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01.06.2008
  Von: Ute Holinski

Fernweh - Selbstzweifel - Eifersucht - Eifersucht- Fernweh - Selbstzweifel - Selbstzweifel - Eifersucht - Fernweh - Selbstzweifel - Selbstzweifel

 

Stimmungen, 
die sich die elf Kollegiatinnen und Kollegiaten des LK Deutsch K12 ausgewählt haben, 
um sich mit ihnen schreibend auseinanderzusetzen,
und zwar unter einer ganz besonderen Aufgabenstellung,
nämlich parallel in Form eines Prosatextes und eines Gedichtes.
Facettenreich sind die Ergebnisse,
ein Spannungsbogen zwischen Epik und Lyrik entsteht
und neben der erkennbaren Lust am Schreiben
werden Einblicke in die jeweiligen Besondertheiten der Genres gewonnen.
Nicht nur für die Autoren,
auch für hoffentlich viele Leser ein Gewinn!

Fernweh

Janina Ludwig

Sehnsucht quält meine Seele, mein Herz ruft nach Freiheit. Doch wohin ich schau und gehe unruhige Tüchtigkeit.

Mein Geist sucht die Musik,
denn sie kann ihm helfen -
Nebel von Wein und Met
du verbindest Welten.

Ein Schritt über die Grenze,
ein Sprung ins kühle Nass.
Fern von allem Rumgetänze
rast’ ich im saft’gen Gras.

Doch möcht ich lieber rasten mit Dir
und genießen die Klänge der Welt.
Können wir jetzt nicht fort,
rasten wir eben hier.
Denn egal an welchem Ort -
Zu zweit uns’s überall gefällt.

Ständig ist man beschäftigt, alle wuseln um einen rum. Jeder hat etwas Besseres zu tun, als sich einfach mal in die Sonne zu legen und gehen zu lassen. Man selbst leider auch. Drum flüchtet man sich in den wenigen freien Minuten in die Musik oder die Vorfreude auf zweitrangige Events – oder am besten beides. Etwas Alkohol tut sein übriges, um den Stress zu bewältigen und man kann endlich mal ein wenig entspannen. Man sehnt sich nach dem Sommer, nach Erfrischung und dem belebenden Duft der Natur. Doch leider ist jetzt noch keine Zeit dazu, aber diese Zeit wird kommen. Schon bald. Und bis dahin – wir haben doch uns. Denn trotz Stress und Verpflichtungen hier daheim, freuen wir uns zu zweit auf den Sommer und das Abenteuer.

Selbstzweifel

 

Franziska Betz

Ein betrübter Blick
Ins Leere -
Ins Nichts.
Die Fragen fliehen nicht
aus den Gedanken.

Bist du 's nicht wert, 
verdienst du 's nicht, 
so schleiche dich 
und schaue nicht zurück!

Die Angst bedrängt dich, 
der Hass steigt auf! 
Nervös fahrt deine Hand 
über die perlweiße Stirn.

Du schwitzt! - Du zweifelst!
Hälst nichts mehr für wahr! 
Hast nie geschafft, das, 
was du wolltest!

Warum nur –
So eine Unerklärbarkeit?
Bist du nicht gut genug? 
Taugst du zu nichts?

Hast du den Atem verlor'n,
der dir Leben einhaucht
in der Früh
wenn die Welt ins Licht getaucht?

Du hast's geahnt,
doch sicher warst du dir nicht -
du hast versagt -
wahre dein Gesicht!

