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30.09.2006
  Von: Karl Rausch, Simone Miller und Schülern des LK Geschichte

Weimarfahrt des Lk Geschichte vom 30.09 bis 03.10.2006

 

Fotos: Karl Rausch

Am frühen Morgen des 30.6.2006 trafen sich 11 der 12 unbeugsamen Geschichte- Leistungskursler des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums mitsamt ihren Lehrkräften Frau Miller und Herrn Rausch  am Moosburger Bahnhof. Nach einer sechsstündigen Zugfahrt über Nürnberg und Schweinfurt erreichten wir kurz nach 14 Uhr unser erstes Reiseziel Erfurt.

Vollständig entkräftet von der langen Reise betraten die wissbegierigen Abenteurer erstmals den Boden der Hauptstadt Thüringens. Nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten bezogen wir die Jugendherberge am Rande der historischen Altstadt. Der späte Nachmittag stand im Zeichen einer von der AG Erfurt  (Philipp Justus, Hans Kiermaier, Manuel Reiter) generalstabsmäßig vorbereiteten  Führung durch die historische Innenstadt, die  an der Severikirche und dem Mariendom begann. Noch beeindruckt vom Innenleben und der Architektur des gotischen Doms stießen wir nach dem Verlassen der Kirche völlig überrascht auf das Erfurter Oktoberfest mit Bierzelt und Rummel am Domplatz. Wir blieben hart, ließen uns nicht verführen  und setzten unsere  ausschließlich dem Bildungsauftrag der Schule verpflichtete Exkursion vorbei an den Verlockungen der Gegenwart in Richtung  Rathaus am Fischmarkt fort. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zur längsten, komplett mit Häusern bebauten Brücke Europas, der Krämerbrücke. Weil auch das Wetter mitspielte und noch hochsommerliche Temperaturen herrschten, fühlten wir uns fast ein wenig wie in Florenz beim Gang über den Ponte Vecchio.

Das letzte Ziel des kleinen Rundgangs durch die historische Altstadt war das Martin-Luther-Denkmal am Angerplatz. Dort löste unser Kursleiter Herr Rausch die Gruppe auf und der Rest des ersten Abends stand uns zur freien Verfügung. Insgesamt hinterließ die 200 000 Einwohner zählende Stadt bei uns allen einen sehr guten Eindruck. Es gibt neben der Kultur ein reiches Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und viele Restaurants, Straßencafes und Szenekneipen, die nicht nur vom Tourismus, sondern auch von den ca. 4000 Studenten leben. Wer also nächstes Jahr von der ZVS hierher verschlagen werden sollte, dem können wir nur raten, das Angebot erst einmal zu prüfen und es nicht gleich dankend abzulehnen.

Nach einer viel zu kurzen Nacht verließen wir Erfurt am Sonntag gegen 10 Uhr  und reisten ins nur 15 Minuten entfernte Weimar. Die Jugendherberge liegt hier strategisch günstig direkt am Bahnhof. Bei wieder wunderschönem Wetter besuchten wir gleich nach der Ankunft den Park an der Ilm. Selbstverständlich  besichtigten wir, diesmal geführt von der AG Klassik  (Mona Vogel, Miriam Große-Hering, Anne Leutheusser), Goethes Gartenhaus, ein im Vergleich zu seinem Stadthaus eher kleines, aber sehr romantisches Häuschen, welches der Dichter von seinem Gönner Herzog Carl August geschenkt bekam und bis ins hohe Alter immer als stillen  Rückzugsort benutzte. Auch  Carl August besaß ein solches Refugium im Park, das  Römische Haus, das Goethe im Stile eines  griechisch-römischen Tempels errichten ließ. Die Anregung dazu brachte der Dichter  von seiner Italienreise (1786-1788) mit.

Insgesamt ist der als Englischer Garten angelegte Park recht weitläufig und da man immer wieder auf etwas Neues stieß - wie z. B. eine künstliche Ruine, das Borkenhäuschen oder eine enge Felsentreppe, an der sich vor über 200 Jahren eine junge Frau aus unglücklicher Liebe nach der Lektüre des Werther in der Ilm ertränkt hatte - wurde es uns trotz des langen Fußmarsches  nie langweilig.

Am Nachmittag wurden wir von Herrn Rahaus zwei Stunden durch die politische Geschichte Weimars geleitet. Bewaffnet mit einem Strohhütchen a la Erich Honecker und einem ausgeprägt sächsisch-thüringischen Dialekt versprühte unser Führer gewollt oder ungewollt etwas vom spröden Charme der untergegangenen DDR. Neben  kurzen Anmerkungen zur Geschichte der Stadt im 18. und 19. Jahrhundert lag der Schwerpunkt unseres Rundganges eindeutig auf der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Obwohl die erste deutsche Demokratie im Weimarer Nationaltheater gegründet wurde, verweist sonst kaum ein Gebäude auf die Epoche der „Weimarer Republik“, während sehr viel mehr Baudenkmäler, u. a. das protzige Gauforum aus dem Dritten Reich, erhalten sind. Im Innenhof des ehemaligen Marstall des Schlosses (heute Landesarchiv) erinnern die geschredderten Überreste einer Holzbaracke an die Opfer der Gestapo, die hier ihr Hauptquartier hatte.

