedanken aufschrecken – ein Windstoß hatte die noch immer nur angelehnte Terrassentür zuschlagen lassen. „Wo nur der Notarzt bleibt“, nörgelte Rupp, der es sich inzwischen in einem der roten Clubledersessel bequem gemacht hatte, „Das ist doch immer das ...“ -   „Nicht mehr nötig“, unterbrach Bruckner seinen Assistenten, „ Ich glaube, die Lady erwacht gerade aus ihren Träumen.“ Bruckner ging ein paar Schritte auf die Blondine zu, die noch immer in der Mitte des Zimmers lag, sich aber gerade zu regen begann. Irgend etwas irritierte ihn an der Frau – doch  für dieses vage Gefühl war jetzt kein Platz. „Frau Miller, aufwachen! Hören Sie mich?“, Bruckner hatte sich dicht über das schmale Gesicht gebeugt. Der fast leblos wirkende Körper verströmte einen eigenwilligen Duft – anziehend - abstoßend? Was war das für eine Mischung? An was erinnerte ihn dieses süßliche, und doch mit einem leicht rauchigen Unterton versetzte Parfüm, das Sybille Miller anscheinend bevorzugte? Die Frau schlug die Augen auf, im gleichen Moment klingelte im Nachbarzimmer das Telefon. „Frau Miller, was ist mit Ihnen passiert? Wer hat Sie zu Boden geschlagen?“, auch Rupp kniete jetzt neben Bruckner und bombardierte die gerade noch Bewusstlose mit seinen Fragen. „Immer mit der Ruhe“, dämpfte Bruckner den Arbeitseifer seines Assistenten, „Stellen wir uns erst einmal vor: Hauptkommissar Bruckner, mein Assistent Rupp, Münchner Kripo. Frau Miller, können Sie sich an irgend etwas erinnern? Was ist passiert?“ „Wie bitte, was, können Sie Ihre Fragen noch einmal stellen, ich weiß nicht wovon Sie sprechen.“, Frau Miller hatte sich mühsam aufgerappelt, strich sich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und blickte Bruckner verständnislos an. Ihre gepflegten, rot lackierten Finger tasteten vorsichtig den Stirnbereich ab, leicht angeekelt blickte sie auf die Blutspuren, die nun auch ihre Fingerspitzen rot leuchten ließen. „Entschuldigen Sie, darf ich erst einmal, ich meine, ich würde gerne mal kurz ins Bad gehen?“ Bruckner blickte der großen, schlanken Frau hinterher, als sie, noch etwas wacklig auf den Beinen, den Raum Richtung Diele verließ. Er hatte sie schon einmal gesehen, er war sich sicher, aber wann und wo? Gedankenverloren griff er nach der blauen Twinsetjacke, die am Boden lag, und wieder stieg ihm dieser merkwürdige Duft in die Nase. Das war kein Parfüm, nein, etwas anderes überlagerte das Süßliche, „Chef, soll ich mal das Telefon suchen?“, es war Rupp mit seinem Talent für den falschen Augenblick. Das Telefonklingeln hatte inzwischen aufgehört, trotzdem nickte Bruckner kurz.  Rupp, der seinen Chef kannte, wusste Bescheid und machte sich auf den Weg zum Nebenzimmer. Bruckner warf die Jacke achtlos auf einen der Clubsessel und sein Blick fiel erneut auf die Fotogalerie der Stars und Sternchen. „Das gibt`s doch gar nicht!“ , hörte er Rupp aus dem angrenzenden Raum erstaunt rufen, „Auf dem Anrufbeantworter ist die Miller!“ „Was?“, Bruckner eilte die paar Schritte zu seinem Kollegen und gemeinsam hörten sie noch einmal das Band ab: „Roy, bist du da? Komm, nimm ab! Ok, dann halt nicht. Es tut mir Leid wegen gestern, aber ich war sauer, und dann ist Charly vorbei gekommen, na ja , ist ja jetzt auch egal. Roy, tu mir wenigstens einen Gefallen und kontrolliere unsere Terrassentür, ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich sie gestern Abend wirklich zugemacht habe; das kannst du doch tun, oder. Also, bis nachher, ich fahre jetzt hier in Nürnberg los .Ciao!“ Bruckner und Rupp starrten sich an. Wen hatten sie gerade in Millers Wohnzimmer gefunden?

