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15.11.2008
  Von: Moosburger Zeitung

„Alle FH-Absolventen bekommen einen Arbeitsplatz“

 

Prof. Hermann Heiler spricht über die FH Weihenstephan und den Berufsinformationsabend am Gymnasium

Moosburg. Am kommenden Donnerstag findet am Karl-Ritter-von- Frisch-Gymnasium ein Berufsinformationsabend statt. Zu diesem Anlass wird Prof. Hermann Heiler, Präsident der FH Weihenstephan, den Eingangsvortrag „Kundenorientierte Ausbildung“ halten und anschließend für Fragen zur Verfügung stehen. Im weiteren Verlauf des Abends werden Ehemalige des Gymnasiums den Schülern von ihren Berufserfahrungen berichten. Franziska Lenz und Lorena Hadersdorfer aus dem Leistungskurs Wirtschaft und Recht haben sich für die Moosburger Zeitung vorab mit Prof. Heiler unterhalten.

MZ: Wir haben uns über Ihren Werdegang etwas informiert und festgestellt, dass dieser wohl ursprünglich nicht auf eine Uni-Laufbahn ausgelegt war. Welche Interessen waren für Ihre berufliche Laufbahn von Bedeutung?

Heiler: Dazu muss ich ergänzen, dass ich aus dem Allgäu stamme – ein Gymnasium gab es nur in weiter Entfernung, daher war es nahe liegend, erst einmal die Realschule zu besuchen. Nach dem Realschulabschluss habe ich eine Lehre begonnen und war mir bereits nach zwei Wochen sicher, dass ich mein restliches Leben nicht so verbringen möchte. Nach der Lehre absolvierte ich also die zwölfte Klasse der FOS. Anschließend studierte ich „Allgemeine Elektrotechnik“ an der FH in München, wo ich gute Professoren hatte. Das war wohl für mich auch eine Motivation zu sagen: ‚So einen Job machst du auch mal.’ Darauf folgte aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation ein Zweitstudium „Datenverarbeitung/Kybernetik“, da ich nicht im Vertrieb, sonder lieber in der Entwicklung arbeiten wollte. Irgendwann hat es sich ergeben, sich für eine Professur in Weihenstephan zu bewerben.

MZ: Aber ist es nicht ungewöhnlich, über die FOS-Schiene Professor oder gar Präsident einer Fachhochschule zu werden?

Heiler: Damals schon, aber inzwischen kommt es häufiger vor, dass FH-Absolventen promovieren und anschließend Professor werden.

MZ: Ihr Fachgebiet ist hauptsächlich die Biotechnologie. Für wie wichtig halten Sie dieses in der heutigen globalisierten Wirtschaft?

Heiler: Wenn man die Zahl der Arbeitsplätze und die Wertschöpfungskette betrachtet, sehe ich dort einen riesigen Markt. Beispielsweise werden inzwischen 60 Prozent aller Medikamente biotechnisch hergestellt. Die Entwicklung geht weg von der Chemie hin zur Biotechnologie und stellt somit ein Gebiet mit großem Bedarf dar.

MZ: Welche Erfahrungen haben Sie durch ihre zahlreichen Aufenthalte an ausländischen Universitäten gemacht?

Heiler: Man sieht zum einen, dass andere auch nur mit Wasser kochen. Ich war an der Harvard Universität, wo ich gemerkt habe: der Ruf macht viel aus. Es sind allerdings auch traumhafte Rahmenbedingungen zum Arbeiten, da die Anzahl der Studierenden pro Professor wesentlich geringer ist als in Deutschland. Sehr oft bin ich auch in arabischen Ländern, um Studiengänge mit aufzubauen. Die Studienbedingungen dort sind mit unseren gar nicht zu vergleichen. Die Anzahl der Studierenden ist enorm hoch und man kann sich nicht sicher sein, ob etwas morgen oder erst in einem Jahr erledigt wird. Dort lernt man, sich zu gedulden.

MZ: Die folgenden Fragen beziehen sich auf die FH Weihenstephan. Wie viele Studenten hat die FH momentan?

Heiler: Ganz genau sind das 4036 Studierende. Im Lauf der vergangenen Jahre hatten wir ein Wachstum von 50 Prozent.

MZ: Sind die eher landwirtschaftlichen Studiengänge, wie zum Beispiel Gartenbau oder Forstwirtschaft, heutzutage noch aktuell?

Heiler: Aktueller denn je. Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, wie wichtig die Lebensmittelversorgung ist. Außerdem ist es sinnvoll, die angebotenen Studiengänge in der Land- und Forstwirtschaft umzubauen, da wir einen Zulauf von fünf bis zehn Prozent haben. Zudem werden neue Studiengänge geschaffen.

MZ: Gibt es Nachwuchsprobleme an manchen Fakultäten?

