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23.02.1978
  Von: vermutlich Chr. Högl

Wir wandern, wir wandern...

 

Landwirtschaftsschule an der Thalbacher Straße

Gefreut haben wir uns bestimmt alle, daß unser eigenes Schulgebäude endlich fertig gestellt worden ist. Das Nomadenleben, das wir, die Schüler der Klasse 8a, drei Jahre lang führten und hier kurz schildern wollen, hatte allerdings auch gewisse Reize.

Das Gymnasium, in das wir im Herbst 1974 voller Stolz eintraten, wurde eigentlich erst durch uns ins Leben gerufen, da es ja ohne Schüler wohl auch keine Schule geben kann. Zunächst quartierte man uns in einem Kellerraum des Turnhallengebäudes ein, was für uns einige Nachteile hatte. Da es im Keller sehr kühl war, gab es so gut wie nie hitzefrei. Jede Unterrichtsstunde dauerte 45 Minuten, weil die Lehrer von einem Klassenzimmer zum anderen nur ein paar Sekunden brauchten. Ein Vorteil dagegen war, daß sie viel Zeit hatten, sich mit jedem einzelnen Schüler zu beschäftigen. Sie kannten natürlich bald ihre 'Pappenheimer' und wußten genau, wo ihre Stärken und Schwächen lagen. Am Ende dieses ersten Jahres erfuhren wir, daß wir unser behütetes Kellerkinderdasein aufgeben und für die neuen 5. Klassen Platz machen sollten. Herr Herrmann hatte weitere Lehrstätten gefunden, und wir wanderten in die alte Landwirtschaftsschule an der Thalbacherstraße.

Das Schuljahr 1975/76 wurde für die Lehrer schwieriger, da sie ja in zwei Gebäuden unterrichten mußten. Wir dagegen erfreuten uns eines freieren Lebens. Natürlich kamen die Lehrkräfte immer atemlos erst fünf bis zehn Minuten nach Stundenbeginn an, da sie ja von der Albinstraße zu uns fahren oder laufen mußten. Im Sommer lernten wir noch weitere Annehmlichkeiten unserer Unterkunft schätzen. In den Zimmern betrug die Durchschnittstemperatur an manchen Tagen 30°. Die Fenster konnten wir nicht öffnen, da wir sonst am Ende der Stunde zwar gewußt hätten, wie viele Personen- und Lastwagen die Thalbacherstraße hinuntergerattert waren, aber vom Lehrstoff rein akustisch kein Wort verstanden hätten. Um einerseits die Möglichkeit zu haben, der Stimme des Lehrers zu lauschen und andererseits unser Gehirn vor dem Austrocknen zu bewahren, zogen wir mit Stühlen und Büchern hinaus in den schattigen Garten des Hausmeisters.

Inzwischen hätte mit dem Bau unseres Schulhauses begonnen werden sollen. Als alles zum ersten Spatenstich bereit war, wurde jedoch zu unserer großen Enttäuschung der Bagger, der schon auf dem Bauplatz stand, wieder nach Hause gerollt.

Langsam gaben die meisten Leute es auf, daran zu glauben, daß das Gymnasium Moosburg je ein eigenes Schulhaus bekommen würde. Nur Herr Herrmann, unser Direktor, kämpfte weiter für einen baldigen Baubeginn. Und siehe da, als das Schuljahr zu Ende ging, war immerhin schon eine tiefe Baugrube zu sehen.

Ein neues Wanderschuljahr begann. Abermals mußten wir umziehen; diesmal ging es in das Evangelische Gemeindezentrum an der Schlesierstraße. Wir hatten ein herrlich freies Dasein, da wir die einzige Klasse waren, die dort ihre Unterkunft fand. Nun mußten die Lehrer zwischen vier Gebäuden pendeln: dem Turnhallengebäude, der Landwirtschaftsschule, der Sparkasse und dem Gemeindezentrum. Wir dagegen hatten es gut. Die Unterrichtsstunden wurden immer kürzer! Was uns in unserem neuen Domizil sofort ins Auge stach, war der Kinderspielplatz, der zu unserem Pausenhof gehörte. Am kleinen Karussell konnten wir uns in der Pause so richtig vom Schulstreß erholen. Auch das Klettergerüst bot eine willkommene Abwechslung. Helle Freude rief bei vielen die Schaukel hervor. Nicht zu zweit, sondern zu zehnt saßen wir dort oft wie die Spatzen auf der Telegraphenleitung und verzehrten wippend unser Pausebrot. Der einzige Nachteil, den das Gemeindehaus hatte, zeigte sich erst im Sommer. Unser Klassenzimmer lag im Nordosten, so daß es hier immer kühl war. Natürlich bekamen wir nur selten hitzefrei. Als das Ende des Schuljahres nahte und unser eigenes Gebäude immer noch nicht fertig war, wuchs in manchen Schülern die Hoffnung, das freie Leben fortsetzen zu können. Würde es ein 4. Wanderjahr geben?

Am 15. 9.1977 konnten wir jedoch zu unserer Überraschung die Klassenräume beziehen. War das eine Aufregung! Neugierig marschierten wir durch das ganze Haus und nahmen es voll Begeisterung in Besitz. Doch so herrlich es auch darin ist, die erlebnisreichen Wanderjahre werden wir nie vergessen. Wir haben in dieser Zeit erfahren, daß wir eine Gemeinschaft sind, und es ist einfach schön, wenn man morgens in die Schule kommt und dann spürt, daß man dazugehört.

Quelle: Sonderheft "Einweihung des Gymnasiums Moosburg"





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