Zunächst lässt du es dir nicht anmerken, weißt es selbst jedoch ganz genau, versuchst so zu wirken wie immer, als wenn nichts wäre und vielleicht ertappst du dich ja sogar dabei, wie du dich gerade selbst belügst, nur um dir nicht eingestehen zu müssen, dass du daran schuld bist - du allein!
Kennst du dieses Gefühl? - Und belüg' dich jetzt nicht schon wieder selbst! Du hast etwas
verbaut! Etwas ganz wichtiges! Und du ärgerst dich darüber, ja gerade weil es so wichtig war.Wer sonst hätte es besser machen können als du - ja genau! Es wäre deine Chance gewesen. Du hast sie verpasst!
Von nun an wirst du dich in Zukunft immer fragen, ob du nicht das nächste Mal genauso
scheitern wirst wie diesmal. Die Angst verfolgt dich und du kannst ihr nicht entfliehen! - Nein, du kannst es einfach nicht! Du wirst es nie schaffen, denn die Überwindung fehlt dir! Der Mut, an dich zu glauben! Dein Zweifel frisst dein Inneres auf- du wirst immer kleiner und kleiner, bis du schließlich von dieser Welt verschwindest. Kein Mensch redet mehr von dir. Und wenn doch - dann nur schlechtes! Das denkst du jedenfalls!
In deinen Träumen wandert dein dir fremd gewordener Körper auf einem hauchdünnen Pfad, umgeben von tiefen Schluchten. Du weißt nicht wie du hierher gekommen bist. Ja, bist du denn überhaupt richtig da? Ist dir denn nicht schon wieder ein verdammter Fehler
unterlaufen, der dir den Weg verbaut hat? - Na, klar, es muss ja so sein! Denn du suchst
fieberhaft nach einem Grund, an dir zu zweifeln. Bist du vielleicht genau deshalb hier, weil du dich vor den vernichtenden Blicken der anderen verkriechen willst?
Jetzt gibt deine Existenz keinen Sinn mehr! In deiner Wahrnehmung wirst du zu deinem
eigenen Feind und deine Inkompetenz zur stärksten Waffe gegen dich selbst!
Na, gib schon zu, das kennst du auch! Und du wirst es noch öfter kennen lernen! -
Versprochen!
Zweifelst du etwa daran?

Eifersucht

Maria Kaiser

Seit gestern weiß ich es. Du hast dich selbst verraten. Mit deinen Gesten, Berührungen und Küssen, die für sie bestimmt waren. Nicht für mich. Kein ehrliches Wort, kein Zugeben. Nein, stattdessen muss ich es selbst herausfinden. Mein Herz hatte schon längst erkannt, wofür mein Auge blind war. Doch das mit uns das war doch Leidenschaft. Liebe, für immer! Wie konnte dein Herz, das mir gehörte, sich einem anderen hingeben? Wie konnte es sich befreien aus Ketten, die nicht zu lösen waren? Gleich einem Kaktus bin ich nun gespickt mit Stacheln, die schwarzes Gift absondern. Gift, das mir die Luft zum Atmen nimmt, mich ausfüllt und mich zu ersticken droht. Übersäht mit Stacheln, die du in mich stießest mit jedem Lächeln, jeder Berührung, jedem Kuss, den du ihr schenktest. Wütend tobend schreiend versuche ich sie herauszureißen, doch ihre Widerhaken treiben nur noch tiefere Wunden in das blutrote Fleisch. Und ich beginne zu begreifen, was Eifersucht bedeutet.

Gestern

wie anders schienen mir da deine Taten,

die dich heute schon verraten.

Wie heiß und innig lieb ich dich!

Doch was empfindest du für mich?

Wenn du hinter meinem Rücken

dich von einer and`ren lässt verzücken?

Wenn du einer and`ren meine Liebe schenkst

und meiner nicht mal mehr gedenkst?

 

Heute

dass dein verlog`ner Kuss

ist für dich nichts als ein übles Muss,

das du über dich ergehen lässt und denkst,

dass du den Kuss jetzt ihr nur schenkst.

Dafür war mein Aug`blind und starr,

doch mein Herz nahm es sehr wohl war.

Wie konnt`sich dein Herz an ihres binden,

sich unserer ewigen Liebe entwinden?

 

Irgendwann

werde ich versuchen

dich nicht mehr zu verfluchen.

Lächelnd stößt du Nadeln in mich hinein,

doch was interessiert dich meine Pein?

Schließlich ist dein Herz glücklich vergeben

Und alles super in deinem Leben.

Meine Wunden kann ich verbinden,

aber deine Tat werde ich niemals überwinden.

Eifersucht

Bianca Spanier

Knallrote aufgespritzte Lippen,

kanarienvogelgelber Lidschatten,

Knackarsch, Apfelknackarsch, du Arsch,

großer vollbusiger Hungerhaken mit,

Kuscheltitten mit Wippelnippeln,

Körbchengröße Doppelmoppel D,

kein Gefühl.