Ansonsten ist Weimar heute ein schmuckes Städtchen mit 2-3 Mio. Besuchern jährlich, von denen sich viele, vor allem bildungshungrige Senioren aus dem ganzen deutschsprachigen Raum niederlassen. Man sieht daher kaum leer stehende Häuser, wenn man von den zwei der fünf Gymnasien absieht, die gerade wegen Schülermangels geschlossen wurden.

Am Montag war dann der Tag gekommen, an dem wir uns aufmachten, um das KZ auf dem Ettersberg zu besichtigen. Das Wetter passte sich dem ernsten Anlass an: Regenwolken, frischer Wind und Temperaturen nur noch knapp über 10 °C. Buchenwald  war das größte KZ auf deutschem Boden und wirkt wie eine kleine Welt für sich allein, da es oben auf einem Berg mitten in den Wäldern abseits der Stadt liegt. Warum das Lager   nicht nach dem Berg selbst benannt worden ist, hängt wie fast alles in Weimar wieder mit Goethe zusammen. Auf diesem Berg liegen auch das Schloss und der Park Ettersberg, wo sich der Dichter  gerne aufgehalten hat und daher wollte die nationalsozialistische Kulturgesellschaft nicht, dass dies mit dem Namen des KZ in Verbindung gebracht werden könnte. Heinrich Himmler persönlich taufte das Lager auf den Namen Buchenwald.  Schon allein die Lage, oben auf dem Berg mitten in düsteren Wäldern, versetzt die Besucher in eine sehr bedrückende Stimmung. Auf dem riesigen Appellplatz, von dem aus das gesamte Lager überblickt werden kann, versorgte uns  die AG Drittes Reich (Veronika Schlamp, Franziska Müller)  mit vielen schrecklichen Details aus dem Lageralltag. Ein unangenehmer kalter Ostwind trug ebenfalls dazu bei, dass wir spätestens beim Hinausgehen durch das Lagertor, welches die sehr makabere Aufschrift „JEDEM DAS SEINE" trägt,  ein sehr flaues Gefühl im Magen hatten. 65 000 Menschen waren hier zwischen 1937 und 1950 an den Folgen der unmenschlichen Lagerhaft gestorben.
Weil kommunistische Häftlinge, der prominenteste war der 1944 auch hier ermordete Ernst Thälmann, im Lager eine wichtige Rolle spielten, hat die DDR den Gefangenen von Buchenwald ein heroisches Denkmal am Ettersberg im Stile des sozialistischen Realismus errichtet. Vom hoch aufragenden Glockenturm führt eine breite Treppe hinunter zu den Massengräbern. Die Bronzeplastik von Fritz Cremer zeigt abgemagerte, aber zugleich entschlossene Häftlinge, die dem Nationalsozialismus getrotzt haben und eine bessere Gesellschaft aufbauen wollten. Trotzdem wirkt es heute irgendwie beklemmend, wie ähnlich sich die Architektur des Nationalsozialismus und der Stalinära sind: Monumentalität ist wichtiger als Individualität.

In Weimar selbst musste die AG DDR (Joseph Gaißmaier, Johannes Becher, Tobias Schwarzbözl, Thomas Radlmaier)  17 Jahre nach der Wende schon genau hinschauen, um hier noch Authentisches aus  der sozialistischen Zeit zu finden. Für die Bürger der DDR war Weimar eine eher unbedeutende Stadt, die neben Goethe und Schiller vielleicht noch  ihren  Zwiebelmarkt, der auch in diesen Tagen wieder in Weimar stattfand, zu bieten hatte.
Am Nachmittag machten wir einen  Abstecher in die weitläufigen Parkanlagen des Schlosses Belvedere und stimmten uns auf der kleinen Freilichtbühne im barocken Gartenteil mit einigen spontanen Schauspieleinlagen schon auf den Theaterbesuch am Abend ein. Nicht das Nationaltheater, sondern ein eher kleiner Kellerraum mit 50 Zuschauern war unser Ziel. Das Galli-Theater zeigte „Männerschlussverkauf“, ein Zweipersonenstück, bei dem viel gelacht werden konnte.

Am Morgen unserer Abreise besuchten wir die Fürstengruft. Sie liegt etwas abgelegen im Historischen Friedhof und so waren wir bei strömendem Regen schon etwas angenässt, bis wir schließlich das Grabmal erreichten. In der düsteren Gruft kann man die Särge von Goethe und Schiller und die der großherzoglichen Familie betrachten. Wir empfanden den Ort als ein bisschen zu gruselig und unangenehm und flüchteten rasch wieder hinaus in den verregneten Friedhofspark.

Unsere letzte Station in Weimar war das Haus am Frauenplan, in dem Goethe die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat. Zu besichtigen waren die Wohnräume von ihm  und seiner Frau Christiane, das Arbeitszimmer und die Bibliothek des Dichters, die Empfangs- und Kunstsammlungsräume sowie der Hausgarten. Alles im Haus  außer den Privaträumen ist  prunkvoll eingerichtet (viele Bilder und Statuen) und man merkte schnell, dass Goethe zu seinen Lebzeiten nicht nur ein sehr berühmter, sondern auch ein sehr wohlhabender Mann gewesen war.

Gegen 14 Uhr nahmen wir Abschied von Weimar und der vorausschauenden Planung von Herrn Rausch war es zu verdanken, dass wir auf der siebenstündigen Rückfahrt mit Nahverkehrszügen und Ersatzbussen nach Moosburg noch viele kleine Bahnstationen insbesondere in Ostthüringen kennen lernen durften.

 





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