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28.02.2011
  Von: Christina Heinrich

Ungehalten-zornige Reden

 

"Sprich - damit ich ich dich sehe": Dramaturgisch-szenische Lesung am Gymnasium

Moosburg.

"Sprich - damit ich dich sehe" - unter diesem Motto inszenierte die Theater-AG des Gymnasiums Moosburg unter der Leitung von Inge Wachsmuth an zwei Abenden eine dramaturgisch-szenische Lesung. In der ersten Hälfte hatten die Männer das Wort, in der zweiten durften die Frauen sich über die Männer auslassen.

Mit den Männern begann alles. Von ihnen bekam das Publikum ungehalten-zornige Reden zu hören frei nach Uwe Dicks "Der Öd". Der Reihe nach marschierten fünf Öds in Lederhosen und mit Hüten herein und nahmen mit der Frage "Kennts mi ebba ned?" an ihrem Stammtisch Platz. Die fünf verkörperten im Grunde dieselbe Person, aufgespalten in ihre verschiedenen Charakterzüge. So gab es zum Beispiel den Schreihals, den Hysterischen oder den Betrunkenen. Betrunken wurden alle mit der Zeit immer mehr.

Bei den Öds gab es so gut wie kein Thema, das sie nicht kritisierten, oder über das sie sich nicht lustig machten. Von der kritischen Betrachtung der Konsumgesellschaft über die Religion, die Politik - die fünf mussten überall ihren Senf dazugeben, auf witzige und derbe, manchmal etwas beleidigende, aber in jedem Fall provokante Weise. Erst am Schluss wurde dem Publikum klar, dass diese fünf Öds, über die es sowohl lachen konnte als auch Mitleid hatte, ihnen letztlich einen Spiegel vorgehalten hatten. Den Stammtisch verließen sie mit dem Satz: " In am jedn von eich bin i dahoam."

Nach der Pause ging es weiter mit den nicht minder zornigen Reden der Frauen frei nach Christiane Brückners "Wenn du geredet hättest, Desdemona". Was in solchen Reden nie fehlen darf: die Männer, natürlich. So kam es, dass sieben Frauen über ihr Leben mit berühmten Männern erzählten. Jede Frau lebte in ihrer eigenen Welt mit ihren eigenen Problemen. Indem eine Frau das Licht anknipste, war es, als würde eine Tür geöffnet, und das Publikum konnte in die Welt der jeweiligen Sprecherin eintauchen. Doch was es dort so alles zu entdecken gab, war keineswegs angenehm und erfreulich, sondern vielmehr erschreckend und Angst einflößend.

Mal befand man sich bei der Dichterin Sapphos auf Lesbos, die genug von den Männern hat und sich lieber mit ihren Mädchen vergnügt, im nächsten Moment ist man bei der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin in Stammheim, die langsam dem Wahnsinn verfällt. Desdemona fleht ihren Gatten Othello verzweifelt an, sie nicht umzubringen, während Christiane von Goethe mit großer Naivität von der Abhängigkeit in ihrer Beziehung zum berühmten Dichter berichtet. Katharina Luther spricht verächtlich mit Martin in einer metallischen Stimme, die unsterblich verliebte Donna Laura stirbt an der Pest. Eine Hetäre aus dem antiken Athen appelliert währenddessen an ihre Bürgerinnen, verführerischer zu sein und sich der Versuchung hinzugeben.

Obwohl diese sehr unterschiedlichen Frauencharaktere unabhängig voneinander agierten, entstand doch eine Verbindung zwischen ihnen, indem sie einzelne Worte ihrer Vorgängerin in einem anderen Zusammenhang aufgriffen. Am Ende der Lesung wurde das Publikum in einer schwarzen Stille zurückgelassen, bevor lautstarker Applaus ertönte.

Die zwölf Schüler und Schülerinnen, die dieses Jahr ihr Abitur schreiben werden, verkörperten ihre Rollen hervorragend. Sie alle sind bereits seit einigen Jahren in der Theater-AG, nur deshalb war es der Deutsch- und Französischlehrerin Inge Wachsmuth möglich, diese Lesung zu realisieren. Wer noch nicht in den Genuss gekommen ist, die Lesung zu hören und zu sehen, könnte dies mit etwas Glück noch nachholen. Falls die jungen Abiturienten Zeit haben, führt die Theater-AG die Lesung eventuell auch beim Theaterfestival des kleinen Theaters Landshut auf, allerdings steht dafür noch kein Termin fest.

Moosburger Zeitung, 28.02.2011





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