Liebeslüge,

Lügesliebe,

Liebesdieb,

Liebeshiebe versetzt du mir,

Lügen jedoch haben kurze Beine.

Aber am Ende muss eh jeder seine Suppe auslöffeln…

Ich liebe dich, sagst du. Ich liebe dich, sage ich. Ich weiß, dass es eine Lüge ist. Du weißt, dass es eine Lüge ist. Wir sagen es trotzdem. Wir sind gute Lügner. Wir sind geübte Lügner. Unsere Nasen wachsen höchstens ein Stück, wenn wir lügen. Ich weiß, dass du morgens mit dem Zug ins Büro fährst, dass du immer deine Kaffeetasse auf dem Tisch stehen lässt, darauf wartend, dass ich sie nehme und wegstelle. Das tue ich nicht. Schon lange nicht mehr. Da kannst du lang drauf warten. Ich weiß außerdem von dir, dass du wieder mit dem Rauchen angefangen hast und du verheimlichst es auch noch vor mir. Ist das nicht lächerlich? Dabei kann man es Meilen gegen den Wind riechen, wenn du zur Tür hereinkommst. Damit lässt du dir Zeit, mit dem Hereinkommen. Zur Tür draußen bist du schnell. Keine Zeit für ein flüchtiges „Auf Wiedersehen“, du bist in Eile, wohin? Egal, nur weg von mir. Ich weiß das. Ich sitze abends da und ich warte auf dich. Das Essen steht dampfend auf dem Tisch, es wartet auf dich. Deine heiß geliebten Nachrichten warten auf dich und die Zeitung, hinter der du dich immer so nett versteckst. Warum ich auf dich warte, das ist mir unklar. Das kann ich nicht verstehen, ich warte trotzdem. Es ist so sinnlos, das Warten, das stört mich am meisten. Denk jetzt ja nicht, das macht mir Spaß. Ich hasse diese Warteminuten. In dieser Zeit, verbündet sich mein Wartezimmer gegen mich. Durch das Fenster sirren die letzten Sonnestrahlen und sie werden immer kürzer und gemeiner und stichelnder, wie kleine Nadeln, deine Hausschuhe liegen verstreut auf dem Boden und erfreuen sich mit höhnischem Gelächter ihrer und meiner Herrenlosigkeit und sie warten ängstlich darauf, dass du später wieder deine großen Schweißfüße in sie hineinsteckst. An der Garderobe ist eine klaffende Lücke, da wo du immer deinen Mantel aufhängst oder besser aufhängen sollst, wenn du Lust hast. Meistens tu ich das. Ich habe mich, ach Gott tausend Male hab ich mich gefragt, was du nur treibst, wenn ich so sitze und warte. Und diese Vorstellungen waren bei Gott nicht schön. Ich weiß, dass deine Sekretärin blond ist und blöd. Das hast du mir nie gesagt, das letztere, aber, ich weiß das. Ich weiß auch, dass du auffällig gerne Überstunden machst, wo du dich doch sonst vor jeglicher Arbeit drückst. Außerdem kommst du jedes Mal genau eine Stunde zu spät. Okay, zehn Minuten zum Ausziehen, erotisches Gefummel und Lalala, dann geht’s zur Sache, okay sind wir also schon bei zwanzig Minuten, vielleicht bekommst du auch keinen hoch, nein, das glaub ich nicht, so wenig wie bei uns immer läuft, also du kommst nach weiteren fünfzehn Minuten, das wären dann fünfunddreißig Hilfe-ich-brauch-einen Taschenrechner- Minuten. Die Bahnfahrt. So. Die Gleichung geht auf. Sekretärinnensex plus Zugfahrt ist gleich dein Zuspätkommen. Das sind schon eine Reihe komischer Zufälle, oder etwa nicht? Ich sehe gar nicht ein, dir nachzuspionieren, dafür bin ich viel zu stolz. Wenn ich mir das nur vorstelle: Ich fahre in lächerlicher Maskerade, mit Sonnenbrille und Echthaarperücke