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27.09.2004
  Von: Moosburger Zeitung

Geschichten, die Bilder im Kopf erzeugen

 

Jugendbuchautor Andreas Schlüter liest für 500 Schüler Moosburg.

Er lehnt am Büchertisch und wartet auf seine Zuhörer. Seine schwarze Kleidung, die silberne Lesebrille auf der Nase ­ all das unterstreicht das Auftreten eines distinguierten Autors. Andreas Schlüter wirkt ganz anders als auf dem Steckbrief-Foto im Internet, wo er dem Betrachter mit einer Ratte auf der Schulter und blond gefärbten Punk-Strähnen entgegenblickt. Der Eindruck hält so lange an, bis er zu lesen beginnt. Seine Bücher handeln von Computerwelten, Gewalt in der Schule, Geiselnahmen und Crash-Kids. Wenn er nicht Science-Fiction schreibt, konfrontiert er seine jungen Leser mit knallharter Alltagsrealität und hat sich damit in die Top-Ten der deutschen Jugendbuchautoren geschrieben. Am Montag veranstaltete “Barbaras Bücherstube" in Zusammenarbeit mit Gymnasium, Real- und Hauptschule Lesungen für insgesamt rund 500 Kinder. Der 46-jährige Hamburger kann auf einen ungewöhnlichen Werdegang zurückblicken. Da er nach dem Abitur heilfroh war, die Schule endlich hinter sich zu haben, kam ein Studium für ihn nicht in Frage. Die Ausbildung zum Großhandelskaufmann machte ihn auch nicht glücklich, woraus er schließlich die Konsequenzen zog und kündigte. Es folgten acht Jahre Kinder- und Jugendarbeit in politischen Organisationen, bis Andreas Schlüter mit der Arbeit als freier Journalist wieder einen Neuanfang wagte. Die Idee für sein erstes Buch stammt jedoch aus der Jugendarbeit. Er wollte eine Welt beschreiben, in der Kinder ohne Erwachsene auskommen. In seiner Freizeit entstand der Roman “Level 4 - Die Stadt der Kinder", in der eine ganze Stadt in die virtuelle Welt eines Computerspiels gerät, das alle Erwachsenen verschwinden lässt. Er schickt sein Manuskript an 34 Verlage, von denen 33 dankend ablehnen. “Sie haben behauptet, dass Computer-Kinder keine Bücher lesen würden³, erinnert sich Andreas Schlüter. Für ihn bilden Technikbegeisterung und Lesehunger keine Gegensätze. Er findet, dass heute alle Kinder Computer-Kinder sind, da Technik und moderne Kommunikationsmittel einfach zum Alltag von Heranwachsenden gehören. Der Verkaufserfolg gibt ihm Recht: Mittlerweile gibt es 16 deutsche Auflagen seines ersten Werks, und viele namhafte Verlage machen ihm lukrative Angebote. In sechs weiteren Büchern erleben die Hauptfiguren seines ersten Werkes Abenteuer, fliegen zum Mond, machen Zeitreisen und surfen durch virtuelle Welten. Hinzu kamen 1996 die Krimireihe “Kurierdienst Rattenzahn³ und eine Serie über Kriminalität in der Schule. “Am schwierigsten ist es, Bilder im Kopf der Zuhörer zu erzeugen. Das ist aber nur mit einiger Lese-Übung möglich³, meint er. Die Jugendlichen müssen sich auf die Geschichte einlassen. Den siebten Klassen der Hauptschule liest Schlüter den Anfang von “Gesucht!³ vor. Die Geschichte handelt von dem schwarzen Mädchen Khea, das von einer Mädchen-Bande wegen ihrer Hautfarbe geschlagen und terrorisiert wird, so dass Khea als Ausweg nur eine Flucht sieht. Die ersten Reihen hängen gebannt an den Lippen von Andreas Schlüter, weiter hinten wird getuschelt, Bonbontüten rascheln. 
Als Schlüter an die Stelle kommt, an der die Mädchen eine Zigarettenkippe auf Kheas nacktem Arm ausdrücken und sie ins Gesicht schlagen, zieht ein Junge erschrocken Luft zwischen die Zähne ein, ein Mädchen reibt sich den Arm, als ob sich die glühende Asche in ihre eigene Haut brennen würde. Anscheinend hat es funktioniert: Worte haben sich zu Bildern, Bilder zu Situationen verdichtet ­ Kino im Kopf. Seine Themen hat Schlüter während seiner Arbeit mit Jugendlichen gefunden. “Ich schreibe nicht nur für Kinder, die quasi in der Buchhandlung aufwachsen³, so Schlüter. Er beschreibt den Alltag von Jugendlichen, die an sozialen Brennpunkten leben. Der Autor ist stolz darauf, wenn er Kinder ans Lesen heranführen kann, die noch nie freiwillig zu einem Buch gegriffen haben. Wenn der 46-Jährige sein Schreibtempo beibehält, wird er seine jugendliche Leserschaft weiterhin in Atem halten. Für einen Kinderroman benötigt er nach eigenen Angaben ungefähr drei bis vier Monate. Derzeit arbeitet Schlüter an seiner ersten Horrorgeschichte für Kinder, außerdem soll sein Erstlingswerk unter anderem von “Warner Brothers" verfilmt werden und in die Kinos kommen. Die etwas ältere Leserschaft muss er aber leider enttäuschen: Er hätte zwar Ideen für ein Erwachsenenbuch, aber momentan leider keine Zeit, sie umzusetzen. 





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