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28.06.2005
  Von: R.Knieper (Moosburger Zeitung)

Gut beobachtet und literarisch erhöht

 

Der Autor Gert Heidenreich zeigte sich von seiner ernsten und seiner heiteren Seite Moosburg.Trotz der hochsommerlichen Temperaturen, die am Dienstagabend in der Bibliothek des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums herrschten, blieben nur wenige Stühle leer, als die Leiterin der Fachschaft Deutsch, Cornelia Feldkamp, den Schriftsteller und Journalisten Gert Heidenreich zu einer Autorenlesung begrüßte.

In ihrer Einführung würdigte Cornelia Feldkamp den Gast, der schon am Vormittag eine Lesung vor Elftklässlern gehalten hatte, als gleichermaßen renommierten und beliebten Rundfunkmann und Essayisten, Romancier und Lyriker (siehe Kasten), der vielen Literaturfreunden durch seine unverkennbare Rundfunk- und Hörbuchstimme vertraut sei. Mit einer beschwichtigenden Geste ließ Gert Heidenreich die Aufzählung seiner Preise und Auszeichnungen über sich ergehen, bevor er selbst das Wort ergriff und versprach, sich für das “heiße³ Interesse erkenntlich zu zeigen. Der erste Teil des Abends war der Lyrik gewidmet und Gert Heidenreich rezitierte aus seinem Gedichtband “Im Augenlicht³. Gedichte, die im Zuge langjähriger Reisen durch Indien und Nepal, Afrika und USA entstanden sind, verraten einen oft melancholischen Beobachter, der zwischen den Wahrzeichen einer weltweiten Kommerzialisierung immer verzweifelter auf der Suche ist nach den verwehten Spuren einer humaneren Zivilisation. Ob in Katmandu, wo pittoreske Pagoden ihn nicht hinwegtäuschen können über Kinderarbeit und Ausbeutung durch ein korruptes Königshaus, oder in Kasachstan, wo seine Erinnerungen an stolze Reiterscharen zwischen den Wolkenkratzern von Almaty, dem früheren Alma Ata, begraben werden, ob in Istanbul, wo er mit seinen Metaphern über die gefesselte Freiheit türkischen Intellektuellen aus der Seele spricht, oder in der Sahara, in deren Wüstensand er das Spiegelbild einer vorgeschichtlichen, besseren Welt erblickt: Überall fällt sein Blick auf Menschen und Dinge, die er noch im Verlorengehen festzuhalten versucht, bis hin zu seinem verunglückten ältesten Sohn, dem er auf einem Feldweg bei Steinebach am Wörthsee noch einmal begegnet.Den zweite Teil der Lesung versprach schon vom Titelhelden her leichtere Kost: Thomas Gottschalk, Deutschlands Mega-Entertainer, wurde von Gert Heidenreich erstmals biografisch neu eingekleidet. Amüsant bereits die Einführung, wie es dazu kommen konnte, dass ein “Mann der FAZ³ einem “Mann der Bunten³ so nahe kam, dass er ihn porträtieren durfte: Über die Mutter des blonden Hünen, der in seiner Geburtsstadt so gerne den russischen Soldaten spielte, fand Gert Heidenreich mit schlesischen Volksweisen Zugang zur Familiengeschichte der Gottschalks, die in Schlesien begann und über die fränkische Bierhochburg Kulmbach schließlich nach Malibu in Kalifornien führte.Wäre Thomas Gottschalk nicht vom Möchte-gern-Bravo-Boy des Jahres 1967 über den Radio-Pop-Plauderer im Bayerischen Rundfunk zum Film-Nasen-Komiker und schließlich zum beliebtesten deutschen Showmaster mit Wohnsitz in Hollywood geworden, seine streng katholische Erziehung inmitten einer protestantischen Diaspora, seine pubertäre Leidenschaft für auffällige Klamotten oder seine Begeisterung für die Rolling Stones wären wohl keinem Biographen auch nur einen Federstrich wert gewesen. So aber gelang es Heidenreich, hinter dem schillernden Helden einer deutschen Mediensaga zeitgeschichtliche Ereignisse Revue passieren zu lassen, die auch ohne das Zutun von Thomas Gottschalk von hohem Unterhaltungswert gewesen wären. Sprachwitz und eine fast kabarettistischeBeobachtungsgabe, die es dem Autor ermöglichen, die vergangenen 50 Jahre wie eine Folge merkwürdiger oder komischer, auf jeden Fall aber immer präzise beobachteter Zusammenhänge erscheinen zu lassen, machen den eigentlichen Reiz der Biografie aus, die dem Autor wegen seines prominenten Zugpferdes neben den literarischen wohl auch materielle Verdienste einbringen wird. Ihm, der an diesem Abend auch eine ernste und sicher weit weniger lukrative Seite gezeigt hat, sind Verdienste jeglicher Art von Herzen zu gönnen. Und auch seinem blonden Helden konnte nichts besseres passieren, als von einem Menschenfreund wie Gert Heidenreich beobachtet und literarisch erhöht zu werden.





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