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19.12.2007
  Von: Bernd Spanier (Moosburger Zeitung)

Das Gewissen der Nation erforschen

 

Schiermann, Heim und Sigl bringen Gymnasiasten Leben und Werk Heinrich Bölls näher

Das „Trio Infernale" Klaus Schiermann, Peter B. Heim und Albert Sigl sorgte am Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium für eine Deutschstunde der besonderen Art. Den vier elften Klassen bereiteten sie eine Lesung zum 90. Geburtstag von Heinrich Böll - eine Verbeugung vor einem Autor, der nicht wegschaute
Oberstudienrätin Ute Holinski gab nach der Begrüßung durch Schulleiterin Karolina Hellgartner einen Ein­blick in eine normale Deutschstunde: Da liegt ein weißes Blatt vor den Schülern, in vier Stunden ist eine vorgegebene Arbeit zu liefern, und die Schüler bekommen mehr oder weniger gute Beurteilungen dafür. Heute werde den Schülern eine ganz andere Sichtweise geboten, sich mit einem Autor zu befassen.
Bereits zum Auftakt ließen sich die drei der schreibenden Zunft einen heiteren Einstieg einfallen und be­gannen gleichzeitig zu reden -ein einziger Sprachwirrwarr. Danach fuhr Albert Sigl, diesjähriger Ernst-Hoferichter-Preisträger, solo fort. Sigl erzeugte sofort grolle Span­nung im Raum, berichtete er doch von einem Heinrich Böll, der eventu­ell unwissentlich dem CIA zugearbeitet habe, und sprach in diesem Zu­sammenhang von journalistischem Rufmord. Sigl sah in Böll einen Au­tor, der manchmal zu großen Opti­mismus zeigte, sich aber immer für die Freiheit einsetzte. Selbst dann, als er die Gefahr der Roten Armee Fraktion sicher unterschätzte, war sein Einsatz ein Einsatz für den Rechtsstaat. Bundespräsident Ri­chard von Weizsäcker hat 1985 an die Witwe Heinrich Bölls geschrieben: „Heinrich Böll war ein Anwalt der Schwachen und ein Feind der Selbstrichtigkeit. Er trat für die Freiheit des Geistes ein, wo immer sie in Gefahr war. Er war unbequem und streitbar, er erregte Anstoß und erzeugte Achtung." Böll war der erste Deutsche nach Thomas Mann, der 1972 den Literaturnobelpreis verlie­hen bekam. Seine Werke und sein Engagement verliehen ihm den Titel des Gewissens der Nation. Böll-Zitate wie „Das einzige, wovor Jugendliche geschützt werden müssen, sind die Erwachsenen" oder „Das Abitur ist des Deutschen wahres Vaterland" gaben speziell in diesem schulischen Rahmen viel Anlass zum Denken.

Wie ein roter Faden zog sich durch die Vortrage Bölls Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wo­hin sie führen kann". Auch Peter B. Heim, der Erdinger Autor und Jour­nalist, befasste sich mit diesem Ro­man und der Rolle Bölls als Gewissen des Volkes. Heim schätzte dabei besonders die Selbstkritik, die Böll be­wies. Immer wieder habe sich Böll selbst den Spiegel vorgehalten. Der Schauspieler Klaus Schier­mann verstand es, mit seinem mimi­schen Talent die Zuhörer voll in sei­nen Bann zu ziehen. Er zeigte Böll als einen Menschen, der mit der Jugend tanzt und der zur rechten Zeit Widerstand leistet, nicht erst, wenn es zu spät ist, Heinrich Böll sagte über sich selbst: „Schreiben wollte ich immer, versuchte es schon früh, fand aber die Worte erst später." Die Worte, die er fand, hatten es in sich, das erfuhren an diesem Vormittag die Schüler des Gymnasiums eindrucksvoll.

Heinrich Böll wurde am 21. De­zember 1917, im schlimmsten Hungerjahr des Ersten Weltkriegs, als dritter Sohn des Schreinermeisters und Holzbildhauers Viktor Böll und seiner zweiten Frau Maria in Köln geboren und wurde am 19. Juli 1985 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, von Kollegen und Politikern, unter ihnen Bundespräsident Richard von Weizsäcker, in Bornheim-Merten, in der Nähe von Köln, beigesetzt. Sein Lebenswerk wird von den Schülern nun vielleicht in einem neuen Licht gesehen. Den einen oder anderen wird die Lesung dazu bewegen, sich mit den Werken des großen Autors auseinanderzusetzen.





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