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17.05.2007
  Von: Andreas Bauer, Dominik Kochleus, Sebastian Krojer, Karl Rausch, Matthias Schlamp

Von früh bis spat nach Novi Sad

 

Moosburger Schüler bei EU-Jugendparlament in Serbien

Jelena weiht Thomas in die Geheimnisse des Balkans ein

Herr Kratzer empfängt uns im Morgengrauen auf dem Bahnhof von Novi Sad

Auch die Ungarinnen waren von der Bahnreise geschafft

Erste Eindrücke von Novi Sad

Maria, die Teamerin der Pressegruppe, studiert u. a. Deutsch in Belgrad

Die Pressegruppe bei der Arbeit

Sebastian Krojer bei der Pressekonferenz im Plenarsaal

Ende des offiziellen Programms

Die Festung von Novi Sad im Abendlicht

Gruppenbild mit Lehrer auf der Festung

Jazz-Festival in Novi Sad

„Schlemmerfrühstück“ auf dem Wiener Westbahnhof

Blitzbesuch von Herrn Neumeier beim EU-Jugendparlament

Am 17. Mai 2007 kurz vor 15 Uhr brachen Thomas Bauer, Matthias Schlamp (beide 11c), Dominik Kochleus, Sebastian Krojer (beide K12) und ich , Karl Rausch, als ihr begleitender Lehrer, zu einer Reise nach Novi Sad in Serbien auf. Neben den Eltern fanden sich an diesem  verregneten Vatertagsnachmittag auch Frau Bürgermeisterin Anita Meinelt und der stellvertretende Freisinger Landrat Hans Neumeier auf dem Bahnsteig  ein. Die Bedeutung des Augenblicks wurde noch zusätzlich durch die  Lautsprecherdurchsage von Herrn Werner Mertl, dem guten Geist des Moosburger Bahnhofs, unterstrichen. Er kündigte die unmittelbar bevorstehende Abreise der Jungparlamentarier auf den fernen Balkan an.

Tatsächlich sollte die Reise es in sich haben. 14  Stunden Zugfahrt lagen vor uns. Gegen 20 Uhr stiegen wir in Wien aus dem ICE  in den Balkanexpress Richtung Bukarest um  und bezogen zu fünft ein Abteil mit sechs Liegeplätzen. Aber ans Schlafen war in dieser Nacht kaum zu denken. Das lag zum einen daran, dass es mit Jelena  auch eine hübsche junge Musikstudentin aus Belgrad  in unser Abteil verschlagen hatte. Da sie leidlich gut deutsch sprach, machte sie uns in den nächsten Stunden mit den Geheimnissen und Besonderheiten Serbiens vertraut. Die wohl wichtigste Information dürfte auch Meteorologen interessieren. Wenn es in Wien regnet, regnet es ein bis zwei Tage später auch in Belgrad, allerdings bei deutlich höheren Temperaturen. Tatsächlich schüttete es am Freitagabend in Novi Sad bei angenehmen 20°C wie aus Kübeln.

Gegen Mitternacht, als wir nach der Passkontrolle an der ungarischen Grenze (Schengen-Außengrenze) unsere Liegen endlich schlaffertig machten, hatte die Schaffnerin mit Jelena ein Einsehen und besorgte ihr doch noch einen anderen Platz im offensichtlich gut ausgebuchten Zug. Als Andenken schenkten wir ihr eine Tragetasche des Landkreises Freising und eine Anstecknadel der Stadt Moosburg, um so den Bekanntheitsgrad unserer Heimat in Südosteuropa zu mehren. Trotz der beengten Verhältnisse wollte jeder von uns ein wenig zu schlafen. Das Abteil wurde von innen verriegelt, weil die serbische Schaffnerin uns dringend vor ungarischen Taschendieben warnte. Schon nach drei Stunden wurden wir wieder unsanft geweckt. Aber es waren keine magyarischen Kleinkriminellen, die uns bedrängten, sondern ungarische und anschließend  serbische Grenzpolizisten, die unbedingt unsere Pässe sehen und abstempeln mussten, weil wir jetzt endgültig die EU hinter uns ließen. Wer konnte, versuchte noch einmal kurz einzuschlafen, die andern sehnten das Ende der Reise herbei.