Rupp hastete die Treppe zum ersten Stock hoch – vergeblich, im ganzen Haus konnte die geheimnisvolle Frau  nicht mehr gefunden werden. Der inzwischen eingetroffene Notarzt wurde unverrichteter Dinge wieder weggeschickt, auch die angeforderte Verstärkung konnte wieder abdrehen. Bruckner und Rupp saßen abgekämpft im „Living-Room“, der Schlafmangel machte sich langsam bemerkbar. Sepp, der Kollege von der Spurensicherung, musste Bruckner wachrütteln, als er ihn fragte, ob er den weißen, unbeschriebenen Zettel, den er in der blauen Twinsetjackentasche gefunden hatte, wegwerfen könnte.

VIII:  Klaus Bösl, ev. Pfarrer

„Her damit“, knurrte Bruckner, „das ist die zweite Hälfte“. Leicht verständnislos reichte Sepp ihm den Zettel. Bruckner schnüffelte daran: „Klar, Zitronensaft! Und wenn du jetzt noch ein Bügeleisen auftreibst, können wir der Sache auf den Grund gehen.“ Aber vergebens, im ganzen Haus ließ sich nicht das kleinste Bügeleisen finden und – wie im Film - vor eine brennende Flamme halten, wollte er diesen wertvollen Fund auch nicht. Er war sich zwar sicher, was er auf dem Zettel lesen würde, aber vor Überraschungen konnte man nie sicher sein. Die Müdigkeit war jetzt wie weggeblasen.

„Anton“, rief er, „komm doch mal her!“ Er setzte sich mit Rupp an den Eßtisch. „Vor zwei Stunden sind wir hergekommen; erst diese komische Figur, die sich in Nichts aufgelöst hat; dann die falsche Miller mit ihrer Platzwunde und dem seltsamen Geruch – wenn ich nur wüßte, woher ich die kenne und wonach sie roch. Dann der Anruf von der richtigen Miller auf dem AB – hey, schau mal nach, wann die angerufen hat!“ Rupp war gleich wieder zurück: „16 Uhr 44“ Bruckner schaute auf. „Das war vor über fünf Stunden. Sie hat doch gesagt, dass sie jetzt in Nürnberg losfährt. Dann müßte sie eigentlich schon längst hier sein...“ „Und wenn sie gar nicht aus Nürnberg angerufen hat?“ warf Rupp ein, “und wer ist Charly?“ „Nein, nein, die Miller – das kann ich mir nicht vorstellen. Welches Motiv hätte sie denn? Sie liebt ihren Roy, er ist von ihr abhängig; Eifersucht – nicht so berechnend; nein nein.“ Bruckner murmelte den Schluß nur noch leise vor sich hin. „Halt jetzt hab ich’s. Davidoff – die Frau roch nach Davidoff - die muß davor bei Migretti gewesen sein. Oder Migretti hat sie hergeschickt. Wir müssen uns morgen diesen sauberen Herrn noch mal etwas genauer anschauen.“

Das Spurensicherungsteam verabschiedete sich. Außer zwei blutverschmierten Taschentüchern hatten sie nichts von Belang gefunden. Die Twinsetjacke und den Zettel gab Bruckner nur ungern her, aber vielleicht ließ sich daran doch noch etwas finden.

„Sollen wir noch auf die Miller warten oder gehen wir auch“, fragte Rupp. „Ich glaube nicht, dass sie noch kommt, sie war nämlich schon längst da“, fluchte Bruckner. „Nur wir waren so blöd, dass wir uns nicht aus dem Haus bewegt haben! Zwei Stunden Vorsprung, da kommt man ganz schön weit. Und wonach sollen wir jetzt – mitten in der Nacht - fahnden. Welches Auto hat sie – oder sitzt sie schon längst im Flugzeug?“

„Einen dunkelblauen Audi TT mit dem Kennzeichen M – Strich – M 19 68. Wenn Sie wollen bringe ich Sie zu ihr“, sagte eine sonore Stimme von der noch offenen Terrassentür her. „Sie hatte einen Unfall und liegt in Starnberg im Krankenhaus.“ Bruckner und Rupp fuhren herum. Der Mann an der Tür konnte nur Charly sein! Aber gleichzeitig stöhnten sie auf. „Sie...“

VIIII: Susanne Hensel & Julia Englharrt, (Klasse 9)

