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05.12.2017
  Von: Lara Mohr, Lennart Mathes , Sebastian Samberger

W-Seminar Geschichte besucht das Moosburger „Haus der Heimat“

 

Fotos: Liam Berger. Informationstafel am Eingang des Hauses der Heimat

Begrüßung des Seminars durch Herrn Marschoun, Frau Fischler und Herrn Neumaier (v. r. n. l.)

Raum mit originalen Hodschager Trachten

Küchenutensilien und Arbeitsgeräte aus der Landwirtschaft in Hodschag

Der frühere Moosburger Bürgermeister Anton Neumaier informiert über die Geschichte der Donauschwaben

Adam Marschall erzählt von der dramatischen Donauüberquerung im Herbst 1944 (dahinter Herr Neumaier und Frau Fischler)

Ein Bild der Hodschager Kirche; dahinter Herr Rausch, Herr Marschall und Herr Neumaier (v.l.n.r.)

Seminarteilnehmer lauschen interessiert einem Zeitzeugenbericht

Ein erst kürzlich wieder restaurierter originaler Fluchtwagen

Am 5.12.2017 besuchten wir, die Teilnehmer des W-Seminars „Flucht, Vertreibung, Migration“ aus der Q11 mit unserem Seminarleiter Karl Rausch das „Haus der Heimat“ in der Moosburger Neustadt. Die Landsmannschaft der Donauschwaben und Hodschager, die Landsmannschaft der Schlesier, die Landsmannschaft der Sudetendeutschen, die Egerländer Gmoi  und der Heimatbund Königsberg a. d. Eger haben seit Jahrzehnten hier ihr kulturelles Zentrum, das direkt neben dem Trainingsgelände des TSV Moosburg liegt,der von den Vertriebenen und Flüchtlingen 1950 gegründet wurde.  Es ist ein Gemeinschaftshaus der Verbände und zugleich ein „lebendiges Museum“, da hier nicht nur seltene und informationsreiche Materialien zu sehen sind,  sondern immer wieder auch Zeitzeugen an die schweren Anfänge der damals „Fremden“ in Moosburg erinnern.

Unser Ziel war es, einen möglichst authentischen Einblick in die Geschichte dieser Menschen zu bekommen und zugleich Anregungen für mögliche Seminararbeiten zu gewinnen. Begrüßt wurden wir vom früheren Moosburger Bürgermeister Anton Neumeier, Frau Helga Fischler  sowie den Zeitzeugen Horst Marschoun und Adam Marschall.

Herr Marschoun ist ein Egerländer, der nach Kriegsende aus dem Sudetenland gewaltsam vertrieben wurde und nach einem langen und strapaziösen Transport in Freising ankam und dann in Moosburg eine neue Heimat fand. Er erinnerte besonders an den überstürzten Aufbruch aus der alten Heimat, denn die Behörden ließen ihnen nur zwei Stunden Zeit um ihre Sachen zu packen und  sie wurden dann in Richtung Deutschland geschickt. Die Verteilung in Bayern geschah ebenfalls eher willkürlich; denn man wurde dort untergebracht, wo z. B. auf Bauernhöfen ein Platz frei war.

 Herr Adam Marschall ist ein Kriegsflüchtling aus Ungarn, d.h. er verließ das angestammte Siedlungsgebiet der Donauschwaben bereits vor Kriegsende im Herbst 1944. Anlass war der Kurswechsel der ungarischen Regierung unter Horthy, die mit den Alliierten angesichts der drohenden Niederlage Deutschlands und seiner Verbündeten einen Separatfrieden schließen wollte. Der heute Sechsundachtzigjährige schilderte uns recht plastisch, wie er mit seiner Familie mit zwei von Pferden gezogenen Planwagen aufbrach; einen Wagen steuerte der damals erst dreizehnjährige Junge selbst. Mitten in der Nacht überquerten sie die mehrere hundert Meter breite Donau, während direkt daneben SS-Soldaten und arbeitende jüdische Gefangene schrien  und brüllten. Einer der Soldaten merkte, dass Adam mit der Situation nicht zu Recht kam und übernahm für ihn das Steuer. Der Wagen verlor dennoch die Kontrolle und kippte um und die ausgehungerten KZ-Häftlinge  stahlen Adams Sachen. Erst als Adams Vater die Plünderer bestach, stellten sie den Wagen wieder auf. Später wurde die Familie auf Militär-LKWs verladen und Richtung  Deutschland transportiert. Als Ende Oktober in Ungarn die Pfeilkreuzler die Macht an sich rissen und erneut mit dem Hitler-Regime zusammenarbeiteten, benötigten sie die Militär-Lkws dringend für den Kampf gegen die vorrückende Rote Armee. Deshalb wurden die Flüchtlinge wieder abgeladen und landeten in einem Dorf in der Nähe der ungarischen Stadt Fünfkirchen, wo sie  einige Tage blieben Von dort ging es dann mit dem  Zug weiter nach Deutschland, mit 30 Personen pro Wagon und ohne Toilette. Nach zehn Tagen kamen sie schließlich in Moosburg an und wurden in Schulhäusern oder auf Bauernhöfen rund um die Stadt verteilt. Die Flüchtlinge waren anfangs froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.

1948, als das ehemalige  Kriegsgefangenenlager VII A, das zwischenzeitlich als Internierungslager für Unterstützer und Funktionäre des Nazi-Regimes genutzt worden war, frei gegeben wurde, zogen viele der  Neuankömmlinge dorthin und bewohnten die Baracken. Natürlich wollten sie gern arbeiten und ihre früheren Berufe auch hier ausüben, doch das wurde erst im Laufe der Zeit erlaubt.

Erst 1957 war es  möglich, Grundstücke zu erwerben und so entstand der Stadtteil Moosburg-Neustadt. Die Verbindungen der Alt- und Neu-Moosburger wurde immer enger, da die zuerst misstrauisch beäugten „fremden“ Flüchtlinge und Vertriebenen durch ihren Fleiß und ihren Integrationswillen die Sorgen und Ängste der Einheimischen entkräften konnten.1968 übernahm Moosburg die Patenschaft für die Stadt Königsberg an der Eger bzw. die ehemaligen  deutschen Bewohner der Stadt.

Zum Schluss bekamen wir noch eine  Führung durch die Hodschager Abteilung des Museums, in der unzählige Erinnerungsgegenstände wie Trachten, Arbeitsgeräte und vieles mehr zu sehen sind.

Für unsere Schulbibliothek überreichten uns Herr Neumaier und Frau Helga Fischler, 2. Vorsitzende der Landsmannschaft der Donauschwaben“ noch ein Buch über die Geschichte der Hodschager („Hodschag 1756-2006. Geschichten und Geschichte“) sowie zwei Ausgaben des „Hodschager Blättli“, wofür wir uns  wie auch  für den sehr interessanten und informativen Nachmittag recht  herzlich im Namen des KRvF-Gymnasiums Moosburg bedanken möchten.





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