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01.10.2004
  Von: Ute Holinski

Momentaufnahmen - Venedig

 

aus dem Unterricht des LK Deutsch K12

Die Aufgabe:

Versetze dich in die Atmosphäre, die eines der dir zugelosten Venedig-Gedichte prägt; verfasse eine kurze, eben diese Stimmung aufnehmende und verarbeitende Geschichte, in der auch das Gedicht - sei es als Prolog, Epilog oder Bestandteil - vorkommen soll. 
Wähle dazu ein die Atmosphäre widerspiegelndes Venedig-Bild!
Die Arbeitszeit betrug etwa 40 Minuten, vielleicht entstanden - gerade aus der Spontanität -  so lesenswerte Texte, die hier auch in nicht überarbeiteter Form wiedergegeben werden

Die Gedichte:

Stefan Zweig: Sonnenaufgang in Venedig

Erwachende Glocken. In allen Kanälen

Flackt erst ein Schimmer, noch zitternd und matt,

Und aus dem träumenden Dunkel schälen

Sich schleichend die Linien der ewigen Stadt.

Sanft füllt sich der Himmel mit Farben und Klängen,

Fernsilbern sind die Lagunen erhellt.-

Die Glöckner läuten mit brennenden Strängen,

Als rissen sie selbst den Tag in die Welt.

Und nun das erste flutende Dämmern!

Wie Flaum von schwebenden Wolken rollt,

Spannt sich von Turm zu Türmen das Hämmern

Der Glocken, ein Netz von bebendem Gold.

Und schneller und heller. Ganz ungeheuer

Bläht sich das Dämmern. – Da bauscht es und birst,

Und Sonne stürzt wie fressendes Feuer

Gierig sich weiter von First zu First.

Der Morgen taut nieder in goldenen Flocken,

Und alle Dächer sind Glorie und Glast.

Und nun erst halten die ruhelosen Glocken

Auf ihren strahlenden Türmen Rast.

Friedrich Nietzsche: Venedig

An der Brücke stand 

Jüngst ich in braune Nacht.

Fernher kam Gesang:

Goldener Tropfen quoll`s

Über die zitternde Fläche weg.

Gondeln, Lichter, Musik –

Trunken schwamm`s in die Dämmerung hinaus....

Meine Seele, ein Saitenspiel,

Sang sich, unsichtbar berührt,

heimlich ein Gondellied dazu,

Zitternd vor bunter Seligkeit,

-Hörte jemand ihr zu? ...

Alfred Brendel: Am Ufer liegen die Gondeln

Am Ufer

liegen die Gondeln

wie gestrandete Wale.

Aus den Dachstühlen am Canale Grande

dringt schwarzer Rauch.

Seufzend

versinkt die Kuppel von Santa Maria Maggiore

in der Lagune.

Eine letzte Explosion

Zerstückelt den Dogenpalast.

Die Ratten

Haben die Größe von Hauskatzen erreicht.

Von der Flutwelle erfasst

plätschern sie im Inneren von San Marco

und beißen die Priester

die versuchen

die Gebeine der Heiligen zu retten.

Stoisch

Lenkt Mario Praz die Ereignisse

und richtet

als alles vollbracht ist

seinen Blick

im Spiegel

auf sich selbst.

Die Ergebnisse: Äußerst lesenswert!!

zu Stefan Zweig

Der Fremde mit der Maske

Müde und träumerisch an den nächtlichen Maskenball zurückdenkend wandelt Patricia durch die dämmernden Gassen Venedigs. In Gedanken sieht sie noch den geheimnisvollen fremden Mann mit den schimmernden blauen Augen vor sich. Leider weiß sie weder seinen Namen noch kennt sie sein Gesicht: Doch der Anblick der langsam erwachenden Stadt muntert sie etwas auf:

Erwachende Glocken. In allen Kanälen

Flackt erst ein Schimmer, noch zitternd und matt,

Und aus dem träumenden Dunkel schälen

Sich schleichend die Linien der ewigen Stadt.

Sanft füllt sich der Himmel mit Farben und Klängen,

Fernsilbern sind die Lagunen erhellt.-

Nichtsahnend schlendert sie dem Kanal entgegen, als sie plötzlich eine Gondel erblickt. Verwirrt bemerkt sie, wie die Gondel langsamer wird und eine dunkle Gestalt ihr die Hand entgegenstreckt. In das Gesicht des Fremden blickend, schlagen ihre Emotionen über: 

Die Glöckner läuten mit brennenden Strängen,

Als rissen sie selbst den Tag in die Welt.

Und nun das erste flutende Dämmern!

Wie Flaum von schwebenden Wolken rollt,

Spannt sich von Turm zu Türmen das Hämmern

Der Glocken, ein Netz von bebendem Gold.