Herr Bruckner kam todmüde nach Hause. Dieser Fall gab ihn tausend Rätsel auf. Erst diese geheimnisvolle Frau, die aufgetaucht und wieder verschwunden war, so als hätte sie nie der Wirklichkeit angehört und dann diese untauglichen Liebesbriefe, eine Wolke Davidoff dazwischen und dieser unsympathische Migretti!!! Den musste er auf jeden Fall noch genau unter die Lupe nehmen! „Aber morgen“, dachte er gähnend, „jetzt nur ins Bett.“ Wehmütig fielen ihm die sametweichen Kissen ein – mit goldenen Lilien bestickt. Und der sanfte Atem seiner Frau .. himmlisch...verführend...“Jetzt kommst du schon wieder so spät heim und weckst dabei noch ganz München auf, du Trampel!!“ Erschrocken fuhr er herum. Seine Frau stand in der Schlafzimmertür, die Hände ii die Hüften gestemmt. Ein rosa Morgenmantel war achtlos über ihr schneeweißes Spitzennachthemd geworfen, die Zornesröte stand ihr ins Gesicht geschrieben. Entsetzt starrte er sie an. Diesen Ton war er nicht gewohnt. Er war schließlich der Hauptkommissar! „Wie redest du eigentlich mit mir?“. Völlig perplex wie er war, ließ er den Hausschlüssel fallen. Ein tiefes kleines Loch zierte von da an den sündteuren Parkettboden. „Ich habe deinen Beruf wirklich satt! Du kommst so geschafft nach Hause, dass du gleich wieder unseren Boden ruinierst. Und deine Launen hängen mir zum Hals heraus!2 „Was haben meine Launen denn mit meinem Beruf und dem Boden zu tun?“ Seine Frau schnaubte vor Verachtung. „Gisela hat mir heute erzählt, dass ihr Mann ihr zum Hochzeitstag eine atemberaubend schöne Reise an die Nordsee geschenkt hat. Es soll „total“ romantisch gewesen sein: jeden Abend ein candlelight-dinner mit anschließendem gemeinsamen Spaziergang am Strand, wo der Vollmond mit seinem leicht silberfarbenen Schein ein göttliches Licht auf die sich kräuselnden Wellen geworfen haben soll! Aber du hast unseren Jahrestag mal wieder völlig vergessen!!! Und alles wegen diesen blöden Falls da. Du verbringst viel mehr Zeit mit deinem idiotischen Assistenten und „Rüpel“ Rupp als mit mir, der immer selbstgestrickte Krawatten von seinem Vorfahren aus der Steinzeit trägt- und, als wäre das nicht genug, verschiedene Socken!“ „Du übertreibst...“ „Beim Film kennst du dich sowieso nicht aus!“ wurde er sofort wieder unterbrochen. Nie wirst du dahinter kommen! Du mästetest dich doch bloß auf Kosten des Staates!!“ Ihre Lippen bebeten vor Wut. In ihren Augen funkelte der Ärger. „Gerade, dass ich mich noch beherrschen kann! Sei froh, dass ich dir keine klebe! Du hättest es mehr als verdient!!“ Bruckner wurde immer kleiner. Seine Müdigkeit war wie verflogen. Was war nur los mit ihr?? All die Jahre hatten sie doch keinen Streit, immer hatte Harmonie in ihrem Haus geherrscht. Ihre Ehe war doch normal gewesen!“... und damit du`s weißt: Gib sofort diesen Fall ab oder ich ziehe auf der stelle aus!“ Wütend schlug sie ihm die Tür vor der Nase zu. Mit einem lauten Knall fiel sie ins Schloss. Noch immer drangen gedämpfte Worte ihrer schrillen Stimme durch die dicke Eichentür. „Niemals...niemals wirst du diesen Fall lösen!! So wahr ich Brunhilde.heiße!!...Niemals...NIEMALS!!!!!!!!!“

X: Josef Birnkammer Management-Trainer, Stadtrat

„Nimm …Nimm also noch deine warme Milch zu dir und komm zu Bett “ ,wie Wattebällchen fielen diese wohltuend warmen Worte in den rüden Traum von Bruckner. Er öffnete langsam aber kräftig seine Augen, sodass sich seine Augenbrauen fast unter den Haaransatz schoben – kniff sie nochmals energisch zusammen, dann blickte er auf. Die dunkelbraunen   Augen seiner Frau lächelten umarmend und die Sanftheit ihrer streichelnden Hände bedeckten seinen Ärger wie ein weißes Linnen.

