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12.10.2006
  Von: Simone Miller

Verschüttet vom Vesuv – die letzten Stunden von Herculaneum

 

Exkursionen der Lateiner der 8. und 11. Klasse sowie der Lateinleistungskurse 12 und 13 zur großen Sonderausstellung in der Archäologischen Staatssammlung, München

„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt…“ – Es könnte bald vorbei sein mit der im Schlager besungenen Idylle an der bei Touristen und Einheimischen beliebten italienischen Amalfiküste, nämlich dann, wenn nicht mehr die Sonne den Horizont rötlich einfärbt, sondern der Vesuv, der als gefährlichster Vulkan der Welt gilt. Der 1281 Meter hohe Feuerberg schlummert zwar mittlerweile seit 62 Jahren, doch eben dies interpretieren Forscher als schlechtes Zeichen, denn jede der großen Eruptionen des Vulkans (zuletzt 1944) war eine solche Ruhephase vorhergegangen. Weitere Indizien für einen in naher oder näherer Zukunft bevorstehenden Ausbruch sind häufige Erdbeben, das Ausströmen größerer Mengen Schwefeldioxid aus dem Krater, Gasblasen im Meer, tote Fische und sauer schmeckendes Wasser in einigen Gemeinden (vgl. Artikel „Das Erwachen des Feuerbergs“. In: Der SPIEGEL 44 (2006), S. 180-182).

So beispielsweise in Ercolano, dem antiken Herculaneum, der „Stadt des Herkules“, die beim verheerenden Ausbruch 79 v. Chr. neben ihrer großen, im Allgemeinen eher bekannten Schwester Pompeji vom Vesuv zerstört wurde und die in der Sonderausstellung der Archäologischen Staatssammlung bewusst einmal in den Vordergrund gerückt werden sollte.

Der Untergang der Stadt erfolgte in ganz anderer Weise als der Untergang Pompejis: Herculaneum wurde durch eine sog. pyroklastische Welle (ein ca. 400-500 oC heißes Gas-Asche-Gemisch) ausgelöscht, danach wälzte sich eine ca. 300 oC heiße Schlamm-Geröll-Lawine auf die Stadt und „karbonisierte“ das dort befindliche organische Material  - dadurch wurden die sensationellen archäologischen Funde ermöglicht. Herculaneum wurde von einer 20-25 Meter hohen Ablagerungsschicht eingeschlossen – Pompeji hingegen wurde „lediglich“ durch einen Bimssteinregen  bis zu einer Höhe vom 3-5 Metern verschüttet und deswegen weniger optimal für die Nachwelt konserviert.

Die Archäologische Staatssammlung München präsentiert bedeutende Funde aus dem Nationalmuseum Neapel und dem Antiquarium von Herculaneum (Marmorstatuen, Bronzeskulpturen, Wandmalereien, Papyrus.Rollen aus der weltberühmten Villa dei papiri, Mosaiken, Holzmobiliar, Goldschmuck etc.), wobei im Mittelpunkt sicherlich die beiden Bronzeläufer stehen – welche von den Ausstellern so in Szene gesetzt werden, als flöhen sie vor dem ausbrechenden Vulkan:

Auch Abformungen der erstickten Opfer in den Bootshäusern von Herculaneum werden erstmals außerhalb italienischen Bodens vorgestellt. „Gruseln“ kann sich der Besucher außerdem vor den Opfern des Erdbebens (63 v. Chr.), das dem Ausbruch vorausging – sie werden nur schwach von unheimlichem orange-rotem Licht erhellt.

Eine solch gelungen inszenierte Ausstellung, in der Kostbarkeiten von unschätzbarem Wert präsentiert werden, deren Erhaltung wir der Eruption eines Berges zu verdanken haben, der gerade wieder in allen Medien von sich reden macht, durfte den Lateinschülern des Karl-Ritter-von–Frisch Gymnasiums selbstverständlich nicht vorenthalten werden.

In der 11. Klasse erfahren ambitionierte Lateinerinnen und Lateiner durch den Schriftsteller Plinius den Jüngeren von der verheerenden Naturkatastrophe. Wie heute erwiesen ist schildert der Römer in einem Brief an den Historiker Tacitus wissenschaftlich exakt den Ablauf einer – in der Folgezeit nach ihm benannten – plinianischen Eruption:
[…] Nubes, incertum procul intuentibus, ex quo monte (Vesuvium fuisse postea cognitum est), oriebatur, cuius similitudinem et formam non alia magis arbor quam pinus expresserit. Nam longissimo velut trunco elata in altum quibusdam ramis diffundebatur […]
Es erhob sich eine Wolke, für den Betrachter aus der Ferne unkenntlich, auf welchem Berg – später erfuhr man, es sei der Vesuv gewesen - deren Gestalt am ehesten einer Pinie ähnelte. Denn sie steig wie ein Riesensstamm in die Höhe und verzweigte sich dann in eine Reihe von Ästen …

Durch Referate hatten sich die Elftklässler (111, 11b/c) bereits bestens auf die Exkursion vorbereitet, sodass sie die meisten Fragen bei der Führung durch das Museumspädagogische Zentrum spielend beantworten konnten. Im Anschluss war ausreichend Zeit, die Ausstellung in Kleingruppen zu erforschen und einen Fragebogen auszufüllen, der danach im Unterricht mit Frau Miller und Frau Blüml besprochen wurde. Dabei sollte der Blick auch auf kleinere Fundstücke gelenkt werden, wie etwa auf ein tinntinnabulum (Glockenspiel) oder die Statue des betrunkenen Herkules.

Die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen erwarten mit ungewohnter Spannung das Kapitel 40 ihres Lehrbuches Cursus 3, das den Titel „Ein Berg explodiert“ trägt. Auch sie kamen unter der Obhut einer ganzen Lehrerschar (R. Höhn, I. Kaufmann, S. Miller, I. Schönauer, S. Reiter, R. Stöcklein und M. und L. Pawlik) in den Genuss der Ausstellung. Vor der Führung beantworteten die Jugendlichen einen von Frau Stöcklein erstellten Fragebogen, der während der Führung ergänzt und zum Schluss in einem Gruppenraum des Museums besprochen wurde.

Insgesamt waren die Exkursionen in die Archäologische Staatssammlung eine große Bereicherung für alle Beteiligten. Die Ausstellung „Verschüttet vom Vesuv – die letzten Stunden von Herculaneum“ hat sicherlich dazu beigetragen, vor dem geistigen Auge der Schülerinnen und Schüler ein lebendigeres Bild der Antike entstehen zu lassen, als es durch eine bloße Lektüre der Textpassagen möglich gewesen wäre.

Mit herzlichem Dank an alle Beteiligten und der Aufforderung, so schnell wie möglich (noch) einen Urlaub an der Amalfi-Küste einzuplanen, verbleibt.

Auch die Leistungskurse Latein ( K12 und K 13) begaben sich am 12. 10. 2006 mit ihren Kursleiterinnen Frau Huber und Frau Muggenthaler in den Bann des Vesuvs. Trotz des bereits erwähnten „Gruseleffekts“ herrschte auch nach dem Besuch der wirklich sehenswerten und pädagogisch hervorragend  aufbereiteten Ausstellung bei allen Beteiligten noch beste Stimmung!

 

 





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