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20.04.2016
  Von: Christine Fößmeier

Dada: Unsinn oder Sinnschaffung?

 

Das Gymnasium präsentiert eine beachtenswerte Schüler-Ausstellung

Fotos: Stephan Hager

Es begann mit einem Schrei. Kunstlehrer Stephan Görgner vom Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium startete seine Einführung in die Kunstausstellung seiner Schüler am frühen Donnerstagabend provokant, aber dem Thema Dada entsprechend. Und: Er bleibt dabei. Zwischen Erläuterungen fließt Dada-haftes ein, tonal begleitet manchmal von den Schülern, die sich selbst so ausführlich mit dieser Kunstströmung, aber ebenso dem Experiment auseinandergesetzt haben.

Herausgekommen ist vielleicht nicht die von Dada angestrebte Kunstzertrümmerung, dafür viel Sehenswertes auf konzentriertem Raum. Es dauert eine ganze Weile, bevor man als Betrachter alle Kunstwerke entdeckt oder als solche verstanden hat. Es gibt nicht nur Bilder, Assemblagen und Objektkunst, sondern auch Hocker und von der Decke hängende Miniatur-Versionen derselben, Projektbeschreibungen, Skizzen, zig Plakatentwürfe und sogar ein Ausstellungsmodell, das ebenfalls im Raum baumelt. Görgner spricht von „Bluff“. Dada sei nur ein Aufhänger gewesen: „Als Kunstlehrer waren und sind Kunstzertrümmerung und Experimentierfreude wichtig.“ Die Schüler sollten sich darauf einlassen und auf die leere Fläche, in die sie hineinspringen hatten müssen. Es würde Mut erfordern, in diesen leeren Raum hineinzuspringen und ihn zu besetzen, sagt Görgner, sei es die weiße Malfläche oder der Raum. Doch sei Experimentierfreude wichtig für jedes Leben – egal, was die Schüler mal werden. Letztlich geht es dem Lehrer nicht nur um die Erfahrung mit Unsinn und Blödsinn, wie Dada das einst stilisierte, sondern um Sinnschaffung, denn jeder müsse in seinem Leben Sinn schaffen.

Hohe Ansprüche sowohl an das P-Seminar Kunst wie den Additumkurs.

Letzterer schuf Assemblagen im Sinne eines Kurt Schwitters, sowie Figurenbildnisse und Objekte und auch die erwähnten Hocker aus nur einer 2,50 Meter langen Holzlatte. Jeder ist anders, jeder besonders. Skizzen geben den Entstehungsprozess wider, Zeichnungen schöne Details der fertigen Objekte. „Objektkunst“ nennen sich die im Raum verteilten Köpfe ganz unterschiedlicher Gestaltung. Sie entführen in eine eher fantastische, doch sehr faszinierende Welt des Ideenreichtums und der Probierfreude.

Im P-Seminar ging es um die Fälschung eines Bildkörpers oder vielmehr das Nachempfinden einer künstlerischen Position. Das heißt, es sollte nicht einfach ein Bild nachgemalt werden, sondern ein dem Künstler entsprechendes Werk entstehen. Hinzu kam eine gefälschte Provenienz, die das neue Werk glaubhaft im Historischen ebenso wie innerhalb der Kunstmarktströmungen verankern sollte. Im besten Falle weist nun ein solches Kunstwerk Materialalterung und rückseitig angebrachte Geschenk- und Verkaufsnachweise auf.

Ergänzt wird die Ausstellung nicht zuletzt durch eine Präsentation eines Architekturprojekts im Rahmen des Kunstkurses unter Leitung von Kunstlehrer Fabian Engl. Es gibt also wahrlich viel zu sehen, wenngleich nicht unbedingt im Dada-Sinne, wo es noch hieß: „Die große Kunst sollte geschlachtet werden.“ Vielmehr ist eine große kleine Verneigung vor der Kunst und Kunstgeschichte entstanden. Vielleicht war das nicht unbedingt in Görgners Sinn, der sich insgeheim wohl mehr erhofft hatte. Der Mangel ist nicht sichtbar, doch seinen Äußerungen entnehmbar. Verärgerung ist spürbar. Durch die aktuellen Strukturen des Gymnasiums wurden für die Ergebnisse zwei unterschiedliche Kurse und Kursarten zusammengeworfen, das P-Seminar und der Additumkurs. Beide arbeiten nicht immer zusammen – für Görgner eine „idiotische Struktur“, die dafür verantwortlich ist, dass sie unterschiedliche Kurse, Lehrer und Niveaus haben. Also vielleicht doch ein Schlachten der Kunst, aber diesmal auf dem Rücken von Schülern? Hoch anzurechnen ist diesen, dass sie mitten in der Abitur-Phase eine solch beachtenswerte Ausstellung auf die Beine gestellt haben. Das verlangte viel Arbeit und ist im positiven Sinne sichtbar. Daher hätte man der Ausstellungseröffnung mehr Besucher gewünscht. Die Ausstellung war bis zum 19. April in den Pausen und zwischen 13 und 17 Uhr im „Silentiumraum-Mensa“ im KRvF-Gymnasium zu sehen.





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