Immer ärgerte er sich, wenn er auf dem Wohnzimmersessel eingeschlafen war und wohl nicht sehr viel Energie in sein privates Umfeld hatte einbringen können.

Als sie im Bett lagen, versuchte er noch an das angenehme Gefühl von vorher anzuknüpfen und ließ die Wattebällchen auf die weiße Schlafzimmerdecke niedersinken. Er drückte die Hand seiner Frau und krümelte: „Erinnere mich morgen früh bitte  an Schnee. “ Sofort schlief er tief und fest – nur die Lampe brannte noch.

„Rupp, Anton Rupp“ ,er posaunte das erste „R“ des Satzes noch während er den Türgriff erfasste und warf sich selbst mit dem Rest seiner Worte durch den Türstock. „Wo sind die Untersuchungsberichte aus dem Labor, wurden die beiden Papierstücke schon untersucht?“   Mit einem Blick aus dem Fenster fügte er noch halblaut hinzu: „Heute schnappt die Falle zu“. Das Müllauto gegenüber fuhr gerade wieder ab, um nach ein paar Metern das nächste Tonnenquartett zu erreichen.

Es klang, als wollte Rupp seine Antwort buchstabieren: Nein, C i t r o n e n s ä u……“  „Wer spricht denn hier von Tintenklecksen“  ,Bruckner durchschnitt die Worte seines Assistenten: „ich spreche von Schnee, Mann.“

Rupp fröstelte und Bruckner glaubte für einen Augenblick in Rupps bleichem Gesicht eine Karotte zu sehen. „ In einer Stunde möchte ich den Bericht über mögliche Kokainspuren, die sich auf diesen beiden Blättern befinden könnten auf meinem Schreibtisch haben! Rasch – Rupp – rasch, die Zeit drängt“. Rupp rannte davon - ohne noch eine Wort, ein Geräusch   oder einen Blick im Raum zu hinterlassen.

Der Fall wird langsam zu einer runden zusammenhängenden Sache.  Immer transparenter scheinen die Fakten  zu werden und es reiht sich Stück an Stück. Welche Rollen spielen die einzelnen Figuren, Charaktere? Der eigentliche Anfang dieser Geschichte, der dann zur Eskalation - zu Mord führte, wird wohl schwer zu finden sein, sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung werden nötig sein, um die Entwicklung der Ereignisse sichtbar zu machen.

Wie ein Film zogen die Ereignisse der letzten Tage an Bruckners geistigem Auge vorbei. „Auf geht`s - so könnte es klappen“ Bruckner stülpte die Tesa-Film-Rolle, mit der seine Hände gespielt hatten, mit einen selbstbewussten Ruck über den Brieföffner auf seinem Schreibtisch und ging mit fast stampfenden Schritten zur Tür. Er war sich   bewusst, dass es nicht einfach sein würde, von den infrage kommenden Personen einige Haare zu ergattern. Sie durften es auf keinen Fall bemerken. Eine DNA-Analyse von Promis oder Leuten, die sich dafür hielten, offiziell durchzuführen, würde die Klatschpresse auf den Plan rufen und das konnte er jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Da gab es außerdem noch den Datenschutz, dem er auch Rechnung tragen musste.

„ Es gibt keine Problem, nur Problemlösungen“ motivierte er sich selbst, als er den Raum verließ ….

XI: Konrad Goldbrunner, Jugendreferent Stadt Moosburg

Er setzte sich in sein schwarzes Dienstauto und fuhr nochmals zu Millers Haus. Dort angekommen durchsuchte er jede Schublade, jede Ecke hinter der er etwas zu finden glaubte. Im Schlafzimmer wühlte er in den Schränken, begutachtete jedes Kleid, jede Hose.