Vor Anspannung bebended erkennt sie die schimmernden Augen von letzter Nacht wieder. Keiner sagt ein Wort. Noch ganz von Sinnen will sie dem Fremden die Maske abnehmen: Doch er zieht sie sanft zu sich und küsst sie leidenschaftlich: 

Und schneller und heller. Ganz ungeheuer

Bläht sich das Dämmern. – Da bauscht es und birst,

Und Sonne stürzt wie fressendes Feuer

Gierig sich weiter von First zu First.

Ohne dass ein Wort gefallen ist, lässt er von ihr ab und fährt von dannen: 

Der Morgen taut nieder in goldenen Flocken,

Und alle Dächer siend Glorie und Glast.

Und nun erst halten die ruhelosen Glocken

Auf ihren strahlenden Türmen Rast.


  Valerie und Sabrina

Sonnenaufgang in Venedig

Über den Dächern von Venedig war die Sonne noch nicht einmal aufgegangen, als Stefan bereits auf der kleinen, von Blumen und Efeuranken umsäumten Hotelbalkon in eine Decke gekuschelt saß. In den engen Gassen um ihn herum lag noch die Ruhe der Nacht. Von diesem Idyll inspiriert schreibt er ein paar Zeilen. Vom Markusplatz her dringen die Töne der Turmglocken durch die Stadt. Eine schwache Brise lässt den Vorhang der Balkontür aufwehen und er erblickt seinen Schatz, der noch seelenruhig und friedlich in den weißen Laken des Bettes schlummert. Durch die langsam aufgehende Sonne wird sie von den Strahlen sanft wachgekitzelt. Nach ein paar Minuten des Dösens schlüpft sie in ihren seidigweichen Bademantel und schleicht sich durch die Vorhänge zu ihrem Liebsten. Die Gassen füllen sich allmählich mit Menschen und Stimmen wirbeln durch die Luft. In der entstehenden Lebendigkeit der aufwachenden Stadt trägt Stefan ihr das eben verfasste Gedicht vor: 

Erwachende Glocken. In allen Kanälen

Flackt erst ein Schimmer, noch zitternd und matt,

Und aus dem träumenden Dunkel schälen

Sich schleichend die Linien der ewigen Stadt.

Sanft füllt sich der Himmel mit Farben und Klängen,

Fernsilbern sind die Lagunen erhellt.-

Die Glöckner läuten mit brennenden Strängen,

Als rissen sie selbst den Tag in die Welt.

Und nun das erste flutende Dämmern!

Wie Flaum von schwebenden Wolken rollt,

Spannt sich von Turm zu Türmen das Hämmern

Der Glocken, ein Netz von bebendem Gold.

Und schneller und heller. Ganz ungeheuer

Bläht sich das Dämmern. – Da bauscht es und birst,

Und Sonne stürzt wie fressendes Feuer

Gierig sich weiter von First zu First.

Der Morgen taut nieder in goldenen Flocken,

Und alle Dächer sind Glorie und Glast.

Und nun erst halten die ruhelosen Glocken

Auf ihren strahlenden Türmen Rast.

Abeline, Astrid, Anna-Maria

zu Friedrich Nitzsche

Die Tür krachte. Plötzlich war merkwürdige Stille um mich. Wie in Trance stolperte ich die Treppe herunter, immer noch ihre hysterische Stimme in den Ohren. Kälte und Regen klatschten mir ins Gesicht, als ich ihr Haus verließ und mir wurde klar, dass es endgültig war. Während ich durch die grauen Straßen von Berlin lief, spielten sich die letzten Monate noch einmal vor meinem inneren Auge ab. Schöne und schlechte Stunden mit ihr vermischten sich zu einem Bild, das mich in die Verzweiflung trieb. Die Welt um mich herum verschwamm, in der Ferne nahm ich ein rot flackerndes Neonlicht wahr. Angezogen von Stimmen und Musik steuerte ich auf die darunter liegende Tür zu und betrat die Bar. Die Gespräche und die laute Musik zogen an mir vorbei. Ich versank ganz in meinen Gedanken. Der Alkohol verstärkte meine depressive Stimmung und ich merkte, wie sich mein Blick verzerrte und sich alles zu drehen begann. Plötzlich fand ich mich über dem Klo wieder. Sichtlich erleichtert hiefte ich mich auf den Klodeckel und ein Gekritzel an der Klotür erregte meine Aufmerksamkeit:

An der Brücke stand 

Jüngst ich in braune Nacht.

Fernher kam Gesang:

Goldener Tropfen quoll`s

Über die zitternde Fläche weg.

Gondeln, Lichter, Musik –

Trunken schwamm`s in die Dämmerung hinaus....

Meine Seele, ein Saitenspiel,

Sang sich, unsichtbar berührt,

heimlich ein Gondellied dazu,

Zitternd vor bunter Seligkeit,

Hörte jemand ihr zu? ...


Anna, Birgit, Mareike

 

An der Brücke stand 

Jüngst ich in brauner Nacht.

Fernher kam Gesang:

Goldener Tropfen quoll`s

Über die zitternde Fläche weg.