Pünktlich um 5 Uhr morgens trafen wir auf dem Bahnhof von Novi Sad, der Hauptstadt der Vojvodina, ein. Herr Peter Kratzer und Herr Josip Koberski, die beide maßgeblich an der Organisation und Durchführung des EU-Jugendparlaments beteiligt waren, holten uns zusammen mit einer Gruppe ungarischer Schülerinnen ab, die mit demselben Zug gekommen waren. Weil das offizielle Quartier erst ab 13 Uhr zur Verfügung stand, wurden wir vorläufig in einem Studentenwohnheim „zwischengelagert“. Dort frühstückten wir, duschten uns und nahmen zaghaft erste Kontakte zu den Ungarinnen auf. Ansonsten verbrachten wir die nächsten Stunden mit Schafkopfspielen, weil das windig-frische Wetter nicht wirklich zu einem Erkundungsgang einlud.

Kurz nach 13 Uhr fuhren uns zwei Taxis in  ein Internat in der Innenstadt, aus dem die Schüler fürs Wochenende ausquartiert worden waren. Der Kontakt zu den anderen 140 Jugendparlamentariern aus Kroatien, Serbien, Ungarn und Rumänien war von Anfang da. Viele von ihnen konnten Deutsch und die meisten sprachen recht gut Englisch. An Schlaf war in den folgenden zwei Nächten kaum zu denken, weil viel und laut auf den Gängen diskutiert und gefeiert wurde. Noch lange wird uns der Samstagabend in Erinnerung bleiben. Von zwei bis halb sieben morgens beglückten uns ein Gitarrenspieler und seine Freunde mit ihrem Liedgut. Ein Highlight war dabei die serbokroatische Version von „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht!“

Gegen 14 Uhr machten wir uns auf den Weg in das historische Stadtzentrum von Novi Sad. Inzwischen hatte es zu regnen angefangen (Jelenas Wetterprognose war absolut zuverlässig) und wir flüchteten uns – weil uns die Stadt noch etwas fremd war – erst einmal ins nächste McDonald’s.

Nach der offiziellen Einschreibung im Parlamentsgebäude der Vojvodina wurde um 17 Uhr das EU-Jugendparlament im großen Plenarsaal feierlich eröffnet. Alle standen auf und lauschten ergriffen Beethovens Ode an die Freude (Europa-Hymne). Die kurzen Begrüßungsreden hielten u. a. der Präsident der Vojvodina, der deutsche Botschafter Dr. Andreas Zobel, je ein Vertreter der Europäischen Kommission und der OSZE in Serbien, ein Europaabgeordneter aus Rumänien und Frau Ursula-Seiler-Albring aus Stuttgart. Sie ist Präsidentin des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), das von Deutschland aus diese Veranstaltung maßgeblich vorbereitet hatte.
Alle Redner betonten, wie wichtig der Balkan und insbesondere seine Jugend für die Zukunft Europas seien. So viele Reden und das Anhören der Simultanübersetzung machten natürlich hungrig. Ein üppiges Buffet in einem Nebenraum bot für jeden etwas und in lockerer Atmosphäre konnten  sich die Jugendlichen über ihre bisherigen Eindrücke austauschen und mit der Polit-Prominenz ins Gespräch kommen.
Gestärkt  kehrten wir in den Parlamentssaal zurück. Im Plenum wurde der Ablauf und Inhalt des Jugendparlaments vorgestellt. Die 140 Jugendlichen sollten unter Anleitung von serbischen Teamern, die alle perfekt deutsch und englisch sprachen, die EU-Erweiterung realistisch nachspielen. Dazu mussten das Parlament, die Kommission, der Rat und die Vertretungen aller  27 EU-Länder personell besetzt werden. Eine kroatische und türkische Delegation sollten den Beitritt ihrer Länder in die EU beantragen und eine serbische Abordnung ein Assoziierungsabkommen mit Brüssel vorbereiten. Die Moosburger Schüler  wurden mit sechs Mädchen aus Serbien und vier Rumäninnen aus Sibiu (Hermannstadt) der Presse zugeteilt. Bis 22:30 Uhr saßen die Jugendlichen zusammen und  bereiteten sich mit ihrer Teamerin Maria auf die Arbeit am nächsten Tag vor.