Sein Blick fiel auf eine kleine Schachtel. „Photo´s Urlaub 01“ stand darauf. Er öffnete sie. Rechnungen, Rechnungen, nur Rechnungen. „Milena, 1 Übernachtung, 58,- €, Roy Miller / Carlo Migretti.“ “Was!” ER konnte sich diesen kurzen Schrei nicht verkneifen. Es war auf jeder Rechnung dasselbe 1 Übernachtung, Hotel Milena, Roy Miller / Carlo Migretti.
Vollkommen verwirrt ging er durch das Haus. „Was hat das zu bedeuten.“ ,fragte er sich immer wieder. Er holte sein Handy heraus und reif Rupp an: „Wir treffen uns in 20 Min. vor dem Hotel Milena. Bis gleich!“ war alles was er sagen konnte. Sofort setzte er sich in den Wagen und fuhr. Auf dem Weg kamen ihm die widersprüchlichsten Gedanken. „Migretti und Miller in einem Hotelzimmer im nächsten Ort, der Produzent der den Geldhahn zudrehen will und der Regisseur, der bei der Arbeit ermordet wurde. Unrealistisch, .. aber eigentlich ganz logisch“ ,dachte er sich. Rupp wartete bereits vor dem Hotel. Als Bruckner ankam stellten sie gemeinsam erstaunt fest, dass es sich bei dem Hotel um einen bekannten Szene- Treff aus dem Schwulen-Mileu handelte. Bruckner erklärter ihm kurz die Lage. Das Haus wirkte leicht verkommen. Die alte tannengrüngestrichene Tür ließ sich nur schwer öffnen, im Vorraum stand die Rezeption und zwei Sessel, dazwischen gingen rote Treppen nach oben, gegenüber waren Toiletten. Es war kein Fenster im Raum, zugehängt durch ein marinefarbenes Tuch, der Raum war dunkel. „Hallo?“ fragte Rupp laut in den Raum. „Komme schon!“ hörten sie eine männliche Stimme sagen und keine 5 Sek. später schob sich ein ca. 30 jähriger Mann durch die Hintertür der Rezeption. „Guten Tag, Bruckner und Krupp, Kriminalpolizei.“ „Hallo, haben Sie ein Zimmer reserviert?“ fragte der Mann freundlich. „Sehr witzig! Hören Sie zu, wir haben Rechnungen gefunden. Miller und Migretti, mehrere Rechnungen sogar, wir würden gerne das zuletzt gebuchte Zimmer der beiden sehen. Sie müssten vorgestern hier gewesen sein.“ „Jaja, Roy und Carlo kommen öfters her. Sie sind ja so ein schnuckeliges Paar. Carlo und ich, übrigens Frabrizio mein Name, sind Großcousins, deshalb bekommen sie die Zimmer auch stets billiger“ ,begann der Kerl an der Rezeption zu erzählen, während er den Schlüssel vom Brett nahm und die beiden die Treppe hinaufführte. Leicht verdutzt gingen sie ihm nach.
Sie gingen zum Zi. 7, erster Stock, der Mann öffnete die Tür, Bruckner u. Rupp standen in einem rosatapezierten Raum, mit roten Leuchten, einem großen Bett, einem Schrank im Eck und eine Tür zum Bad. Sie sahen sich beide genau um. „Und Sie sagen Miller und Migretti sind ein Paar, wussten Sie das Miller verheiratet ist?“ „Jaja, natürlich. Carlo ist ja auch verheiratet, das ist ja das Problem. Sie hatten sich geschworen, sich scheiden zu lassen, aber dann, dann ist Roys Frau schwanger geworden und der beschloss, es ihr vorerst noch nicht zu sagen. Carlo war natürlich zutiefst enttäuscht und hätte wohl alles getan, um Roys Frau aus dem Weg zu schaffen.“

Während Fabrizio erzählte, ging Rupp ins Bad. Er sah in die Dusche und wie durch Gottes Wille, lagen im Ausguss Haare, braune und graue Haare. Er schob sie sofort in ein Plastiktütchen und steckte sie ein. „Sagen Sie, Frabrizio, warum erzählen Sie uns das alles?“ fragte er. „Weil ich denke, Sie sind nicht gekommen, um sich ein Zimmer zu mieten. Ich weiß, das Carlo Roy in dessen Geschäften unterstützte und ihm aus Rache den Geldhahn zudrehen wollte. Und ich weiß, dass Roy schwangere Frau von Carlo erfahren hatte, Sie war schon immer ein furchtbar eifersüchtiger Mensch!“ „Kennen sie die Frau?“ „Aber natürlich kenne ich sie. Sie und Carlo machen schließlich öfters Geschäfte.“ „Welche Geschäfte?.“ Bruckner konnte es nicht glauben. „Drogengeschäfte.“ antwortete Fabrizio nüchtern. „Wollen Sie uns verarschen?“ Er wurde langsam misstrauisch. Diese Geschichten hörten sich an wie ein schlechter Krimi. „Nein, aber da zur Zeit eh niemand mehr weiß, was mit wem wo und warum los, ist finde ich, sollte unser Freund und Helfer da eingreifen“, ereifert sich Fabrizio. Meine Mama sagte immer: „Bei Geld hört Freundschaft und Verwandtschaft auf!“

