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28.01.1983
  Von: Moosburger Zeitung

Meinungsstreit um Gymnasium-Benennung: Beziehung oder Vorbild - was ist wichtiger?

 

Der Name von Karl Ritter von Frisch in der Kritik - Ludwig Weh fordert „Wahrung einheimischen Kulturguts" Oberstudiendirektor Norbert Herrmann spricht von einer großen Ehre

Moosburg. Mit Überraschung, aber auch einer gewissen Empörung hat Ludwig Weh, Leiter des Geschichtskreises im Moosburger Heimatverein, aus unserer Zeitung erfahren, daß das hiesige Gymnasium nach Karl Ritter von Frisch benannt werden soll. In der Sitzung des Schulausschusses des Landkreises Freising, der ja bekanntlich Sachaufwandsträger dieser Lehranstalt ist, war eine solche Entscheidung des Kultusministeriums bekanntgegeben worden. Ludwig Weh hat in einem Schreiben an den Moosburger Stadtrat erklärt, der Name Frisch stehe „in keiner Weise in irgendeiner Beziehung zum hiesigen Gymnasium". Dazu stellt Oberstudiendirektor Norbert Herrmann, der Leiter des Gymnasiums, den wir um eine Stellungnahme baten, mit Nachdruck fest, Karl Ritter von Frisch könne den Schülern ein Vorbild sein. Zudem sei es eine große Ehre fürs Moosburger Gymnasium, wenn es diese Namensverleihung bekommen habe.

Ludwig Weh verweist in seinem Schreiben darauf, daß Moosburg so kulturarm nicht wäre, als daß man unbedingt auf einen fremden Namen zurückgreifen müsse. Immerhin habe es schon im 8. Jahrhundert im hiesigen Kloster einen Schulbetrieb gegeben, der urkundlich im Jahre 1039 faßbar werde und mit dem Namen Folwin, Leiter dieser Lateinschule, in Verbindung stehe.

Sollte es dem Kultusministerium, so Ludwig Weh weiter, unbedingt um den Namen eines Bienenforschers gehen, wie dies bei Ritter von Frisch der Fall sei, könnte die Stadt Moosburg dessen „großen Konkurrenten Anton Vitzthum ins Feld führen". Seine Arbeiten auf diesem Gebiet hätten ihn ebenfalls weit über Deutschland hinaus bekannt gemacht. Außerdem sei Vitzthum noch der Gründer der Witwen- und Waisenkasse gewesen. Er habe 1833 durch König Ludwig I. das goldene Ehrenzeichen des Zivil- und Verdienstordens erhalten. In seinem Schreiben an die Stadt meint Weh abschließend: „Die Moosburger Bevölkerung steht mit Recht einem fremden und völlig bezugslosen Namen verständnislos gegenüber. Ich hoffe sehr und bitte darum, daß die Moosburger Stadträte das einheimische Kulturgut zu wahren wissen und die Entschließung des Kultusministeriums nicht anerkennen."

Oberstudiendirektor Herrmann gab gegenüber der MZ-Redaktion folgende Erklärung ab:

„Bei der Wahl des Namens für eine Schule sind verschiedene Beweggründe ausschlaggebend. Abgesehen von den formalen Bestimmungen des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, die das Verfahren festlegen, steht die Person, deren Name ins Auge gefaßt wird, im Mittelpunkt der Überlegungen. Ich darf hier aus einer Rede von Staatsminister Prof. Hans Maier (8. 7. 1982 in Mallersdorf) zitieren: „Weshalb wir unseren Schulen Namen geben? Weil wir auf die Erziehung setzen und auf die Erziehung durch Vorbilder . . . Erziehung durch Vorbilder, die Zeichen und Markierungen setzen, an deren Leben sich ablesen läßt, was gilt und wofür zu leben der Mühe wert ist... Wenn sich eine Schule einen Namen gibt, so ist dies ein pädagogisches Programm..." 