Heiler: Unser Studienangebot ist darauf ausgerichtet, die vorhandene Nachfrage zu bedienen. Studiengänge wie Gartenbau und Forstwirtschaft könnte man zahlenmäßig nicht verdoppeln, aber es werden wie bereits gesagt, neue Studiengänge angeboten. In diesem Jahr bieten wir bereits zusätzlich zwei Studiengänge im Bereich der „Erneuerbaren Energien“ sowie „Lebensmittelmamagement“ und „Bioprozesstechnik“ an.

MZ: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen?

Heiler: Sehr gut. Wir arbeiten im Mastersystem mit anderen Hochschulen zusammen, vor allem im Ausland. Beispielsweise mit der Schweiz und Frankreich, aber auch dem Bundesland Baden-Württemberg. Es sind noch weitere Masterstudiengänge in Kooperation geplant.

MZ: Wie gestaltet sich die Praxisorientierung der FH im dualen Studiengang?

Heiler: Die Studierenden beginnen mit einer 14-monatigen Lehre und fangen danach mit ihrem Studium an der FH an. Innerhalb des Studiums ist noch ein Praxissemester im Lehr- oder Ausbildungsbetrieb eingebaut. Somit haben sie nach sieben Semestern, also nur einem Jahr mehr, Berufsausbildung und Studium abgeschlossen.

MZ: Wie bereitet sich die FH auf den doppelten Abitur-Jahrgang 2011 vor?

Heiler: Momentan gibt es die Idee, dass die G9-Absolventen ihr Zeugnis bereits Ende April erhalten und damit ihr Studium am 2. Mai beginnen können. Unser Ziel ist es, zumindest in drei bis vier Studiengängen separat zum 2. Mai zu beginnen. Durch das FH-Dual-Studium beginnen viele zunächst mit der Lehre und starten zum 1. Oktober ins Studium.

MZ: Was dürfen oder müssen Sie in Ihrer Position als Präsident der FH entscheiden?

Heiler: Durch das neue Hochschulgesetz entscheidet nun das meiste, das vorher dem Minister überlassen war, die Hochschulleitung. Als Vorgesetzter der Professoren bin ich sowohl für das wissenschaftliche Personal als auch für die Lehre verantwortlich. Ebenso ist der Präsident für das Gehalt der Professoren verantwortlich.

MZ: Wie hoch ist die Abbruchquote bei ihren Studierenden?

Heiler: Sie ist mit 46 Prozent viel zu hoch. Wir sind dabei, nach den unterschiedlichen Gründen für die hohe Abbruchquote zu forschen. Unser Ziel ist es, diese Quote zu halbieren.

MZ: Bekommen alle ihre Studenten nach erfolgreichem Abschluss einen adäquaten Arbeitsplatz in der Industrie?

Heiler: Ja, alle! Das liegt zum einen an der nahezu halbierten Absolventenzahl und zum anderen daran, dass ein großer Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften am Arbeitsmarkt vorhanden ist.

MZ: Ist die Umstellung auf das Bachelor-/Master-System in Weihenstephan problemlos vonstatten gegangen.

Heiler: Ja, denn wir haben bei dieser Gelegenheit die Chance ergriffen auch eine Studieninhaltsänderung vorzunehmen. Man kann den Wechsel vom Diplom zum Bachelor mit den Worten „Neuer Start, neues Glück“ umschreiben. Durch die Reformation der Studiengänge hat sich die Möglichkeit geboten, auf Veränderungen am Arbeitsmarkt zu reagieren und zum Beispiel verpflichtende Sprachkurse wie Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, oder Chinesisch anzubieten.

MZ: Die folgenden Fragen beziehen sich nun auf den Berufsinformationsabend des Moosburger Gymnasiums: Sie haben zwei Kinder an einem Freisinger Gymnasium: Wie ist ihre Meinung zum G8?

Heiler: Nicht so negativ, wie es dargestellt wird. Dadurch, dass eines meiner Kinder noch im G9 und das andere bereits im G8 ist, bietet mir das eine gute Vergleichsmöglichkeit. Der große Nachteil, den ich sehe, ist die verkürzte Freizeit durch den häufigen Nachmittagsunterricht. Hierdurch werden Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel Sport stark eingeschränkt. Mein Wunsch wäre es, dass die Umstellung dazu genutzt würde, verstärkt im Team oder an Projekten zu arbeiten.

MZ: Was ist ihre Motivation, am 7. Berufsinformationsabend am Gymnasium Moosburg teilzunehmen?

Heiler: Ich möchte die Schulabsolventen motivieren und ihnen zeigen, dass es auch an der FH spannende Studiengänge gibt. Darüber hinaus möchte ich zukünftige Studierende gewinnen, um die FH vergrößern und ausbauen zu können.

MZ: Was halten Sie vom Moosburger Konzept, am Berufsinformationsabends, ausnahmslos Ehemalige als Referenten einzuladen?

Heiler: Das finde ich super. Meiner Meinung nach muss man sich für die jungen Menschen darstellen und ihnen zeigen, was aus ihnen werden kann.





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