„Zuviel, das ist zuviel, was machen wir jetzt?“ 2 Std. später im Büro waren die beiden über ihren Schock noch nicht hinweg. Sie warteten gespannt auf die Haaranalyse. Miller und Migretti ein schwules Paar, Millers Frau schwanger und Geschäftspartnerin von Migretti. Komplizierter konnte die Situation wohl nicht mehr werden. „Guten Tag, bin ich hier richtig bei Hauptkommisaar Bruckner?“ Die beiden trauten ihren Augen kaum...“

XII: Erwin Weber, Kulturreferent der Stadt Moosburg

Es war die Frau auf dem Foto vom Schreibtisch des Ermordeten. Sie wollte gerade beginnen sich vorzustellen, aber Assistent Rupp kam ihr zuvor. Er deutete auf den Stuhl neben dem Schreibtisch und während die attraktive und bildschöne Frau sich setzte, es war eigentlich mehr ein Zusammensinken auf dem Stuhl, sprach er sie mit einem prüfenden Blick an: "Frau Sybille Miller?" Die Frau nickte mit einem Ausdruck tiefster Verzweiflung. Rupp genoss es, dass er mit dieser Feststellung seinen Chef beeindruckte hatte. "Wir haben erfahren, dass sie sich im Krankenhaus Starnberg befinden, was machen sie hier in München?" Beide waren sehr gespannt auf die Erklärungen. Wusste sie vom Tod ihres Mannes? Ahnte sie davon, dass die Drogengeschäfte ausgeplaudert wurden? Wie weit ist sie Täter, wie weit Opfer? Oder inszeniert sie ein geniales Ablenkungsmanöver? Möchte sie mit einer Aussage jemanden decken? Alle diese Fragen gingen Hauptkommissar Brucker durch den Kopf, während Assistent Rupp Frau Miller beim Anzünden einer Zigarette behilflich war. Nachdem sich der Rauch des ersten Zuges im Zimmer verteilt hatte, munterte Brucker sie mit den Worten auf: "Nun erzählen sie bitte, was führt sie zuuns?" Sie holte tief Luft, die Beamten spürten, wie sie sich einen Ruck gab und dann mit leiser aber ruhiger Stimme zu sprechen begann: "Es ist Carlos Schuld. Dieses Schwein. Er schreckt vor nichts zurück. Der geht über Leichen." Hauptkommissar Brucker konnte seinen Assistenten gerade noch davon abhalten, die völlig deprimierte Frau durch ungeschicktes Nachfragen vom Reden abzuhalten. "Es ist sowieso alles aus. Aber der Carlo soll nicht ungeschoren davon kommen, dieser machtgeile und geldgieriger Schwuchtel." Sie atmete tief durch, starrte in den Boden und erzählte weiter: "Ich habe herausgefunden, dass Carlo und Roy sich regelmäßig in diesem Schwulenhotel treffen, das hat mich sehr verletzt und gedemütigt. Aber ich habe um Roy gekämpft, schließlich erwarte ich ein Kind von ihm. Ich hatte Roy soweit, dass er dieses lächerliche Verhältnis beenden wollte. Er hat ja auch nur deshalb mitgespielt, damit er Carlo als Geldgeber für seinen Film bei Laune hält. Roy hatte Angst vor Carlo, er weigerte sich anfangs, ich musste lange auf ihn einreden. Dann habe ich nachgeholfen." Rupp und Brucker blickten sich einen kurzen Moment fragend an. Kommt jetzt ein Geständnis? "Ich habe das Blatt mit der Zitronensäure beschriftet, im Büro meines Mannes versteckt und dann Carlo gesagt, wenn er nicht Schluss macht mit Roy, werde ich dafür sorgen, dass er durch diesepeinlichen "Liebesbriefe" vor der gesamten Filmcrew lächerlich gemacht werde." Jetzt fing Brucker an, die ersten Zusammenhänge zu erkennen. Er fragte sich, ob seine Vermutungen mit den Erklärungen von Frau Miller übereinstimmen werden. Um dies herauszufinden, brachte er sein Wissen ins Spiel. Fast beiläufig wandte er sich an Frau Miller: "Die Drogengeschäfte zwischen ihnen und Carlo Migretti spielen wohl keine so große