mit dem Zug zu deinem Büro, schleiche mich bis zu deinem Fenster und dann sehe ich, wie du da auf so einem blonden, dürren Fräulein herumspringst. Ja da vergeht einem doch der Appetit vollends und außerdem habe ich meine Sherlock Holmes- Jahre längst ausgelebt. Nichtwissen, ach seliges Nichtwissen, nur diese Ahnung, diese lange schlanke Ahnung mit dieser Hakennase, die sie überall hineinstecken möchte und überall gleich Verbrechen riecht, Verbrechen, das nach fremden Frauenparfum duftet. Was ich nicht weiß, das macht dich heiß. Haha. Das ist zu komisch. Vielleicht gehst du aber auch immer mit deinen Kumpels in eine Kneipe, trinkst dein Bierchen und verspielst dein Geld. Deshalb stinkst du auch immer so nach Rauch, wenn du heimkommst. Ihr amüsiert euch köstlich und du vergisst die Zeit dabei. Ich befürchte das ist eine Lüge. Aber ich bin gut im beruhigende Alternativen suchen. Hmm. Oder du gehst heimlich ins Fitnessstudio und päppelst deine Müskelchen an deinen ärmlichen Ärmchen und deinen Beinchen auf? Das klingt nicht viel mehr nach Wahrheit. Resignierend. Die Wahrheit ist, ich weiß nicht was du treibst. Es treibt mich in den Wahnsinn, doch die Wahrheit ist auch, dass ich dich nie danach gefragt habe, was du denn tust. Mir erscheint Lösung eins, also die Schändliche, als die plausibelste. Aus. Vielleicht will ich auch bloß die echte Wahrheit nicht wissen und diese Lösung gefällt mir in Wahrheit sehr gut. Ich kann es vielleicht trotzdem nicht tun. Aber du, du bist und bleibst ein Lügner, ich weiß es, man sieht es dir schon an deinen kurzen Beinen an. Der rote Fleck auf deinem Hemd, das könnte doch durchaus Lippenstift gewesen sein, wenn ich länger überlege werde ich mir immer sicherer. Dieser Farbton, schrecklich, ich meine ich habe rein gar nichts gegen diese blonde Schnepfe, aber dieser Farbton, spießig, schrill, so was schmiert man sich doch höchstens als Teenager auf die Lippen, wenn man noch ganz grün hinter den Ohren ist. Ich habe ihn schnell weggeschmissen, nachdem ich ihn auf dein blütenweißes Hemd geschmiert habe. Nein, ich besitze keinen solchen Lippenstift, nicht mehr und das fremde Parfum liegt auch schon in der Tonne. Ich bin sauber. So der Zeiger der Uhr ist auf drei Minuten vor acht vorgerutscht. Diese Zeiger können einen doch glatt  wahnsinnig machen. Mir kann keiner erzählen, dass die nicht absolut berechnend vorgehen oder nachgehen. Anscheinend dauert ja jede Minute gleichlang, aber das ist eine Lüge, eine verdammte Lüge. Ihr solltet diesen höhnischen Burschen mal genauer verfolgen, mal kann er es gar nicht eilig genug haben und dann macht er ständig wieder seine Pausen, als wäre so ne lachhafte Umrundung zu viel verlangt. Ich hab eh ein kleines Zifferblatt, zeigerfreundlich. Im Moment ist er sich nicht einig, mal rennt er, dann wenn ich darauf lauere, dass du kommst, dann schläft er wieder fast ein, dann, wenn ich fürchte, dass du kommst. Als ich dich heute Morgen gesucht habe und dich dann überraschenderweise hinter einer extragroßen Tageszeitung versteckt gefunden habe, da war ich mir so sicher. Ich hab so richtig scheinheilig gefragt: „Liebst du mich also?