Gondeln, Lichter, Musik –

Trunken schwamm`s in die Dämmerung hinaus....

Er hieß Thomas – wie Thomas Mann oder Thomas Gottschalk – nur eben anders....

Er liebte Venedig wie ich, Abwässerkanäle – Gestank! Pseudo-Liebespaare...

Doch wir waren anders! Unser Szeneclub neben der Pizzeria – nur für Männer; Frauen müssen draußen bleiben. Auch nicht so viel anders.

Liebe, einfach Liebe – kein Kitsch – keine Fotos – keine Schaumbäder – reines Gefühl.

Langsam drückte ich den Zigarettenstummel aus – Stinkende Hände, gelbe Zähne.

Auch er ist jetzt tot – AIDS! und ich?

Meine Seele, ein Saitenspiel,

Sang sich, unsichtbar berührt,

heimlich ein Gondellied dazu,

Zitternd vor bunter Seligkeit,

Hörte jemand ihr zu? ...

Ich verliere jeden Halt, Nacht bricht über mich herein. Ich verschwinde aus der Welt voller Gefühle. Mein Herz ist tot – GOTT ist tot. Von nun an gibt es kein Zurück. Dunkler Kanal – anders als sonst?

Alexandra, Sabrina

zu Alfred Brendel

Ohne Maria bin ich zurückgekommen. Seufzend dachte ich an sie zurück, wie schwarzer Rauch stiegen die Gedanken auf. Ein Liebesurlaub in Venedig, der unsere Liebe stärken sollte, entzweite uns durch mein dunkles Geheimnis, das sie dort entdeckte. Jahrelang diente ich dem Meister des apokalyptischen Ordens. Nach einer heftigen Auseinandersetzung verließ Maria in der rabenschwarzen Nacht das Hotelzimmer mit einem lauten Türschlag, um ihre reine Seele vor meiner schwarzen Macht zu schützen. Verzweifelt folgte ich ihr – ich wollte sie nicht verlieren. Doch das Letzte, was ich von ihr sah, war ihr lebloser, reiner, weißer Körper, der auf der dunklen Wasseroberfläche trieb. Seid diesem Anblick fiel ich in eine tiefe Depression, worauf ich meine Kräfte nicht mehr unter Kontrolle hatte:

Am Ufer

liegen die Gondeln

wie gestrandete Wale.

Aus den Dachstühlen am Canale Grande

dringt schwarzer Rauch.

Seufzend

versinkt die Kuppel von Santa Maria Maggiore

in der Lagune.

Eine letzte Explosion

Zerstückelt den Dogenpalast.

Die Ratten

Haben die Größe von Hauskatzen erreicht.

Von der Flutwelle erfasst

plätschern sie im Inneren von San Marco

und beißen die Priester

die versuchen

die Gebeine der Heiligen zu retten.

Stoisch

Lenkt Mario Praz die Ereignisse

und richtet

als alles vollbracht ist

seinen Blick

im Spiegel

auf sich selbst.


Barbara, Kathrin, Christiane

 

Am Ufer

liegen die Gondeln

wie gestrandete Wale.

Aus den Dachstühlen am Canale Grande

dringt schwarzer Rauch.

Seufzend

versinkt die Kuppel von Santa Maria Maggiore

in der Lagune.

Eine letzte Explosion

Zerstückelt den Dogenpalast.

Die Ratten

Haben die Größe von Hauskatzen erreicht.

Von der Flutwelle erfasst

plätschern sie im Inneren von San Marco

und beißen die Priester

die versuchen

die Gebeine der Heiligen zu retten.

Stoisch

Lenkt Mario Praz die Ereignisse

und richtet

als alles vollbracht ist

seinen Blick

im Spiegel

auf sich selbst.


Im Cockpit wurde es immer stickiger. Die Nervosität gewann langsam Überhand, die Steuerung machte sich in meinen schweißigen Händen selbstständig. Unter mir sehe ich die venezianischen Gondeln wie gestrandete Wale am Ufer liegen....aus den Dachstühlen am Canale Grande dringt schwarzer Rauch .... seufzend versinkt die Kuppel von Santa Maria Maggiore in der Lagune.

Von diesen Beobachtungen verwirrt, verlor ich plötzlich die Kontrolle über mein Flugzeug – plötzlich geschah es, ich bemerkte nur noch, wie eine letzte Explosion den Dogenpalast zerstückelte, direkt vor mir glaubte ich die Umrisse von Ratten zu erkennen, die die Größe von Hauskatzen erreicht hatten. Plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz in der linken Wade, eine Ratte hatte mich in meiner aussichtslosen Lage gebissen. Da schreckte ich aus meinem tranceartigen Zustand auf und blickte zu meinem Copiloten, der die Steuerung übernommen hatte. Alles war gut und ich sah, wie unser Flieger sich im Meer von Venedig spiegelte.



Michaela, Verena, Jasmin, Eva

 

 





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