Diese Gedanken des Staatsministers waren für uns Leitfaden bei der Wahl der Persönlichkeit des Herrn von Frisch. Sicher gibt es an jedem Ort historische Bezüge - die Frage bleibt aber, ob die in Betracht kommenden Personen auch den Jugendlichen etwas sagen können. Die Persönlichkeit Herrn von Frisch's kann doch mit Sicherheit Schülern des 20. Jahrhunderts ein Vorbild sein.

Am 12. Juni 1982 ist er im Alter von 95 Jahren in München verstorben. Er war Nobelpreisträger, Mitglied des Ordens Pour le merite und von 1925 bis 1958 Universitätsprofessor und Vorstand des Zool. Institutes. Nach 1945 hat von Frisch die ersten Biologie-Lehrbücher für die Oberstufe der Gymnasien in Bayern verfaßt. Bücher aus seiner Feder stehen in jeder Schülerbibliothek. Herausragende Forschungen befaßten sich mit der Sinnesphysiologie der Bienen („Bienenfrisch").

Es ist wohl verständlich, wenn die für den Namensvorschlag allein zuständige Schule nach einem Naturwissenschaftler sucht, dessen Wirken den Schülern Vorbild sein kann und dessen Gedankengut über die Grenzen der engen Fachwissenschaft hinausgeht. Gerade in seinen letzten Schriften und Vorträgen hat Prof. von Frisch die Grenzen der rationalen Naturwissenschaft aufzuzeigen versucht. Sein Bemühen war es in besonderem Maße, Ehrfurcht vor dem Leben und der Schöpfung zu wecken.

Für das Gymnasium Moosburg, das sich keinesfalls als einziges Gymnasium um den Namen von Karl Ritter von Frisch beworben hatte, bedeutet die Namensverleihung eine große Ehre und dankbare Verpflichtung gegenüber einem verdienten bayerischen Hochschullehrer und Wissenschaftler.''

Aus der „Chronik der Stadtschule Moosburg" ist zu ersehen, daß der Kastulus-Codex den ersten Scholasten oder Oberleiter der Stiftsschule mit Namen Folwin (1039-1052) nennt. Ein Vorname ist nicht bekannt, auch keine Einzelheiten bezüglich seiner schulischen Tätigkeiten. Wörtlich heißt es in der Schul-Chronik, welche im Moosburger Stadtarchiv aufliegt: Das Stiftskapitel wählte statutengemäß aus seinen Mann, der nicht allein den Chorgesang zu leiten verstand, sondern auch in den Wissenschaften und Kanzleigeschäften bewandert war. Er hatte für sich und die Schule wegen vom Stifte zugeteilte Einkünfte, darunter auch eine Wiese, die sogenannte Schulmästerin, die Erträgnisse eines Hofes zu Engenhofen, sowie zwei Teile des Großzehents und der Kirche dortselbst. Damit war es ihm möglich, die unter seiner Leitung wirkenden Schulhalter oder Schulmeister zu bezahlen.

Oberstudiendirektor Herrmann hatte im Gespräch mit der MZ noch erklärt, man solle die Namensgebung jetzt nicht überbewerten. Hier gehe es doch mehr um eine Symbolbedeutung. Man werde allgemein ja doch meist vom Moosburger Gymnasium sprechen.

Wenn gefragt werde, warum der Name von Karl Ritter von Frisch zunächst noch nicht gleich so publik gemacht worden sei, dann gebe es dafür eine Erklärung. Es leben nämlich Angehörige des Nobelpreisträgers in München, und für sie hätte es eine Desavouierung bedeuten können, wenn das Kultusministerium zum Moosburger Antrag nicht ja gesagt hätte. Im übrigen sei diese Benennung im Lehrerkreis besprochen worden, der Elternbeirat habe zugestimmt, ebenso der Schulausschuß des Landkreises Freising (bei zwei Enthaltungen).

Am 29. Juni findet - wie in ganz Bayern - am Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium Moosburg die erste Abiturienten-Entlassungsfeier seit Bestehen der Schule statt. Dabei will Norbert Herrmann nochmals ausführlich auf Karl Ritter von Frisch eingehen und seine Persönlichkeit angemessen würdigen. Offiziell gilt der Name „Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium", der nicht allzu flüssig klingt, wie schon im Schulausschuß festgestellt worden war, erst ab 1. August 1983. 





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