“ Da hast du dich fast an dem Wort verschluckt, das du gerade gelesen hast, so als wäre es dir in die Luftröhre gerutscht, ein sperriges Wort muss es gewesen sein mit ganz vielen T’s .Die schmerzen am meisten im Hals. Dann hast du dich sofort an das nächste Wort geklammert und so hmm gemurmelt, so hmm, ich liebe dich, wenn ich nur endlich zu meiner süßen Blonden ins Büro kann. „Ich hab dich was gefraaaahagt“, hab ich hartnäckig weitergemacht. „Die Tomataner haben gestern mehrere Anschläge auf die Bananer verübt. Das Wetter wird wolkig, bis leicht bedeckt, zeitweise schneit es und die Sonne scheint und es regnet“, hast du mir aus der Zeitung vorgelesen. Da war ich mir sicher. Ich wünschte, das wäre ich jetzt auch noch. Aber schieb das doch endlich beiseite. Der soll dir nicht Leid tun. Der spielt doch nur noch Theater und hält dich zum Narren. Er hat mich vergessen lassen, wie Liebe schmeckt, wie sie sich anfühlt auf der Haut, wie Liebe in den Ohren widerhallt mit süßlichen Tönen und Himmelsmelodien, wie Liebe aussieht. Alles, was er dir gezeigt hat, ist wie Liebe nicht ist, wie Lüge klingt. Eine verdammte Liebeslüge, oder Lügesliebe hat er dir aufgetischt, nett angerichtet, schön verpackt, ohne Inhalt. Es ist gerecht, denke ich. Dein Hausschuh schnurrt, er fühlt sich wohl, so ohne dich. Ich tu das übrigens auch. Ich kann gut ohne dich leben. Der Platz an der Garderobe, du zur Not kann ich da auch ein anderes Stück hinhängen, so nen schönen neuen Pelzmantel, den du mir nie geschenkt hast, obwohl ich Weihnachten immer mit dir in dieses Geschäft gegangen bin und den Pelzmantel gar so verliebt angelächelt habe. „Ui ein Bügeleisen“, hab ich mich dann Weihnachten gefreut und gehasst habe ich dich, das kann sich ein normaler Mensch mit seiner Gehirnkapazität gar nicht vorstellen. Ach ja, wie herrlich. Ich weiß auch nicht mehr, wie es sich anfühlt mit dir zu schlafen, einerseits will ich es gar nicht mehr wissen und andererseits soll sie das aber auch nicht. Kannst einem schon Leid tun mit deiner Migräne, armer Mann. Die Sonnenstrahlen ziehen sich langsam zurück und scheinen nur mehr kalt auf die Fliesen. Ich werde kalt, wie die Fliesen. Ich rutsche unruhig auf dem grünen Ledersofa hin und her. Jetzt könnte der blöde Mistzeiger doch mal noch ne Pause einlegen.Dingdong. Ich atme tief durch, hoffentlich ist er nicht wieder so gesprächig, wie sonst. Ich öffne und er steht gelangweilt in der Tür. „Das Essen?“ Steht auf dem Tisch, ich bemühe mich nicht so nett zu klingen. Das wirkt unnatürlich. Ich versuche ein bisschen Gift in meine Stimme zu mischen. „Wie wars?“ „Okay.“ Er setzt sich und liest in einer Autozeitschrift. Ich war heut im Wald, sage ich. Er brummt irgendetwas und seine Augen leuchten plötzlich auf, er scheint ein Modell entdeckt zu haben, dass ihn bei weitem mehr erfreuen kann, als meine Anwesenheit, ohne Probleme. Bloß seine Affäre kann ihn noch mehr erfreuen, bloß die. Oh du hinterlistiger Lügner. Ich bin heute ehrlich zu ihm. „Ich habe Pilze gesammelt“, sage ich. Er schreibt irgendetwas in seine Zeitschrift. „Ich kenn mich da fei nicht so gut aus. Am lustigsten fand ich die roten mit den weißen Tupfen, ach sag Schatz sind die nicht putzig?“ Er hält sich genervt die Ohren zu. Dann löffelt er hungrig seine Pilzsuppe aus.

