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27.04.2015
  Von: Karin Alt (Moosburger Zeitung)

Brückenschlag in die Zukunft

 

Eindrucksvolle Stalag-Gedenkfeier mit internationalen Ehrengästen

Fotos: Christine Fößmeier

Am "Franzosenbrunnen": (v.l.) Bischof Bernhard Haßlberger, Landrat Josef Hauner, Richard Lang, Generalkonsul William E. Moeller, Herbert Franz, Bürgermeisterin Anita Meinelt, MdB Erich Irlstorfer, MdL Dr. Florian Herrmann

Moosburg. Die Stadt hat ihren Platz gefunden im Kreis jener Orte, die würdig mit einem Stück unheilvoller Vergangenheit umgehen. Das bestätigten hochrangige internationale Gäste bei der eindrucksvollen Gedenkfeier zur Befreiung des Kriegsgefangenenlagers am Samstag. Und sie waren voll des Lobes über das Fingerspitzengefühl, mit dem Stalag-Verein und Stadt dabei agierten – gelang doch mit der Beteiligung junger Menschen der Brückenschlag in die Zukunft.

Die Gäste trafen sich dort, wo einst für die Gefangenen das Leben hinter Stacheldraht begann und mit dem Anrollen der amerikanischen 14. Panzerdivision endete: am ehemaligen Lagereingang, heute die Sudetenlandstraße. Von dort marschierten sie zum „Franzosenbrunnen“ und legten rund um die neuen Informationstafeln symbolträchtig einen Halbkreis aus weißen und roten Rosen. Sie ehrten damit jene 150000 Soldaten, die von den Nazis im Laufe des II. Weltkrieges dort eingesperrt und als Zwangsarbeiter missbraucht wurden.

Menschenrechte und Menschenwürde

Zu viele Menschen hätten unabhängig von Nation, Glauben, Geschlecht und Alter Unmenschliches durchmachen müssen, betonte denn auch Bürgermeisterin Anita Meinelt. Schon alleine daraus erwachse die Verantwortung, zu erinnern und gemeinsam daran zu arbeiten, dass so etwas nie wieder geschieht. Dem Stalag-Verein bescheinigte sie „eine unglaublich umfangreiche und wertvolle Arbeit“. „Wir sind Frieden gewohnt“, sagte Meinelt, die anhaltenden Flüchtlingsströme zeigten jedoch, dass das nicht überall so ist. Auch hier „müssen wir aufpassen, dass uns Geschichte nicht einholt“, forderte sie Zusammenhalt: „Wir müssen zeigen, dass uns Menschenrechte und Menschenwürde etwas wert sind.“ Einen weiten Bogen spannte Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer, der ausdrücklich denjenigen dankte, die sich für Erinnerungskultur stark machen. Trotz der Genfer Konvention seien über 80 Prozent der im Stalag VIIA umgekommenen Gefangenen Russen gewesen – und wer überlebt habe, sei von der Sowjetunion anschließend als Schwerverbrecher klassifiziert worden. „Unsere Generation kann weder das Leid des Krieges in vollem Umfang verstehen, noch – so hat man leider manchmal den Eindruck – das Geschenk der Freiheit und des Friedens. Wir dürfen diesem Geschenk aber nicht gleichgültig gegenüberstehen, sonst sind wir dazu verdammt, es abermals zu verlieren“, mahnte Irlstorfer.

Kompass fürs Handeln

Besonders an die jüngeren Zuhörer appellierte er, mit denjenigen zu sprechen, die den Krieg noch erlebt haben, denn wenig sei lehrreicher als deren Erzählungen. Es sei „wahrlich ein Geschenk Gottes, dass aus Feindschaften enge Freundschaften wurden“, schloss der Abgeordnete mit der Hoffnung, „dass meiner und den nachfolgenden Generationen Nächstenliebe und Versöhnung Kompass fürs Handeln sein mögen“. Der amerikanische Generalkonsul William E. Moeller erinnerte daran, dass seine Landsleute vor 70 Jahren als Sieger und Besatzer kamen und zu Freunden und Verbündeten geworden sind. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, dass das ehemalige Lager zur neuen Heimat für Vertriebene geworden ist. So sei eine Tragödie zum Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung Bayerns geworden, der „vierte Stamm“ habe viel zum Wirtschaftswunder gerade im ehemals armen Bayern beigetragen. Von daher seien „wir Amerikaner stolz darauf, Teil der unglaublichen Reise Bayern gewesen sein zu dürfen“. Deutschland verliere seine Vergangenheit nie aus den Augen, deshalb gehöre es zu den angesehensten Ländern der Welt.