Der Samstag war der zentrale Arbeitstag des Jugendparlaments. Von 9 Uhr bis 20:30 Uhr berieten die einzelnen Gremien im Parlamentsgebäude über die Anträge von Kroatien, Serbien und der Türkei. Es war erstaunlich, mit welcher Ernsthaftigkeit beinahe alle Jugendlichen ihre Rolle verinnerlichten. Fast wie im richtigen Leben brach z. B. eine Vertreterin der Türkei in Tränen aus, weil sie von der  EU mit immer neuen Forderungen nach Reformen konfrontiert wurde und das Gefühl hatte, dass man die Türkei offensichtlich ohnehin nicht in Europa dabeihaben wolle. Der Pressestab war im Keller untergebracht und mit PC, Internet etc. richtig professionell ausgestattet. Interviews mit den politischen Akteuren, Kommentare und Berichte wurden laufend geschrieben und anschließend an einer Medienwand vor dem Plenarsaal veröffentlicht. In Spitzenzeiten stürzten so viele Neuigkeiten auf die Journalisten ein, dass oft nur Eilmeldungen verfasst werden konnten. Außerdem wurden mehrere Pressekonferenzen anberaumt, die es ebenfalls vorzubereiten galt. Das war wirklich Stress pur. Die serbischen Mädchen bildeten  die nationale Pressegruppe, die ihre Meldungen in der Landessprache verfassten, während die Rumäninnen mit den Moosburger Schülern sich deutsch unterhielten und ihre Informationen in englischer Sprache veröffentlichten.

Gegen 18 Uhr wurde es ernst. Im Plenarsaal verkündeten die Sprecher der EU-Gremien ihre Entscheidung:

  • Kroatien wird in die EU aufgenommen
  • Das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit Serbien wird ebenfalls angenommen.
  • Das Beitrittsgesuch der Türkei wird abgelehnt, allerdings eine mögliche Aufnahme in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen.

Ein feierliches Abendessen und die Auswertung des bisherigen Planspieles beschlossen um 21 Uhr den langen Arbeitstag.
Hinterher trafen sich die Jugendlichen in einer der vielen Kneipen in der Altstadt von Novi Sad und diskutierten noch engagiert bis tief in die Nacht über das bisher Erlebte.

Am Sonntagvormittag wurde das EU-Parlament feierlich beendet. In einem ersten Teil werteten noch einmal alle Arbeitsgruppen ihre Erfahrungen  mit dem Planspiel aus. Nach einer Kaffeepause  hatten wieder politische Ehrengäste das Wort. Die deutsche EU-Parlamentarierin Doris Pack lobte die geleistete Arbeit und sagte noch einmal ungewöhnlich deutlich, dass Serbien erst dann eine Chance auf den Beitritt zur EU habe, wenn es vorbehaltlos mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenarbeite.
In der abschließenden Diskussion lobten alle Teilnehmer die professionelle Durchführung des Planspiels, insbesondere den großen Einsatz der serbischen Teamer, die ihre Arbeit weitgehend ehrenamtlich leisteten. Die serbischen Hauptnachrichten hatten allein am Samstag sieben Minuten lang über dieses Ereignis im Fernsehen berichtet. Als besondere Anerkennung für die geleistete Arbeit wurden fünf Teilnehmer des Jugendparlaments ausgelost und dürfen  im Herbst für eine Woche nach Brüssel reisen.
Um 13 Uhr endete der offizielle Teil der Veranstaltung mit Pressefotos vor dem Parlamentsgebäude und dem Steigenlassen von Luftballons mit Europasymbolen.
Wer wollte, konnte noch gemeinsam das Mittagessen in der Mensa der Universität einnehmen. Ehe wieder jeder in seine Heimat zurückreiste, wurden noch fleißig Adressen ausgetauscht.