Rolle?" Frau Miller erkannte, dass sie Brucker kaum etwas vormachen könne und nickte wiederum: "Ach, wissen sie, ich bin nur ein kleiner Fisch, eine, die ab und zu mal etwas weitergereicht hat. Aber mit meinem Wissen habe ich versucht, Carlo, der ja mit diesem Geschäft recht gute Gewinne erzielte, zusätzlich unter Druck zu setzten. Ich habe ihm gedroht, der Drogenfahndung einen Tipp zu geben. Von Ringsdorf, demScriptschreiber, bin ich vorgestern angerufen und gewarnt worden, dass Carlo außersich sei vor Wut und wenn er in diesem Zustand sagt, er lasse sich das nicht mehr bieten, dann muss auch damit gerechnet werden, dass er die Beherrschung verliert.Weil ich befürchtete, dass er mich zuhause belästigen werde, bin ich von Grünwald nach Gauting zu einer Freundin gefahren. Auf den Anrufbeantworter habe ich dann etwas von Nürnberg gefaselt. Ich musste ja damit rechnen, dass Roy und Carlo zusammen in unser Haus kommen." An dieser Stelle wird Brucker klar, wenn das stimmt, dann hat sie ein Alibi für die Tatzeit, sie kann alsoihren Mann nicht umgebracht haben. Da war aber noch die mysteriöse Unbekannt aus dem Haus von Millers. Wie passt die in den Ablauf? Vielleicht hat Frau Miller eine Erklärung? Er versuchte besonders geschickt zu formulieren: "Frau Miller, wir haben gestern eine Frau in ihrer Villa angetroffen. Sie ist offensichtlich kurz vor unserem Eintreffen niedergeschlagen worden." Eine direkte Frage vermied er, doch Assistent Rupp schob die Bemerkung nach: "Können sie uns dazu eine Erklärung geben?" Auch hier nickte sie und an Rupp gerichtet folgte: "Ich musste doch irgend wie herausfinden, was Carlo plant oder macht. Da ich Roy weder im Büro, noch am Handy oder zuhause erreichen konnte, war ich sehr beunruhigt. Da habe ich meine Freundin aus Gauting gebeten, sie solle sich im Haus umsehen. Als sie es betrat, wurde sie von einer anderen Frau überrascht. Es kam zu einem heftigen Streit und einem Handgemenge, dabei hat sie den "unbeschrifteten" Zettel mit dem zweiten Teil von dem "Liebesbrief" verloren, den ich ihr für den Fall mitgegeben hatte, dass Carlo auch da ist und verrückt spielt. Bei dem Streit fiel die andere Frau zu Boden und blieb liegen. Weil sie ein Fahrzeug kommen hörte, rannte sie in Panik davon ohne sich weiter um diese Frau zu kümmern. Sie war sich aber sicher, dass sie von Carlo geschickt worden war, um Spuren zu legen oder zu beseitigen." Das klang alles einleuchtend, aber wer hatte Miller umgebracht? Wusste Frau Miller vom Tod ihres Mannes? "Frau Miller, haben sie in der Zwischenzeit mit jemanden aus dem Büro ihres Mannes gesprochen?". Aus der Art, wie Brucker die Äußerung machte, wusste sie sofort, worauf er anspielte. "Ja, ich habe Ringsdorf erreicht. Er hat mir vom Tod meines Mannes berichtet. Er hat mir auch gesagt, dass er vorgestern abend beobachtet hat, wie Carlo Migretti als letzter aus dem Zimmer von Roy geschlichen ist. Als er nachschaute, war Roy schon tot. Weil er aber Angst hatte, selber als Mörder dazustehen, hat er bis jetzt nichts zur Polizei gesagt." Hauptkommissar Brucker setze sich auf seinen Stuhl am Schreibtisch, blickte in Gedanken versunken auf die Schreibtischlampe, die noch brannte und wies seinen Assistenten Anton Rupp an: "Herr Rupp, bestellen sie Ringsdorf in die Dienststelle und informieren sie die Kollegen: Sie sollen Carlo Migretti festnehmen, er steht unter dringendem Mordverdacht."





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