 Fernweh

Sophie Schmid

Manchmal wär` ich lieber

da und dort

egal wo – nur nicht hier.
 

Meistens ist es ein Traum

ein Bild, eine Erinnerung, ein Wunsch

fort von hier nach dort.
 

Aber manchmal

will ich nicht weit weg

nicht in einen Traum

sondern nur weg – zu dir.

Mal wieder an dich

Hallo, ich bin`s mal wieder. Heute wollte ich mal wieder nach Australien. Oder Amerika. Hauptsache ans andere Ende der Welt. Nur weg von hier. Dann habe ich mich wieder an den letzten Urlaub erinnert. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Kein Stress, kein Ärger. Traumhaft, warum habe ich nicht öfter Urlaub?

Und dann wollte ich, wie meistens, einfach nur zu dir. Das ist meistens Urlaub. Meistens jedenfalls.

Selbstzweifel

Lena Weiß

Reih und Glied –
Geordnet.
Alle nebeneinander,
dazwischen ich.

Jetzt muss ich zeigen,
was ich kann.
Sei mutig,
doch ich trau mich nicht.

Memme, Versager, Nichtsnutz!
Du kannst das nicht,
du schaffst das nicht,
nie, nie, niemals!

Stop – 
Hört auf!
Ich beiße die Zähne zusammen,
und durch.

Ich bin an der Reihe. Alle Augen sind auf mich gerichtet. Sie warten, doch ich bin und bleib eine Memme, ein Versager, ein Nichtsnutz. Was kann ich denn schon? Eben, nichts – 

Jetzt los, sei einmal in deinem Leben mutig und trau dich was! 
O man, ich kann das doch nicht, ich schaffe das nie......

Was jetzt? Zähne zusammenbeißen 

und durch?

Selbstzweifel

Martin Hennrich

I.Platz

Auf dem Siegerpodest des Lebens

Den Helm in der Hand

Mit unglaublichem Vorsprung über die Ziellinie
 

Ein Leben auf der Überholspur

Der Sieg

Der Gesamtsieg

Im Gesamtstand unerreichbar

Die Welt liegt zu Füßen

Das 3 Mal in Folge
 

Das Leben

Millionen zum sinnlosen verprassen

Jede Frau ist möglich

Der Champagner spritzt

Keine blieb bis jetzt
 

Die nächste Saison 

Wieder nur gewinnen 

Gibt es Perspektiven?

Der Pokal ist schwer

Er kann nur noch verlieren
 

Aufhören?

Kommt nicht in Frage 

Die Endorphine sprudeln 

Die Menge johlt

Besser ist nur das Kokain
 

Erfolg?

Sehr wohl im Sport 

Eine Jugend nie gehabt 

Die Hymne erklingt

Panik steigt auf
 

Der Fall

Die Augen rollen nach oben 

Der Körper fällt nach unten 

Die Menge kreischt

Der Schädel bricht
 

Das Ende

Ein ausgehobenes Grab

Viele Menschen trauern

Politiker trauern medienwirksam

Verwandte gab es nie
 

Ein Nachruf

Auf dem Höhepunkt des Lebens

Ein schrecklicher Unfall!

Die Welt trägt Trauer

Eine ganze Woche
 

Die Wahrheit

Der Körper zerfressen von Erfolg

Logische Konsequenz

Der Tod beim Triumph

Das Ende aller Leiden

Er steht zum zwanzigsten Mal ganz oben. Vielleicht auch schon zum 21 Mal, ganz genau

weiß er es nicht mehr. Keiner war schneller. Selten ist derzeit jemand schneller. Eigentlich

nie. Der Gesamtsieg war sowieso nie in Gefahr, wieder wird er Millionen kassieren.

Wie viel ist ihm eigentlich egal, mehr als 7 Villen braucht er sowieso nicht.

Für jede Villa eine eigene Frau? Der Gedanke bringt ihn zum Schmunzeln.

Derzeit ist er allein. Er kann jede Frau der Welt haben, doch er kann keine besitzen.

Noch nie hat es eine länger als 6 Monate mit ihm ausgehalten. Mit Häusern ist das einfacher.

Neulich hat er wieder eine Hochzeitseinladung von einem alten Schulfreund weggeworfen.

