Home | Sitemap | Kontakt | Impressum | Nachrichten | intern | Pressespiegel 

Informationen        Schulleben        Lehrer        Schüler        Eltern        









31.07.1976
  Von: Norbert Herrmann

Jahresbericht 1975-76 (Auszug)

 

Als die Schule vor einem Jahr den Bericht über das abgelaufene Schuljahr vorlegte, geschah es mit dem Gefühl, die ersten nicht immer leichten Hürden genommen zu haben - ohne zu ahnen, welche Schwierigkeiten noch auf sie zukommen würden.

Wie sich die Ereignisse rückschauend an den Überschriften der Zeitungsmeldungen darstellen, soll an einigen Beispielen in Erinnerung gerufen werden:

"Das Gymnasium Moosburg darf nicht sterben..., Hoffnungsschimmer für Baubeginn beim Gymnasium..., Regierung stoppt Moosburger Gymnasiumsbau..., Landkreis bankrott?..., Wenig Chancen für baldigen Baubeginn. .., Bürokratisches 'Halt' für Gymnasium Baubeginn. . . ".

Nicht minder deutlich waren die Anfragen zahlreicher besorgter Eltern, die Gespräche mit dem Elternbeirat, dem Schulträger, den zuständigen Landtagsabgeordneten usw.. Daß es dabei selbstverständlich sein mußte, die Arbeit für den Unterricht nicht zu vernachlässigen, die Stimmung im Kollegium nicht in Pessimismus umschlagen zu lassen, forderte von allen manche Überwindung und den Willen, sich nicht in die Ecke drängen zu lassen, sondern das anvisierte Ziel im Auge zu behalten. Erst als zu Beginn des Jahres 1976 erste Äußerungen maßgebender Persönlichkeiten einen Wandel der Situation erkennen ließen, wurde auch bei uns die Gewißheit stärker, daß die Krise überwunden ist. Wenn wir heute vor dem Eingang zum Turnhallengebäude die neue Schulanlage wachsen sehen, dann dürfen wir mit Recht froh sein.

Hit einem wirklichen Gefühl von Freude sagen wir allen, die zum Gymnasium Moosburg gehalten haben, herzlichen Dank. Für den Schulleiter ist es in den schwierigen Monaten der Ungewißheit eine besondere Genugtuung gewesen, zu erfahren, wie einmütig und aktiv Schüler, Lehrer, Eltern und Elternbeirat sich hinter die gemeinsame Aufgabe gestellt haben. Ich kann mir nur wünschen, daß es so bleibt.

Die Diskussionen im Zusammenhang mit der Existensfrage der Schule und dem Für und Wider eines Neubaues haben auch Fragen aufgeworfen, die über den konkreten Einzelfall hinaus von allgemeinem Interesse sein können. Kernpunkt vieler Gespräche war immer: Lohnt es sich überhaupt? Kommen genügend Schüler? Ist das Projekt wirtschaftlich vertretbar? - So berechtigt diese Prägen gerade aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sind, so unverständlich, bleiben sie, wenn pädagogische Gründe eingezogen werden. Achtet man auf die Stimme der Bildungspolitiker und die Äußerungen erfahrener Fachleute, dann werden wieder die Vorteile der kleinen Schulen deutlich hervorgehoben. Nach dem Anwachsen der Schulen zu Mamutbetrieben, in welchen nur noch verwaltet, organisiert und reglementiert werden kann, wurde allenthalben der Ruf nach der "menschlichen Schule" immer lauter. "Menschliche Schule" aber kann nur bedeuten, daß hier der Einzelne, sei er Schüler oder Lehrer, Vater oder Kutter nicht au einer registrier¬ten Nummer wird, sondern Person bleibt. Nur in einem überschaubaren Bereich kann Pädagogik wirksam sein, ist es möglich zu fördern und zu helfen. Was noch vor 1 1/2 Jahrzehnten Selbstverständlichkeit war, Gymnasien mit Schülerzahlen zwischen 400 und 900, sollte nicht mehr gelten? Den Grund, warum nur "Schülerfabriken" mit mehr als 1000 Schülern sinnvoll seien, hat mir noch niemand nennen können!

