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18.04.2013
  Von: Sandra Rödl

Unvorstellbar, unglaublich, unfassbar – ein Leben in ständiger Angst

 

Fotos: Stephan Hager

Am Donnerstag, dem 18. April 2013, kam ein besonderer Gast an unsere Schule, um für die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen einen beeindruckenden Vortrag zu halten.

Herr Günther Rehbein, geboren im März 1933, hat von einem Leben voller Angst vor der Stasi in der DDR berichtet, das er in einem Buch „GULAG und GENOSSEN“ veröffentlicht hat. Am Anfang zeigte er einen selbst hergestellten Film, der die Zellen in den Stasi-Gefängnissen in ihrem heutigen Zustand zeigte sowie einen kurzen Originalschnitt von Häftlingen eines russischen Straflagers. Anschließend las er teilweise aus seinem Buch vor, teilweise berichtete er frei von seinen schrecklichen Erlebnissen und beantwortete viele Fragen.

Als 19jähriger Mann (bereits verheiratet und Vater eines Sohnes) wurde Herr Rehbein von den Schergen der Stasi verhaftet und nach monatelanger Folter und qualvollen Verhören schließlich in Chemnitz zu 45 Jahren Lagerhaft in Russland verurteilt. Wofür? Dafür, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Er wollte lediglich wissen, weshalb man 1952 in der DDR immer noch mit Lebensmittelmarken einkaufen musste und nicht frei über seine Einkäufe entscheiden konnte wie in der BRD. Der gesamte Prozess wurde auf russisch durchgeführt, die einzigen deutschen Worte, die Herr Rehbein nach der Urteilsverkündung hörte, waren „Nimm nicht so tragisch“ von einem russischen Offizier. Er sah sein Leben eigentlich als beendet an und konnte sich die lange Zeit im Lager „Workuta“ nicht vorstellen, konnte es einfach nicht fassen, dass er seine Familie und seine Heimat nie wiedersehen würde. Durch Kameradschaft, so erzählte Herr Rehbein, hielt er durch. Die Schüler erfuhren, dass er im Lager sogar an einem Streik beteiligt gewesen war, um bessere Bedingungen zu erhalten. Er hatte ja nichts mehr zu verlieren. Nachdem ihm „Stalin mit seinem Tod am 4. März 1953 ein Geburtstagsgeschenk gemacht habe“, so Herr Rehbein wörtlich, erreichte Konrad Adenauer in Moskau im Jahr 1955 die Freilassung für die deutschen Gefangenen in den russischen GULAGs.

Mit der Rückkehr in die Heimat sollte aber für Herrn Rehbein das Elend noch kein Ende finden, da ihn nach einer Woche die Stasi anheuern wollte, was er ablehnte. Über 20mal hat er im Lauf seines Lebens Besuch von einem Stasi-Mitglied gehabt, sodass er sich  in ständiger Angst um sein Leben und um das seiner Angehörigen befand. Außerdem musste er noch einmal ins Gefängnis – für vier Jahre nach Bautzen.

Herr Rehbein hat uns alle erschüttert mit einer Lebensgeschichte, die viele zu Tränen gerührt hat. Wie konnten Menschen nur derart brutal sein? Wie kann man das so lange durchhalten?

Ein Schüler fragte nach, wann Herr Rehbein verstanden habe, dass er frei sei. Daraufhin kam die Antwort: „Nach der Wende 1989.“

Mit 80 Jahren fährt Herr Günther Rehbein an viele Schulen und Lehrerfortbildungsanstalten, um gegen das Vergessen bzw. das Verdrängen anzukämpfen. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass die Jugend, die die Demokratie der Zukunft aufbauen und tragen muss, über die Vergangenheit in der DDR Bescheid weiß.

Wir danken ihm für einen Vortrag, den sicherlich keiner von den Zuhörern so schnell vergessen wird!





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