So wichtig ist Bayern

Moeller rief angesichts der russischen Aggression dazu auf, nicht zuzulassen, dass Russland „uns in das frühe 20. Jahrhundert zurückkatapultiert, als Macht vor Recht ging und Supermächte das Schicksal kleinerer Länder in der Hand hatten“. Wenngleich keinesfalls militärisch, so müsse die Welt doch der Ukraine Beistand leisten. Angesichts der aktuellen Herausforderungen in der Sicherheitspolitik wies der amerikanische Generalkonsul darauf hin, dass noch immer 14000 GIs in Bayern stationiert sind, dass die NATO in Bayern auf zwei hochmodernen US-Truppenübungsplätzen trainiert und sich von daher das Bindeglied zwischen Deutschland und den USA im Herzen Bayerns befindet. „Bayern ist tatsächlich so wichtig!“, schloss Moeller. Mit dem Militärhistoriker Dr. Hubert Speckner aus Wien hatte der Stalag-Verein einen ausgewiesenen Fachmann für Kriegsgefangenenlager als Festredner gewinnen können. Er zog den Hut vor Moosburg: „Die Forschungsarbeit, die hier geleistet wurde, ist herausragend.“ Dann definierte Speckner erst einmal Stalag und den Unterschied zu Straflager, Offlag (Offizierslager), Dulag (Durchgangslager), Ilag (Internierungslager) und Heilag (Heimkehrerlager). 85 Stammlager habe es im Reichsgebiet gegeben, dazu 48 Offlags und zahllose Frontlager. 1,4 Millionen Kriegsgefangene wurden 1940 gezählt, 2,8 Millionen im Juni 1944 – davon allein je 900000 Franzosen und Russen. Fast 95 Prozent der Gefangenen mussten Arbeitseinsatz leisten, das hatte das Regime bereits im Jahr 1936 so vorausgeplant. Bezüglich der Wachmannschaften sagte Speckner, dabei habe es sich um nicht mehr feldverwendungsfähige Soldaten gehandelt, die schon einen Krieg hinter sich hatten; die Partei habe sich stets über die zu gute Behandlung der Gefangenen beklagt. Deswegen habe Heinrich Himmler versucht, immer stärker ins Kriegsgefangenenwesen einzugreifen. Speckners Resümee: „Es gab alles, vom Kriegsverbrechen über Ausbeutung bis zu Wohlwollen und Widerstand, viele Tote und viele gerettete Menschenleben.“

Schillers Worte

Den Schlusspunkt setzten Seminaristen des Karl-Ritter-von- Frisch-Gymnasiums in vielen Sprachen: „Wir gedenken der Gefangenen im Stalag VIIA in Moosburg. Denn nur wenn wir uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen, können wir unsere Zukunft und die eines vereinten und friedlichen Europas mitgestalten“, sagten Annalena Graßl (Deutsch), Susanne Ramsauer (Russisch), Nadja Hausner (Englisch), Tobias Lorentschk (Serbokroatisch), Miriam Rieger (Französisch), Robert Herrmann (Polnisch) und Fabienne Frank (Italienisch). Und während die Bürgermeisterin und die Gymnasiasten das Schild „Stalag-Gedenkplatz“ enthüllten, intonierte „Tower Brass“ aus Geisenhausen die „Ode an die Freude“ und Richard Lang vom Stalag-Verein sprach den darin enthaltenen Satz, der eigentlich alles sagt: „Alle Menschen werden Brüder.“





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