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05.06.2008
  Von: Niko Firnkees (Moosburger Zeitung)

Wirklichkeit von der Satire kaum entfernt

 

Theater-AG des Gymnasiums führt "PISA und andere Katastophen" bravourös auf

Das Werbegirl im modernen Unterricht

Animositäten und Blabla statt Argumenten: Die Talkrunde blieb im Unscharfen

Sandburgen als „Abschlussprüfung“

Die Tanzgruppe als ABC-Schützen

Moosburg. Eigentlich hätte man über Werner Kruses Theaterstück „PISA und andere Katastrophen“ pflichtschuldig lachen müssen – das Stück der Theater-AG ist bissig-ironisch bis derb-komödiantisch. Das Problem: Die Wirklichkeit ist von der Satire kaum entfernt. Leider macht es kaum einen Unterschied, ob man sonntagabends Anne Will – von diversen Krawall-Talks am Mittag ganz abgesehen – aufdreht oder sich von Montag- bis Mittwochabend in die Aula des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums begab. Aber daran sind nicht die Schulschauspieler schuld, die ihre Aufgabe bravourös meisterten.

Man debattierte in der Talkrunde über PISA und die Folgen im Rahmen des Mottos „Bildung 2010“. Der flippige Moderator (Florian Marschall) versuchte, den Sauhaufen an Gästen unter Kontrolle zu halten. Herrn Professor Dr. Kindlich etwa (Julius Kempf), einen blasierten Theoretiker, der im Ungefähren verblieb und es irgendwie als Zumutung ansah, sich mit geistig Minderbemittelten in der Talkrunde abgeben zu müssen.

Zu diesen gehörte Katharina Kraus als Professorin Ohnesorge. Es gelang der Abiturientin brillant, die hyperemanzipierte, eingebildete und selbst bei einer falschen Verteilung von Erfrischungsgetränken kompromissunfähige Öko- und Psychozicke zu spielen. Dritter im Bunde war der Regierungsabgeordnete Engsicht. Michael Janke mimte den Hinterbänkler, dessen geistiger Horizont durch eine großformatige Zeitung namens „Blöd“ geformt wurde, und dessen IQ in etwa seinem Listenplatz bei der Wahl entsprochen haben dürfte. Ein aufgesetztes Bayerisch samt Trachtenanzug und der stereotype Verwies, die Regierung sei im Gegensatz zur Meinung der Opposition auf dem richtigen Weg, ergänzten diesen Charakter. Eingezogen war Engsicht passender Weise mit dem Defiliermarsch. Hätte man das Stück an einem Gymnasium in Castrop-Rauxel inszeniert, wäre eine Bergmannskapelle angemessen gewesen.

Nachdem die Talkrunde nichts zu sagen hatte, blendete man wie im echten Fernsehen Sequenzen ein. Szenen aus dem Unterricht etwa. Einmal wurden unter dem Lehrer (Patrick Wolf) onomatopoetische Lautäußerungen besprochen. Darunter versteht man Grunzlaute wie „Ääää“, „Bääääh“, „Würg“ & Co. Höhepunkt der germanistischen Reflexionen war dann der vollständige Satz „Ich muss aufs Klo“. Der beim Abgang gezogene Nasenrammel wurde gar zum Präpositionalobjekt geadelt. Beim zweiten Schuldurchgang sponserten Geschäfte den Unterricht. Jeder Faserschreiber und jedes Blatt Papier wurde von einem Werbegirl kommentiert.

Nachdem derlei Beschulung das Niveau senkt, gleichzeitig aber jeder einen Schulabschluss schaffen soll, wurden Kreativität und abstraktes Denken von der Staatssekretärin (Alexandra Walther) im QuaKi, dem Qualifizierten Kindergartenabschluss, überprüft. Es galt, dem Sandkasten Konstruktives zu entlocken. Am Arbeitsamt folgte dann die Katastrophe in Form der heillos überspannten Frau Genehmigerin (Bianca Spanier). Die Neurotikerin hielt sich an die österreichische Devise, dass die Lage zwar hoffnungslos, aber keineswegs ernst ist.

Mit weißen Masken hatte die von Rotraud Grottenthaler geleitete Tanzgruppe zu „Another brick in the wall“ eröffnet, zwischendurch bot man einen ABC-Schützen-Tanz mit überdimensionalen Schultüten als Hut, am Ende zog man erneut alle Register des Könnens. Inge Wachsmuth als Gesamtleiterin und Melissa Puscher als Dramaturgin hatten das Stück schlüssig und flüssig inszeniert. Es dauerte so lange, wie eine Talkshow dauert, das Theater fand also in Echtzeit statt.

Gut, dass die Wirklichkeit zwar bei Dummlaberern in Debattenrunden bereits Realsatire ist. Die heutige Schülergeneration scheint aber gegen die Verdummung immun zu sein: Einige der Beteiligten waren bereits in der Dienstags-Ausgabe der Zeitung erschienen – als Abiturienten, die im realen Schulleben Traumschnitte von 1,0 oder 1,1 wohl nicht mit dem Bauen von Sandburgen erarbeitet hatten.

 





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