Die Moosburger Gruppe konnte es mit der Abreise gemächlich angehen, denn ihr Zug fuhr erst kurz vor Mitternacht. Weil am Sonntag Kaiserwetter angesagt war  (strahlender Sonnenschein und fast 30°C), nutzten wir die verbleibenden Stunden um Novi Sad noch etwas genauer erkunden. Die aufwändig  restaurierte Innenstadt mit ihren vielen Lokalen war uns bereits recht vertraut. Auf den Straßen und in den Cafes waren ungewöhnlich viele junge Leute unterwegs. Wir pilgerten zuerst hinunter zur Donau, wo noch einige zerstörte Brückenpfeiler daran erinnern, dass der von der NATO gegen Serbien geführte Krieg erst wenige Jahre zurückliegt. Ansonsten versprühte die Stadt eher Aufbruchstimmung, denn an jeder Ecke wurde gebaut.  Über dem Ostufer der Stadt erhebt sich majestätisch die große Festung von Novi Sad, die wir trotz der Hitze mutig erklommen. Nach einem kurzen Rundgang genossen wir im Biergarten den herrlichen Blick auf die Stadt und die Donau.

Unsere anfänglich etwas skeptische Haltung hatten wir abgelegt und waren sehr begeistert von dem, was wir in den letzten Tagen erlebt hatten. Die Serben hatten uns mit großer Gastfreundschaft empfangen und das mediterrane Lebensgefühl kam bei den Jugendlichen sehr gut an. Weil der Abend angenehm warm war, flanierten wir schließlich noch längere Zeit durch die Altstadt, lauschten einem Jazz-Festival und holten gegen 22:30 Uhr unser Gepäck aus dem Parlamentsgebäude. Am Bahnhofskiosk wurden die letzten Dinare noch in Getränke, Süßigkeiten etc. umgesetzt.

Obwohl die Rückreise vom Ablauf her fast  der Hinfahrt entsprach, war die Stimmung diesmal  deutlich gelöster. Am Montag um 8 Uhr in der früh nahmen wir ein gemeinsames Schlemmerfrühstück auf dem Wiener Westbahnhof ein, ehe wir den ICE nach Deutschland bestiegen. Dass  am Ende dann doch etwas Missmut aufkam, lag an den Gleisbauarbeiten zwischen Moosburg und Landshut. Statt um 15:12 Uhr, erreichten wir so erst  gegen 16 Uhr das geliebte Moosburg.

Ein kurzes Resümee: Wir waren uns am Ende alle fünf einig, dass es zwar eine strapaziöse, aber insgesamt auch tolle Reise gewesen war. Obwohl uns in der kurzen Zeit tiefere Einblicke in die komplexen Probleme Serbiens verwehrt blieben, beeindruckten  uns  die Offenheit, Freundlichkeit und auch die große Europabegeisterung der jungen Leute in Novi Sad.
Besonders bedanken möchten wir uns stellvertretend für die sehr  engagierten serbischen Teamerinnen bei Maria und Agota und den ifa-Koordinatoren Josip Koberski und Peter Kratzer. Natürlich  wurden sie von uns großzügig mit Zinntellern, Tragetaschen und Stickern der Stadt Moosburg und des Landkreises Freising bedacht. Die Stadt Moosburg hat aber nicht nur Geschenke gestiftet, sondern auch zusammen mit der Sparkasse Moosburg die Kosten für die Bahnreise übernommen. Frau Bürgermeisterin Meinelt und Herrn Hecht sei Dank dafür.

Dass überhaupt und exklusiv die Schüler des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums Moosburg Deutschland beim EU-Jugendparlament vertreten durften, ist auf die Initiative des stellvertretenden Landrats von Freising, Hans Neumeier, zurückzuführen. Bei einer früheren Reise in die Vojvodina hatte er die Kontakte zu Herrn Kratzer geknüpft und so unsere Teilnahme vorbereitet. Er ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, am Samstag nachzureisen, um wenigstens am Sonntag mit uns bei der feierlichen Abschlusskundgebung des Jugendparlaments dabei zu sein. Auf dem Rückweg sollte auch er erleben, welche Probleme die Einreise in die EU aus Serbien mit sich bringt. Stundenlange Wartezeiten im Zug an der Grenze, ein verpasstes Flugzeug in Budapest etc. summierten sich am Ende auf eine stolze Reisezeit von 17 Stunden.

So galt auch für Herrn Neumeier unser Reiseslogan „Von früh bis spat nach Novi Sad“, den wir allerdings ergänzen wollen um das Motto „Novi Sad ist eine Reise wert!“

 

 





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