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08.04.2008
  Von: Niko Firnkees (Moosburger Zeitung)

Arrogant-wurschtig oder Gutmensch

 

Kabarettist Hans Klaffl reißt am Gymnasium Lehrer und Nicht-Lehrer zu Lachsalven hin

Der humorvolle und selbstironische Lehrertyp E fehlte in der Auflistung, jedoch nicht auf der Bühne

Frustriert über den "Rythmuß": Beim Korrigieren muss Klaffl verschiedenste Schreibweisen lesen

Moosburg. Die Aula des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums war zumindest zur großen Pause bei Regen - schon mal voller und schon mal leerer. Am Freitagabend war sie voller Lehrer und anderer Unterarten des Spezies Homo Sapiens, als Werner Fleischmann humorig zu einem Kabarettabend begrüßte. Der eigentliche Akteur der Veranstaltung hatte nämlich noch keine Zeit, er korrigierte Extemporalien. Die meiste Zeit zumindest, wenn er nicht vor sich hinraunzte oder Wein trank.

Der Musiklehrer und Kabarettist Hans Klaffl kam seiner häuslichen Nachbereitung am Stehpult sichtlich frustriert entgegen. "Rytmus" musste von Schülerhand geschrieben ebenso lesen wie "Rythmuß". Der dritte Satz der Sinfonie hieße "Minarett" (Note 6 oder Meldung an den Verfassungsschutz?), hatte ein Eleve geschrieben, der Tenor war der Sopran der Männer, und früher hatte man den Stimmbruch verboten und deshalb Kastraten gehabt. Mit der Larmoyanz eines nicht verstandenen Pädagogen fühlte er sich wie ein Drei-Sterne-Koch, dem man nach dem Essen vor die Restauranttür kotzte. Zu allem Überfluss musste er nach dem Korrigieren eine Stunde nacharbeiten - er hatte Rotwein über den Stegreifaufgaben verschüttet, was er mit Kaffeeflecken überpinseln musste.

Die ebenso intelligente wie ironische Nabelschau des Pädagogen riss nicht nur die anwesenden Lehrer zu Lachsalven hin. Auch alle anderen hatten im Laufe des Lebens irgendwann einmal mit Lehrern zu tun gehabt und lernten nun den Pädagogen aus der Sicht eines solchen kennen. Die Eigeneinschätzung sei eine Komponente der Wahrnehmung, so Klaffl, die der Gesellschaft und der Kollegen weitere - und dann gebe es noch die Realität. Wobei es "den Pädagogen" nicht gab. Klaffl strukturierte seine Lerninhalte dahingehend, dass er in vier Typen von Lehrern differenzierte. Dem geforderten Hefteintrag kam das Publikum nicht nach - es hatte seine Unterlagen zu Hause vergessen.

Typ A ist der arrogant-wurschtige. Ihm kann keiner etwas, da könnte ja jeder kommen, und wenn mal einer kommt, sitzt er das aus. Typ B ist meist weiblich, hieß in seinem fiktiven Lehrerkollegium Gütlich und ist Gutmensch und Bedenkenträger. Er beziehungsweise sie liebt Projektunterricht und lässt Schüler in der Küche des Lehrerzimmers Crêpes mit Kollateralschaden backen. Gütlich nimmt sich sogar Handreichungen des Ministeriums zu Herzen und leidet demzufolge bald am Burn-out-Syndrom.

Typ C ist der Gmeinwieser, der robuste Typ mit Lukas Podolski als intellektuellem Vorbild. Er gibt vorzugsweise Sport und Chemie und sieht Schüler und Eltern als kriminelle Vereinigung. Dank längst zu enger Sporthosen wird der "Deutschländer" auch "turnende Mettwurst" genannt. Der "Meister der pädagogischen Blutgrätsche" wurde abschließend am Klavier karikiert, bevor Typ D dran kam: Der Schöngeist Gregorius, den bereits in der Frage, ob man "Quod licet Iovi?" oder "Quod liket Iovi?" prononcieren muss, einen Verfall aller kulturellen Werte sieht. Wahrscheinlich echauffiert sich der Gregorius auch darüber, dass Klaffl seinen Vornamen mit einem denglischen Apostroph "Han´s" schreibt. Für die Freunde Erwin Pelzigs: Der Gmeinwieser ist der Hartmut beziehungsweise Haddmud mit Staatsexamen, Gergorius hieße am Celtis-Gymnasium Schweinfurt Dr. Göbel.

Der Schüler wird nun mit diesen Kontrasten im 45-Minuten-Takt traktiert, was seine extreme Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellt. Doch auch die Lehrer müssen die geballte Menge der Typen A bis D ertragen, zum Beispiel in der Lehrerkonferenz. Zuerst geht es um Noten: "Keine Gefangenen" will der Gmeinwieser machen, Gregorius spricht von einer "finalen Benotung". Und auch die Lehrertypen müssen sich gegenseitig ertragen, beispielsweise in der Lehrerkonferenz.

Die Erfahrungen von Nicht-Lehrern mit Lehrern führen zwangsläufig dazu, dass Vorurteile entstehen, die Han´s Klaffl mit beißender Ironie auf die Spitze trieb. Dazwischen lästerte er über das KM, also das Kultusministerium, und beschrieb die olfaktorischen Wahrnehmungen von Turnbeuteln und Schülern nach dem Sportunterricht. Er mäandrierte dabei wie ein Altwasser um den regulierten Fluss herum, hielt sich in Sichtweite zum eigentlichen Inhalt und kehrte alsbald zu diesem zurück. Er sprach, sang, rappte ein wenig, spielte am Klavier oder am Kontrabass mit Schuhen als Schlaginstrument und verteilte am Ende sogar präparierte Blockflöten an die Anwesenden. Als handlungsorientierter Unterricht konzipiert, konnte jeder der Anwesenden genau einen Ton blasen, am Schluss kam Celine Dions "My heart will go on" heraus.

Abschließend gilt es, einen schweren Fehler in Klaffls Systematik der Lehrertypen zu rügen, der auch nicht als didaktische Reduktion verziehen werden kann: Es fehlte Typ E, der Lehrer, der sich selbst nicht so ernst und wichtig nimmt und sogar über sich selbst lachen kann. Dabei hatte man gerade den über den ganzen Abend hinweg direkt vor Augen gehabt.

 





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