Das Wegwerfen hat ihm einen Stich ins Herz versetzt, aber der Test des neuen Wagens geht

natürlich vor. Im nächsten Jahr zählt nichts als der Sieg. Er braucht das. Ihm bleibt keine

Wahl. Die Gedanken blitzen hin und her, während er routinemäßig den Pokal in die Höhe

reißt. Zufrieden? Zufrieden war er schon lange nicht mehr. Vielleicht letzte Woche, als er die

Line Kokain gezogen hatte. Die anschließende Orgie hatte ihn zufrieden gemacht.

Wenigstens sexuell hatte es ihn befriedigt. Oh ja, das hatte es. Die Leere hatte es nicht

vertreiben können, diese innere Leere. Nur Siege konnten das. Zumindest eine Zeit lang.

Kurze Zeit nach dem Sieg war die Leere aber immer noch größer als zuvor.

Während eine Militärkapelle anfangt die Hymne zu spielen, steigt Panik in ihm auf. Was soll

denn als nächstes kommen? Es kann doch gar nichts mehr kommen!

Der Puls rast, die Menge brüllt, die Sonne sticht herab! Er fühlt noch, wie es ihm schwarz vor

Augen wird. Leise, schon ganz weit weg hört er das Knacksen des Schädelknochens. Dann

hört er nichts mehr. Es ist das Ende

Eifersucht

Melissa Puscher

Nun weinst du, nicht wahr? Ja – du weinst, ich kann es ganz genau hören. Gut so. Heul ruhig. Aber von meinem Entschluss bringst du mich dadurch nicht ab. Ja gut, ich mein` wir sind Erwachsene! Ich hab` dich betrogen, ja mein Gott! Na und? Aber das war ja wohl abzusehen! Du, mit deiner verblendeten, verdammt noch mal völlig gestörten Weltanschauung! Wie du dich jetzt fühlst, ist mir eigentlich egal. Es ist an mir nun Macht und Zwang auf dich auszuüben! Du warst wie der Knoten um meine Brust. Nun ist es Zeit ihn zu zerschlagen. Ich öffne die Türe, schaue dich an. Betont kalt. Eiskalt. Die Genugtuung rinnt mir essigsauer die Kehle hinab. Du hast ein verquollenes Gesicht. Ich drehe mich um – und gehe.

Knoten zerschlagen. Bin frei von dir.

Sie weint

Sie versteht die Welt nicht mehr.

Versunken 

in ein Tränenmeer

wie ein Schatz

in der Tiefe der See.

 

Gebrochen – die Seele

- das Vertrauen

- sie selbst.

 

Ich schaue sie an,

empfinde nichts.

Kälte für sie,

Verachtung für sie.

Doch empfinde ich nichts

und das ist der Punkt,

an dem ich geh.

 

Befreit – mein Selbst

- die Qual vorbei

-  gelöst der Knoten – alles vorbei

Fernweh

Franziska Lenz

Täglich höre ich dein Rufen nach mir. Jeden Tag wird es lauter und lauter. Ich wünsche mir so sehr weit weg zu sein, am anderen Ende der Welt. In der Freiheit. Nichts, was mich einengt, mich in vorgegebene Formen presst. Freisein – ganz weit weg, dort, wo mich niemand kennt. Wenn ich die Augen schließe. Kann ich den Ort sehen, nach dem ich mich sehne. Das Meer rauscht gleichmäßig und ich spüre eine frische, eine freie Brise Luft über 
Meine Haut streifen. Die Luft dort ist frei, genau wie ich. Für die Natur, die mich dort umgibt, gibt es kein Wort, das  würdig wäre, sie zu beschreiben, so wunderschön ist sie. Über mir erstreckt sich tiefblaue Weite, ein unendlicher Himmel, der so viel weiter scheint als hier. Durch ein Augenblinzeln kann ich den grauen, wolkenverhangenen trostlosen Himmel meiner Gegenwart erspähen. Wieder spüre ich die Enge, wie sie mein Herz wie ein kalte Faust umfasst und mir langsam die Luft zum Atmen nimmt. Niemals wird sie es schaffen, das weiß ich, sie wird mich nicht besiegen. Die Hoffnung hält mich am Leben, die Sehnsucht nach diesem Ort. MEINEN Ort in der Ferne, an dem es Freiheit gibt – für mich.