Ich bin nach wie vor der Überzeugung, daß die Hauptaufgabe eines Schulleiters nicht im bloßen Verwalten oder in der Erörterung juristischer Spitzfindigkeiten zu suchen ist, sondern auf dem Feld der Erziehung und Bildung. Das aber ist nur möglich, wenn die Schule überschaubar bleibt. Gymnasien mit höchstens 700 Schülern, kleinen Klassen, und genügend und gut ausgebildeten Lehrkräften sind die wichtigste Voraussetzung für Menschlichkeit in der Erziehung. Erst dann können weitere Überlegungen über notwendige oder auch überflüssige Reformen einsetzen.

Neu gegründete, kleine Schulen werden gern mit der Vorstellung "leichter", "geringere Anforderungen" u.a. verbunden. Die Ansicht ist zwar verständlich, stimmt aber nicht mit der Realität überein. Auch das kleinste Gymnasium ist an Richtlinien gebunden, die für alle Schulen gelten. Darüberhinaus müssen sich die Schule und die an ihr Tätigen ihrer Verantwortung gegenüber dem Schüler einerseits und gegenüber den Eltern und der Gemeinschaft andererseits bewußt sein. Ein Verzicht auf Leistung, Vernachlässigung des Lern- und Bildungswillens der Jugendlichen und Verkennen der Anforderungen, die an den Jungen Menschen in Studium und Beruf gestellt werden, würde bedeuten, daß die Schule versagt und das in sie gesetzte Vertrauen der Eltern enttäuscht. Was die kleine Schule kann, ja was sie in hohem Muße tun muß, ist mit intensiver Motivation das Interesse und die Aktivität der Schüler fördern und, wenn notwendig, auch den Einzelnen unterstützen und ihm in seinen besonderen, vielleicht ganz persönlichen Schwierigkeiten helfen.

In Fragen der Hilfe bewegt uns als Lehrer - aber nicht nur uns, sondern in zunehmendem Maße auch die Eltern und maßgebende Persönlichkeiten au Schule und Hochschule - der Verlust an Sprache: ich meine hier ganz konkret an Muttersprache! Es ist von Jahr zu Jahr erschütternder, wie verkümmert die Ausdrucksfähigkeit der Kinder ist. Sprache droht immer mehr zu einem primitiven, undifferenzierten Verständigungsmittel zu werden, bei dem die Lebendigkeit der Schilderung, die Vielfalt des Ausdrucks aber auch die Genauigkeit der Beschreibung verloren gegangen sind. Sind wir uns eigentlich der Folgen einer solchen Entwicklung bewußt? Verlieren wir nicht vor dem ständig zunehmenden Denken an die "Bedürfnisse der realen Existenz", das sich in manchen fragwürdigen Curricula niederschlägt, Jene zweckfreien Werte des Schönen aus den Augen, das so notwendig zu der oft zitierten Humanisierung gehört.

Es mag altmodisch klingen und Widerspruch bei manchen modernen Bildungspolitikern hervorrufen, aber ich bin immer noch der Ansicht, daß das Gymnasium einen Bildungsauftrag zu erfüllen hat und daß es dazu vor allem gehört, Sprachfähigkeiten zu fördern und die Schüler in die breite Palette der Literatur und Geschichte einzuführen - nicht nur in die belanglosen Texte der sogenannten Trivialliteratur.

Das, leider auch an den Grundschulen schon so viel praktizierte System der sog. Lückentests, bei welchen es lediglich darauf ankommt, nur noch einzelne Wörter in vorgekaute Satze einzufügen oder gar durch Ankreuzen aus zwei oder drei Antworten die richtige herauszufinden, kann wohl kaum dazu dienen, Ausdrucksfähigkeit zu fördern!

Wir sind doch keine Lernfabriken, in welchen das Denken zu einem ungenutzten Begriff wird! Es wird gut sein, darüber nachzudenken, ob nicht schon in der Grundschule mehr Gewicht auf die dem Menschen eigenste Fähigkeit, die der Sprache und ihrer vielen Möglichkeiten des Ausdrucks gelegt werden sollte!

Und darüber hinaus: Vielleicht lohnen sich Gedanken auch darüber, ob Bildung nicht einen Schritt über das exakt geplante, der sogenannten Lernziele moderner curricularer Theorien hinausgehen sollte, und das Kreative, das Zweckfreie, das Schöne, letztlich das "Menschliche" mehr Gewicht erhalten muß.





Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium
Albinstr. 5, 85368 Moosburg a.d. Isar
Telefon 08761 7227 - 0; Telefax: 08761 7227 - 27
www.gymnasium-moosburg.de; infono_Spam (at) noSpam$gymnasium-moosburgde

test