Gefangen unter grauen Wolken.
Eingeengt und festgekettet
In der Enge, der Aussichtslosigkeit Sehne mich nach Freiheit, Weite
 
 

Doch in mir ist Hoffnung
Eine Hoffnung nach mehr,
nach wahrer Freiheit,
sie zu erreichen.

Selbstzweifel

Gerhard Göbl

Der Krieg hat begonnen 

der Traum von Ruhe und Frieden zerronnen 

ein Krieg, der mich im Innersten erschüttert 

und meine Unruhe und Zweifel füttert
 

aus einem Gefühl von Stagnation

folgt oft die Erkenntnis der Depression

die das Ich jagen, foltern und schlagen

und es selbst bei einem verletzten Krieger wagen

den tödlichen Stoß anzusetzen

um seine innere Hülle zu verletzen
 

denn ist dieser äußere Ring erst durchbrochen

wird das schutzlose Ich mit Tentakeln 

umschlungen, die ihren tödlichen Griff nicht aufgeben

bis sie ihr Ziel erreichen, wenn auch auf Umwegen
 

Selbstzweifel ist die härteste Stufe von Selbstverstümmelung 

Die dir dein Versagen offen präsentiert 

Und von diesen ist man nur selten fasziniert 

So stagniere ich mich offenen Wunden 

Und diese werden nicht mehr verbunden
 

So wandere ich nun am Abgrund entlang

Erinnere mich an glückliche Tage 

An denen ich mich hoch in die Lüfte schwang 

Und ich an diesen Gedanken verzage
 

Die Parteien meiner Zerrissenheit halten sich die Treue

Und auch wenn ich einen Wiederausbruch des Krieges scheue

Bleibt dem Ich nichts anderes als zu hoffen

Schließlich ist noch niemand im Meer der Träume ersoffen
 

So verwandelt sich die blaue Blume die über mir stand zurück 

zurück in den Himmel und bildet nun das Fundament meines Glücks

Aus einer gefühlten Depression, folgt meistens eine innere Stagnation, die nicht einmal beabsichtig ist. Doch die Zweifel treffen das Vertrauen in sich selbst, wie ein Vorschlaghammer einen Kopf. Das Gefühl am Boden angekommen zu sein, erleichtert, denn man weiß nun, dass man nicht noch tiefer fallen kann. An einem Punkt, an dem einem niemand helfen kann, ist man jetzt angelangt. Unfreiwillig, aber man kann es nicht ändern. An diesem Punkt ist man selbst die einzige Hilfe auf die man sich verlassen kann. Also macht man sich auf,  aus dem sich selbst geschaufeltem Loch wieder heraus zu kommen. Oben angekommen wartet man also wieder mit dem Rücken zum Abgrund auf den nächsten Anlass, der einem den Stoß gibt, mit dem man wieder aus dem Gleichgewicht kommt und zurückfällt.

Selbstzweifel

Florian Marschal

Ich bin so wie immer, denke ich, sage ich. Doch ihr tut das nicht. Ihr meint ich hätte mich verändert, würde keine Rücksicht nehmen, wäre unfair und egoistisch.

Ich denke nach... Eigentlich verhalte ich mich so wie immer. Eigentlich. Ich versuche es, eine ganze Weile schon.

Doch es gelingt mir nicht. So sehr ich es auch will. Ich bin zerrissen zwischen Wahrheit und Vorstellung.

Ich bin ein guter Mensch, denke ich. Ich versuche es zumindest. Doch wieso bin ich in letzter Zeit so anders euch gegenüber? Was mache ich falsch? Ich will das nicht. Ich will raus hier, nicht länger versagen. Ich will euch nicht mehr enttäuschen müssen. Das soll aufhören!


Doch das wird es nicht. Das hat es noch nie. Und das ist meine Schuld. Doch ich kann nichts dagegen machen. Es ist hoffnungslos.

Leere

höhlt mich aus.

Seit langem

fühle ich mich so...

leer
 

Ich bin anders geworden.

Suche nach Gründen, finde keine.

Werde unsicher.

Ich werde ängstlich und wirr.

Versuche es aufzuhalten, schreie:

Stop!
 

Innerlich

bin ich tot

schon seit langem.

Tot.





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